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Thema Schadstoffe

Alle Kreuzfahrt-Themen, die in keines der anderen Foren passen, z.B. allgemeine Diskussionen, Forentechnisches usw.

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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Gerd Ramm am 03.12.2018 15:53

Mal etwas Positives zum Thema: Hapag Lloyd rüstet 10 Frachter mit Abgasreinigung aus https://www.schiffsjournal.de/hapag-llo ... emen-nach/
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Raoul Fiebig am 19.12.2018 21:06

Hallo allerseits,

hier eine Pressemeldung der CLIA von heute:

Die Kreuzfahrtreedereien legen sich auf eine weltweite Reduktion des CO2-Ausstoßes um 40 Prozent bis zum Jahr 2030 fest

WASHINGTON, DC (19. Dezember 2018) — Der internationale Kreuzfahrtverband CLIA (Cruise Lines International Association) hat heute bekannt gegeben, sich auf eine Reduktion der CO2-Emissionen über die gesamte Kreuzfahrt-Flotte hinweg um 40 Prozent bis zum Jahr 2030 festzulegen.

„Die Ankündigung ist ein Beitrag zur branchenübergreifenden Zusammenarbeit und zu einem gemeinsamen Engagement für nachhaltigen Umweltschutz“, sagte Arnold Donald, CLIA Global Chairman sowie President & CEO der Carnival Corporation & PLC. „Wir sind bestrebt, die International Maritime Organization bei der Vision einer CO2-freien Schifffahrt bis Ende des Jahrhunderts zu unterstützen. Unsere Festlegung darauf, Emissionen bis zum Jahr 2030 um 40 Prozent zu reduzieren, ist ein erster wichtiger Schritt zur Realisierung dieser Vision.“

Die Selbstverpflichtung, die Emissionen der weltweiten Flotte um 40 Prozent zu senken, ist das Ergebnis eines gemeinschaftlichen Prozesses Einigkeit zwischen den Unternehmensführungen der Kreuzfahrtbranche zu erzielen. Der Ausgangswert für die Berechnung des Ziels zur CO-Reduzierung ist der CO2-Ausstoß über die gesamte Flotte im Jahr 2008. Dabei wird die Gesamtemission der Flotte, die Anzahl der Betten und die zurückgelegte Strecke in die Berechnung eingehen. CLIA plant, den Fortschritt der Branche im Sinne dieser Verpflichtung jährlich zu veröffentlichen.

Während die CLIA-Mitgliedsreedereien jeweils bereits über verantwortungsvolle und nachhaltige Programme zur Reduzierung der Abfallmenge und zum Erhalt sowie zum Schutz der Weltmeere verfügen, handelt es sich bei der Verpflichtung zur Reduzierung der CO2-Emissionen um eine bedeutende, gemeinsam gestartete Initiative zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen. Die Reduktion wird durch innovative Technologien zur Energieeffizienz beim Schiffs-Design und -Antrieb erreicht. Das erste durch Flüssigerdgas (LNG) betriebene Schiff ist gerade erst in der vergangenen Woche in Dienst gestellt worden, rund 25 weitere derartige Schiffe werden planmäßig bis zum Jahr 2025 im Betrieb sein. Während Schiffe mit LNG-Antrieb allgemein die Umweltverschmutzung verringern, gibt es einen gleichzeitigen Vorteil einer Reduktion der Kohlenstoffdioxidemissionen.

Die Kreuzfahrtbranche ist stolz darauf, als Vorreiter in der maritimen Branche mit der gemeinsamen Verpflichtung zur CO2-Reduktion zur Nachhaltigkeit auf den Meeren beizutragen.
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Kieler am 31.01.2019 14:11

Man muss sich wirklich wundern. Auf der einen Seite machen "Umweltschützer" mobil gegen Emissionen, auf der anderen Seite aber auch gegen dessen Vermeidung: https://www.hansa-online.de/2019/01/featured/116242/67-500-unterschriften-gegen-lng-in-brunsbuettel/ Und wenn keine Innovationen umgesetzt werden, wird auf die angeblich achso böse Industrie geschimpft.
Ich sehe das inzwischen folgendermaßen: Viele, die sich als Umweltschützer tarnen, haben gar kein Interesse an Umweltschutz. Dann würde man nicht anfangen, lange Zeit geforderte Innovationen zu verteufeln. Wenn jemand etwas zugunsten vor mehr Umweltschutz macht, dann ist das die Industrie.

Und wenn sich emissionärmere Technologien wegen so etwas nicht durchsetzen, dann wird natürlich wieder auf die Industrie geschimpft :mad:

Ich nehme solchen Leuten nicht ab, dass die ein Interesse an Umweltschutz haben. Nie und nimmer!!
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Flying Welshman am 02.02.2019 15:04

Man muss das alles auch mal relativ sehen.
1: Anreise zum Schiff. Flugzeug, Bahn oder Auto? Auch so entstehen ja unterschiedlich viele Emmissionen.
2: würden die 2000 oder wie viele Passagiere, die ans Nordkap wollen, alle individuell ( und gleichzeitig) fahren, kämen wir auch locker auf 1000PKW! Und die brauchen eine Fähre zur Überfahrt.

LG

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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Gerd Ramm am 02.02.2019 15:25

Zu der Debatte folgende Statistik:
die häufigste Todesursache in Hamburger Krankenhäusern sind Atemwegserkrankungen, danach folgt Krebs. Herz-Kreislauf ,früher Nr 1 ,ist weit angeschlagen. Woher die Krankheiten wohl kommen?
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Digiman25 am 02.02.2019 16:46

Man muss sich wirklich wundern. Auf der einen Seite machen "Umweltschützer" mobil gegen Emissionen, auf der anderen Seite aber auch gegen dessen Vermeidung

So ist es doch bei vielen Themen rund um den Umweltschutz:
- Kein Strom aus Kernkraft oder Kohle, aber sobald ein Windkarftwerk gebaut werden soll, gibt es Umweltgruppen, die dies aus Rücksicht auf irgendwelche Tiere verhindern wollen.
-Keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr, aber um den ökologischen Fußabdruck von E-Autos (und die menschenunwürdigen Bedingungen bei der Rohstoffgewinnung) macht sich niemand Gedanken
- Kreuzfahrtschiffe sind buh, aber 3 mal im Jahr mit dem Flieger nach Malle (und dort reichlich Dosenbier "genießen") ist OK.
Jeder kann und sollte seinen Teil zu einer gesunden Umwelt beitragen und pauschales Verteufeln ohne das Aufzeigen von Alternativen bringt auch nicht viel, denn den Königsweg gibt es eh nicht..

Gruß aus Lippe
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Raoul Fiebig am 05.06.2019 11:38

Hallo allerseits,

bei Cruisetricks.de gibt es ein lesenswertes Interview: Falsche NABU-Zahlen und Wege zu niedrigeren Emissionen bei Kreuzfahrtschiffen.
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Kieler am 05.06.2019 16:19

Genau so etwas führt dazu, dass das Vertrauen in solche Vereine wie den NABU grundsätzlich schwindet. Auf der anderen Seite werden umweltfreundliche Technologien von Unternehmen wie Carnival eingesetzt und der NABU hat nichts besseres zu tun, als die in den Dreck zu ziehen. Was tragen NABU, Deutsche Umwelthilfe & Co denn zum Umweltschutz bei?

Für mich kann ich nur sagen, ich traue solchen Vereinen kein Wort. Mit Konzernen wie Carnival oder RCI habe ich hingen Mitleid, dass die vom dummen Mainstream in den Dreck gezogen werden. Aber das ist ja nichts neues. [Menschne demonstrieren] gegen die Rodung des Hambacher Forstes, aber selber etwas tun will man auch nicht. Wofür brauchen wie die Kohle denn? [Haben diese Menschen] schon mal daran gedacht, dass man bei sich selbst anfangen sollte? Wenn man selber Strom spart, dann brauchen wir auch weniger Strom. Mindestens genauso schlimm ist [Greta Thunberg]. Nicht dass mich das Schule schwänzen stören würde, die Schüler versauen sich damit ja ihre eigene Zukunft. Aber das schlimme ist, wie das abgefeiert wird. Was trägt die denn zum Klimaschutz bei? Gar nichts!
Wenn umgekehrt hingegen Konzerne wirklich etwas zum Klimaschutz beitragen, etwa in Form der Entwicklung alternativer Antriebe wie LNG, dann fängt man früher oder später an, das zu verteufeln. Seriös ist das absolut nicht.

Außerdem kommt noch hinzu, dass die Reedereien Geld in dem Umweltschutz investieren. Allein das ist ehrenhaft. Und jetzt kommt mir bitte nicht mit so etwas von wegen "die wollen damit auch Geld verdienen". Denn das haben sie auch verdient.

Was auch störend auffällt: In den letzten Jahren hat sich vieles bezüglich Umweltschutz positiv entwickelt. Vor wenigen Jahren gab es weder Scrubber, noch LNG-Antriebe. Trotzdem wird die Kritik immer lauter. Das ist doch nicht seriös. Wenn die umgefilterte Schwerölverbrennung von 10 Jahren kaum gestört hat, warum sind Scrubber und LNG dann heute so schlimm?

Und diese Forderungen von NABU, Deutscher Umwelthilfe und Co kann ich auch nicht mehr hören. Wer etwas fordert, der soll auch finanziell dafür geradestehen. Von daher kann ich den Abschnitt in dem verlinkten Artikel bezüglich öffentlichem Druck auch nicht teilen, denn dann tun Vereine wie der NABU so, als hätten sie etwas erreicht. Verantwortlich dafür ist aber derjenige, der dafür auch Geld in die Hand genommen hat. Aber die zieht man ja lieber weiterhin in den Dreck, als Belohnung dafür, dass sie klimafreundliche Innovationen umsetzen.
Zuletzt geändert von Raoul Fiebig am 05.06.2019 16:48, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Einige Formulierungen unter Hinweis auf Punkt 7.b) der Forenregeln editiert.
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon JanMartin am 05.06.2019 20:42

Kieler hat geschrieben:Genau so etwas führt dazu, dass das Vertrauen in solche Vereine wie den NABU grundsätzlich schwindet.

Nö, es steigt sogar noch, weil es sehr attraktiv ist, mit falschen Zahlen zu arbeiten und der NABU in der Öffentlichkeit und durch die Massenmedien nicht genug als mit falschen Zahlen arbeitend diskrediert wird. Die Bevölkerung hat einfach keine Ahnung von diesen unrealistischen NABU-Werten und stellt sie auch nicht infrage ...
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Kieler am 06.06.2019 17:18

Ich bin jedenfalls der Ansicht, dass man in erster Linie denjenigen den Rücken stärken sollte, die wirklich etwas zum Klimaschutz beitragen. Und da gehören NABU & Co ganz und gar nicht dazu. Wenn Carnival LNG-betriebene Schiffe bestellt, wer bezahlt die? Der NABU? Greta Tunberg? Doch bestimmt nicht.
Man darf seine Meinung sagen, aber es kann doch nicht angehen, dass diejenigen, die tatsächlich etwas zum Klimaschutzbeitragen, in der Öffentlichkeit wie der letzte Deck behandelt werden, während diejengen, die quasi gar nichts tun, schon fast zum Messias berufen werden.
Zuletzt geändert von Kieler am 06.06.2019 17:47, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Ewald am 06.06.2019 20:28

@ kieler, ich stimme dir zu in dem Punkt, das beim NABU und deren Argumentation einiges im Argen liegt.
Aber JA sie haben was bewirkt .... bei den Reedern fand ein Umdenken statt !
Auch wenn Du es vielleicht nicht wahrhaben willst, ohne NABU und Co wäre keine Reederei auf die Idee gekommen Filter einzubauen od. Marienediesel zu fahren etc.
NEIN , wenn da kein Druck gemacht worden wäre, alles so geblieben !
Das sind keine GUTMENSCHEN sondern knallharte Unternehmen, deren Ziel es ist zu Verdienen für ihre Aktionäre!
Wieso glaubst du denn sind deren Schiffe alle ausgeflaggt?
Fahren fast ausschließlich mit Besatzungen aus Billiglohnländern - da einmal drüber nachgedacht ??
Stromanschlüße in den Häfen ... toll und Umweltfreundlich !
Aber wenn der Strom teurer ist als das Schweröl ... was meinst tun die Reeder wohl dann ?
Denn eine gesetzliche Vorschrift Strom abzunehmen gibt´s nicht !!!!

Was mich z.B. immer schön störte, das man die Handelsschiffahrt fast immer "verschont" hat, obwohl die viel mehr Dreck rausblasen.... und es sind viel mehr Schiffe als die Kreuzfahrer. Aber letztlich kann Deutschland so etwas nicht im Alleingang machen, die Konkurenz schläft nicht, sollten unsere Häfen(besser der Staat) die Schraube andrehen fahren die Schiffe eben nach Holland/Belgien - da hätte dramatische Folgen !
Aber man hat sich eben ein lukratives, Medien gerechtes Opfer gesucht... und dafür ist die "weiße Flotte" doch ideal. Und wie geschrieben ... sie haben was bewirkt.
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon marcookie am 06.06.2019 20:31

@Ewald,
das stimme ich Dir voll zu und von mir 100% schon unterschrieben worden :thumb:
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Digiman25 am 07.06.2019 07:00

Auch ich kann @Ewald nur zustimmen.
Selbst wenn NABU und co. ihre eigenwilligen Ziele verfolgen: ohne sie wäre nichts passiert. Weder bei den Schiffen, noch bei den Schadstoffen in den Städten. Dass es zu zweifelhaften und ungeliebten Maßnahmen wie Straßensperren kommt, kann man weder den Initiativen, noch den Gerichten vorwerfen. Hier haben Industrie und Politik gepennt oder es bewusst ausgesessen.
Stromanschlüße in den Häfen ... toll und Umweltfreundlich !

Diese Maßnahme, die ja vor allem von AIDA gern beworben wird, würde die Schiffe relativ wenig kosten, ist in den Häfen aber kaum realisierbar. Der Leistungsbedarf für das Bordleben von ein paar tausend Passagieren mit Klima, Küche, Unterhaltung... ist so riesig, dass die Investitionen in den Häfen kaum zu leisten sind. Und wenn dann in einer kurzen Saison (wie in den nordischen Häfen) jeden Tag mehrere von den Schiffen zu versorgen sind... eine kaum realisierbar Investition. Das funktioniert ja selbst bei den wesentlich kleineren Flusskreuzern nur in Ansätzen. Von E-Autos ganz zu schweigen.
Bei Frachtschiffen wäre es eine machbare Lösung: der Leistungsbedarf pro Schiff ist - selbst wenn viele Kühlcontainer an Bord sind - wesentlich geringer, Güterverkehr ist ganzjährig und die große Menge an Frachtschiffen hat in vielen Häfen viel mehr Auswirkungen auf die Umgebung als die "paar" Kreuzfahrer.

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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Kieler am 07.06.2019 07:19

Ewald hat geschrieben:@ kieler, ich stimme dir zu in dem Punkt, das beim NABU und deren Argumentation einiges im Argen liegt.
Aber JA sie haben was bewirkt .... bei den Reedern fand ein Umdenken statt !
Auch wenn Du es vielleicht nicht wahrhaben willst, ohne NABU und Co wäre keine Reederei auf die Idee gekommen Filter einzubauen od. Marienediesel zu fahren etc.
NEIN , wenn da kein Druck gemacht worden wäre, alles so geblieben !
Das sind keine GUTMENSCHEN sondern knallharte Unternehmen, deren Ziel es ist zu Verdienen für ihre Aktionäre!
Wieso glaubst du denn sind deren Schiffe alle ausgeflaggt?
Fahren fast ausschließlich mit Besatzungen aus Billiglohnländern - da einmal drüber nachgedacht ??
Stromanschlüße in den Häfen ... toll und Umweltfreundlich !
Aber wenn der Strom teurer ist als das Schweröl ... was meinst tun die Reeder wohl dann ?
Denn eine gesetzliche Vorschrift Strom abzunehmen gibt´s nicht !!!!

Ich sage ja nicht, dass alles falsch ist, was NABU & Co machen.
ABER: In den letzten Jahren hat sich vieles verbessert. Vor 10 Jahren fand eigentlich nur ungefilterte Schwerölverbrennung statt. Damals haben Umweltschützer das kritisiert, mit dem Hinweis, man würde keine verfügbaren Filter einsetzen. Nachdem Scrubber irgendwann Standart wurden, mat man angefangen das zu kritisieren mit Hinweis darauf, dass man dann ja weiterhin Schweröl einsetzen kann und man hat alternative Kraftstoffe wie LNG gefordert. Inzwischen sind schon LNG-Schiffe im Bau, beziehungsweise in Fahrt. Und trotzdem wird die Kritik immer lauter.

Inzwischen machen Umweltschützer Stimmung gegen LNG. Das ist in meinen Augen nicht seriös.

Bei den Reederen findet ein Umdenken statt - aber wer bezahlt das?

In dieser Hinsicht haben NABU & Co bei mir wirklich etwas erreicht. Vor einigen Jahren war ich selbst noch eher ein Grüner. Inzwischen ist das absolut nicht mehr der Fall. Weil es nicht seriös ist, etwas zu kritisieren, was man vor einigen Jahren noch selbst gefordert hat. Ausserdem hat der NABU vornehmlich die Kreuzfahrtschiffe im Visier, obwohl die nur einen geringen Teil der Schiffe ausmachen, auf de Weltmeeren genauso wie etwa im Hamburger Hafen. Ist deren Schweröl nun schlimmer als das, was etwa Containerschiffe verbrennen? Es ist doch so, dass neue, umweltschonende Technologien meistens zuerst auf Kreuzfahrtschiffen zum Einsatz kommen. Auch das ist nicht seriös.

Die Reeder flaggen aus, um Kosten zu sparen und Gewinne zu maximieren, aber das macht doch jeder so. Wenn der Betrieb unter der Flagge der Bahamas günstiger ist als unter deutscher Flagge, dann wählt man die Flagge der Bahamas. Wenn etwa der Fernseher Modell x bei Saturn günstiger ist als bei Media Markt, oder etwa der Liter Benzin bei einer Tankstelle drei Cent mehr kostet als bei der Tankstelle auf der anderen Straßenseite, wofür entscheidet man sich dann? Ich wähle das günstigere Modell. Genau dasselbe machen RCI und Carnival auch. Daran ist in meinen Augen nichts verwerflich.

Und den grundsätzlichen Vorwurf derart, deren Ziel es ist, Geld zu verdienen, kann ich inzwischen nicht mehr hören. Geld verdienen will jeder. Ja, Konzerne wie Carnival betreiben das zugunsten ihrer Aktionäre in größerem Maße als Privatlete, aber daran, Geld verdienen, ist nichts verwerflich. An dieser Stelle etwas grundsätzliches, was mich stört: Ich bin ein regelmäßiger Kinogänger und in diversen Filmforen angemeldet. Auch dort wurde wiederholt der Vorwurf erhoben, den Produzenten ginge es nur darum, Geld zu verdienen. Aber das ist doch deren gutes Recht. Wer meine Freizeit bereichert hat, sei es durch eine Reise oder durch einen Film, der hat auch das Recht, daran Geld zu verdienen.
Jedenfalls haben gewisse Unternehmen meine Freizeit bereichert. Ich habe zwar dafür bezahlt, aber trotzdem war das eine Bereicherung für mich. Und von daher haben sie es auch verdient. Geld zu verdienen. Was erwartet man denn? Dass Kreuzfahrten, Kinobesuche und ähnliches kostenlos angeboten werden? Nein, es ist deren gutes Recht, Gewinne zu erzielen.

Wenn Carnival nun auch Schiffe mit LNG-Antrieb in Fahrt bringt, dann wird man auch darauf schauen, wie sich das auf die Buchungszahlen auswirkt. Wenn das in der Hinsicht keinen Effekt hat, zeigt das doch gerade, dass es den Kunden offenbar egal ist, mit welchen Antrien man unterwegs ist. Der Verbraucher hat es selbst in der Hand.

PS: Ist der Beriff "(links-grüne) Gutmenschen" nicht ein Vorwurf aus AfD-Kreisen in Richtung solcher Vereine wie den NABU, und keineswegs ein Kompliment, wie du es verwendest?
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon fneumeier am 07.06.2019 07:58

@Ewald,

nun ja, der Nabu mag hier in Deutschland etwas gehört worden sein. Aber der eigentliche Grund für Scrubber, Filter, LNG und Co. sind schlicht die international sich verschärfenden Grenzwerte, die von den Schiffen zu bestimmten Stichtagen einzuhalten sind. Und diese Grenzwerte lagen auch schon lange vor Fridays for Future fest.

Ich denke nicht, dass die Mardi Gras von Carnival, die überhaupt nicht in Europa fahren wird (abgesehen von der Überführungsreise) dem Nabu zu verdanken ist ;) .

Außerhalb Deutschlands wurde das Thema Schadstoffe von Kreuzfahrtschiffen praktisch nicht wahrgenommen. Der Ami schert sich zuzusagen buchstäblich einen Dreck um einen Scrubber in seinem Kreuzfahrtschiff, mit dem er unterwegs ist.

Gruß

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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Raoul Fiebig am 07.06.2019 17:25

Hallo allerseits,

nachfolgende Pressemitteilung habe ich von der Cruise Lines International Association erhalten:

CLIA veröffentlicht neue Daten zum Umweltengagement der Kreuzfahrtindustrie

· Kreuzfahrtverband CLIA fördert konstruktiven Dialog zu bewährten Praktiken und Innovationen für mehr Umweltschutz Neue Kreuzfahrtschiffe mit umweltfreundlicherem LNG-Antrieb im Wert von 22 Mrd. US-Dollar bestellt
· 111 Kreuzfahrtschiffe sind bereits mit Abgasnachbehandlungssystemen ausgestattet
· 12 weitere bestehende Kreuzfahrtschiffe und 27 neue Kreuzfahrtschiffe werden mit Abgasnachbehandlungssystemen ausgestattet
· Auf jedem neuen Kreuzfahrtschiff kommen moderne Umwelttechnologien zum Einsatz

Hamburg, 7. Juni 2019 – Für die globale Kreuzfahrtindustrie sind der nachhaltige Umgang mit Meeren und attraktive Reiseziele nicht nur wichtige Umweltziele, sondern Voraussetzungen für ein nachhaltiges Geschäftsmodell. Aufgrund ihrer Präsenz und Beliebtheit stehen Kreuzfahrtschiffe ganz besonders im Fokus der Öffentlichkeit. Dabei ist der Anteil der Kreuzfahrtindustrie an den Umweltfolgen durch den Tourismus wie auch jenen durch die globale Schifffahrt vergleichsweise gering: Denn die Kreuzfahrt hat einen Anteil von nur zwei Prozent am internationalen Reiseaufkommen* und die weltweite Kreuzfahrtflotte macht weniger als ein Prozent an der kommerziellen Schifffahrt aus.

„Ungeachtet dessen möchten CLIA und ihre Mitgliedsreedereien als Teil des gesamten Tourismus- und Schifffahrtssektors einen großen Teil zum Umwelt- und Meeresumweltschutz beitragen“, sagt Helge Grammerstorf, National Director von CLIA Deutschland. Die unter dem Dach der Cruise Lines International Association (CLIA) zusammengeschlossenen Reedereien profitieren vom konstruktiven Dialog zu bewährten Praktiken für mehr Umweltschutz und Innovationen im Bereich der Nachhaltigkeit. „Die Forschung innerhalb des Kreuzfahrtsektors und erhebliche Investitionen in neue Technologien sind entscheidende Komponenten für die Marktfähigkeit und Serienreife dieser modernen Technologien für die gesamte Schifffahrt“, so Grammerstorf.

Die Beispiele sind zahlreich:

• Weltweit hat die Kreuzfahrtindustrie bereits eine Mrd. US-Dollar in neue Technologien und sauberere Kraftstoffe investiert, um die Luftemissionen der Schiffe deutlich zu reduzieren. Die zukunftsorientierte Branche hat mehr als 22 Mrd. US-Dollar für den Bau hochmoderner, mit LNG betriebener Kreuzfahrtschiffe bereitgestellt, die so noch geringere Emissionen und eine höhere Energieeffizienz erreichen werden.
• Das erste mit Flüssiggas betriebene Kreuzfahrtschiff wurde bereits in Dienst gestellt, weitere sind bestellt. Andere Schiffe werden mit Schweröl angetrieben, nutzen aber emissionsmindernde Technologien wie Abgasreinigungssysteme, Maßnahmen zur Verringerung des Widerstandes im Wasser und eine optimierte Routenplanung, und minimieren so ihre Umweltauswirkungen.
• Die Kreuzfahrtindustrie hat schon früh die Möglichkeiten der Abgasreinigungstechnologie eingesetzt. Dadurch ist diese Technik so weit ausgereift, dass sie dazu beiträgt, den Schwefelgehalt über die vorgeschriebenen Grenzwerte hinaus und den Feinstaubausstoß in der Schifffahrt insgesamt zu reduzieren.
• Derzeit sind 111 Schiffe mit einer Kapazität von mehr als 305.000 Passagieren mit solchen Technologien ausgestattet. Zwölf weitere Schiffe werden mit Abgasreinigungssystemen nachgerüstet, für 30 weitere ist eine solche Nachrüstung in Planung. 27 neue Schiffe mit einer Kapazität von fast 100.000 Passagieren werden bereits beim Bau mit Abgasnachbehandlungssystemen ausgestattet. Die Zahl der Schiffe, die mit Landstromanschlüssen ausgestattet sind bzw. nachgerüstet werden, um in entsprechend ausgerüsteten Häfen den Strom aus dem lokalen Stromnetz nutzen zu können, steigt kontinuierlich.

Kreuzfahrtschiffe verkleinern kontinuierlich ihren ökologischen Fußabdruck

CLIA und ihre Mitgliedsreedereien engagieren sich ebenso wie die gesamte Schifffahrtsbranche für eine emissionsfreie Zukunft. Als globale Branche hat sich die Kreuzfahrt verpflichtet, die CO2-Emissionen bis 2030 um 40 Prozent zu reduzieren.

Der Bau eines neuen Kreuzfahrtschiffes dauert in der Regel 18 bis 30 Monate und jedes neue Schiff, das in Dienst gestellt wird, ist umweltfreundlicher als das vorherige. Immer mehr Schiffe wenden emissionsreduzierende Technologien an, um ihren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Das ist auch deshalb relevant, weil Schiffe, die heute gebaut werden, eine Lebenserwartung von mehr als dreißig Jahren haben.

Durch Kooperation und kontinuierliche Gespräche werden die Kreuzfahrtindustrie und CLIA auch weiterhin dazu beitragen, den Tourismus nachhaltiger zu gestalten und so die Umwelt zu schützen.

* Im Jahr 2018 nahmen 28,5 Millionen Menschen weltweit an einer Kreuzfahrt teil. Laut UNWTO World Tourism Barometer 2018 entspricht dies zwei Prozent der gesamten globalen Reisebranche.
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Kieler am 08.06.2019 08:50

Ich habe ohnehin das Gefühl, dass die Menschen auf der Straße überhaupt nicht interessiert, ob ein Schiff nun mit Schweröl oder LNG fährt, Hauptsache Stimmung gegen Kreuzfahrer machen, da stören Fakten nur. Dass inzwischen alle großen Reedereien LNG-Schiffe bestellt haben, was vor fünf Jahren noch undenkbar war, scheint niemanden zu interessieren. Viele Unternehmen werden hie zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Es ist in meinen Augen einfach völlig krank wie sehr diese Öko-Wahn inzwischen den Alltag prägt, und das ohne einen Blick auf Tatsachen zu werfen.

Vor 5 Jahren konnte jedes Schiff ungefiltert Schweröl verbrennen. Heute hat jede große Reederei LNG-Schiffe bestellt. Sicher ist auch hier nicht alles perfekt, aber jeder Fortschritt ist ein Fortschritt. Trotzdem ist die Kritik schlimmer als vor 5 Jahren. Für mich lässt das ausschließlich den Rückschluss zu, dass es denen nicht um Klimaschutz geht, sondern nur um Pöbeleien. Und um es in den Worten meines Vorredners zu sagen, der Öko schert sich einen Dreck um den Fortschritt. Passt nicht ins Weltbild. Wenn es saubere Schiffe gibt kann man nicht mehr rumpöbeln. Deshalb achtet man gar nicht auf Fakten. Hauptsachen pöbeln.

Ja, auch LNG ist nicht perfekt und es wird Weiterentwicklungen geben, etwa die Brennstoffzelle. Aber es ist ein Fortschritt, und das sollte anerkannt werden, ohne pauschal alles als "Dreckschleudern" zu verteufeln. Wenn man gegen alles gleichermaßen hetzt, sei es ungefilterte Schwerölverbrennung, sei es ein Scrubber oder LNG, ohne zu differenzieren, dann zeigt das in meinen Augen, dass man kein Interesse an Klimaschutz hat, es geht schlichtweg darum rumzumeckern.
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Kieler am 09.06.2019 20:20

https://forum-schiff.de/phpBB3/viewtopic.php?f=9&t=1377&start=4320

Solche Aktionen sind, wie Kollege Martin Witte schon geschrieben hat, auch mehr als kontraproduktiv. Für micht sind das schlichtweg Kriminelle. Und es bestärkt mich in meiner Meinung, dass Carnival & Co missbrauchte Opfer sind.
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Raoul Fiebig am 09.06.2019 21:31

Hallo Kieler,

bitte zu diesem Thema hier weiterdiskutieren. Danke.
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Raoul Fiebig am 26.08.2019 21:00

Hallo allerseits,

mit urlaubsbedingter Verspätung hier eine Pressemitteilung des Naturschutzbund Deutschland:

NABU-Kreuzfahrt-Ranking 2019: Die Luft wird etwas sauberer, Klimabelastung steigt

Kreuzfahrt darf nur mit Nullemissionsantrieben eine Zukunft haben

Hamburg/Berlin – Der Kreuzfahrtmarkt boomt und belastet trotz einzelner Verbesserungen die Luft und auch das Klima zunehmend. Das ist das Ergebnis des NABU-Kreuzfahrtrankings 2019, das der Umweltverband am heutigen Mittwoch in Hamburg vorstellte. Ein kleiner Teil der Flotte wird zwar zunehmend sauberer, das Gros der Branche setzt aber weiterhin auf Schweröl und verzichtet auf den Einsatz von Abgastechnik. Besonders verheerend schlägt die Klimabilanz der Schiffe zu Buche, die der NABU dieses Jahr zusätzlich in den Fokus nimmt. Sämtliche der 89 bewerteten Schiffe werden mit fossilen Kraftstoffen betrieben, die enorme Treibhausgasemissionen verursachen. Einzig zwei Segelschiffe schneiden hier besser ab, entsprechen jedoch auch nicht dem gängigen Schiffstypus.

NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller: „Es ist ein Schlag ins Gesicht der Jugend, dass sich die Kreuzfahrtbranche im Grunde geschlossen dem Klimaschutz verweigert. Gerade dieser Tage kann niemandem entgangen sein, unter welch enormen Handlungsdruck die Weltgemeinschaft angesichts der Klimakrise steht. Dennoch spülen die Anbieter Jahr für Jahr weitere Riesenschiffe auf den Markt, die allesamt mit fossilen Kraftstoffen betrieben werden. Das ist absolut unzeitgemäß und verantwortungslos. Die Kreuzfahrt darf nur mit Nullemissionsantrieben eine Zukunft haben.“ Laut NABU dominieren Schweröl-getriebene Dieselmotoren weiterhin die Antriebstechnik. Seit Kurzem nehmen auch immer mehr Kreuzfahrtschiffe mit Flüssiggasantrieb den Betrieb auf. Doch auch dieses Flüssiggas (LNG – liquid natural gas) ist weiterhin ein vollständig fossiler Brennstoff, der zudem teilweise mit erheblichen Eingriffen in die Umwelt gewonnen wird. Hinzu kommt der sogenannte „Methanschlupf“, bei dem das hoch-potente Klimagas „Methan“ in die Atmosphäre entweicht. Entsprechend bietet der Gasantrieb zwar in puncto Luftschadstoffminderung unbestreitbare Vorteile gegenüber Marinediesel und Schweröl, nicht jedoch in Hinblick auf die Klimabilanz der Flotte.

Daniel Rieger, NABU-Leiter Verkehrspolitik: „Die Steuerbefreiung mariner Kraftstoffe in Zeiten der Klimakrise ist fatal und muss dringend beendet werden. Solange der Einsatz fossiler Energieträger massiv subventioniert wird und auch die Emissionsstandards und Anforderungen an Energieeffizienz der Schiffe lächerlich gering sind, wird es keine Antriebswende in der Schifffahrt geben. Wir müssen die gesetzlichen Bestimmungen massiv verschärfen, um die Entwicklung und den flächendeckenden Einsatz emissionsfreier Technologien auch in der Schifffahrt zu befördern. Anders kann die Branche nicht bis 2050 komplett klimaneutral werden.“

Der NABU erfasste dieses Jahr erstmalig Technologien zum Klimaschutz im Bereich der Antriebe und der Energieversorgung, die nun in einer gesonderten Kategorie ausgewiesen sind. Einzig zwei Segelschiffe sowie jene Schiffe, die über einen Landstromanschluss verfügen und über diesen ihren Energiebedarf während der Liegezeit im Hafen mit Strom aus erneuerbaren Quellen speisen, schneiden hier besser ab. Auch Hurtigruten setzt mit dem Hybridschiff „Roald Amundsen“ neue Maßstäbe, die einen Effizienzgewinn des weiterhin dieselelektrischen Antriebs und damit eine CO2-Minderung ermöglichen.

Die Bewertung anhand der Luftschadstoffemissionen führt wie auch bereits im vergangenen Jahr die deutsche Reederei AIDA mit ihrem jüngsten Flottenzugang, der AIDA Nova an. Der italienische Mutterkonzern von AIDA, Costa Crociere, konnte mit seinem ebenfalls flüssiggasbetriebenen Neuzugang „Costa Smeralda“ gleichziehen. Auf dem dritten Platz landen drei Schiffe der Reederei Hapag-Lloyd: Die „Europa 2“, Sieger des Jahres 2013, sowie die beiden neuen Expeditionskreuzfahrtschiffe „Hanseatic Nature“ und „Hanseatic Inspiration“. Weit abgeschlagen und seit jeher auf die letzten Plätze abonniert sind die Schiffe der Branchenriesen MSC und Royal Caribbean. Auch der deutsche Anbieter TUI Cruises rangiert mittlerweile nur noch auf dem 13. Platz.
Partikelfilter und Stickoxidkatalysatoren sind weiterhin Mangelware. Immerhin hat dafür mit dem französischen Anbieter Ponant die erste Reederei den freiwilligen Abschied vom Schweröl verkündet und damit die Voraussetzung für zeitgemäße Abgasnachbehandlung geschaffen. Nach wie vor fordert der NABU den generellen Verzicht auf Schweröl und den flächendeckenden Einsatz von Abgastechnik für alle Schiffe im Bestand.

Malte Siegert, Leiter Umweltpolitik beim NABU Hamburg: „Dass heute noch Schiffe mit einem Jahrzehnte alten technischen Standard unterwegs sind, ist ein Skandal. Die umfassende Reduktion von Luftschadstoffen ist heute technisch möglich. Die Technologien für Neubau und Nachrüstung sind verfügbar und kosten einen Bruchteil im Vergleich zu den Baukosten für ein neues Schiff. Jetzt gilt es, saubere Abgastechnik schnellst möglich auf allen Schiffen zu verbauen und zur gesetzlichen Vorschrift für das Einlaufen in Häfen zu machen. Außerdem ist die Landstrompflicht in allen europäischen Häfen überfällig.“ Das setzt neben der ernsthaften Bereitschaft der Kreuzfahrtunternehmen auch voraus, dass z.B. in Hamburg und nicht nur in Altona, sondern auch an den Terminals in der Hafencity und Steinwerder Landstromanlagen installiert werden.


Und die Replik der Cruise Lines International Association:

CLIA-Statement zum NABU-Kreuzfahrtranking 2019

• Abgasreinigungssysteme sind bereits auf 129 Schiffen erfolgreich im Einsatz, Nachrüstung für 40 weitere Schiffe geplant
• Konzentration auf alternative Treibstoffe: 26 weitere LNG-betriebene Kreuzfahrtschiffe bestellt
• Kein wissenschaftlicher und nachvollziehbarer Ansatz beim NABU Kreuzfahrtranking erkennbar

Der Kreuzfahrtverband CLIA nimmt anlässlich eines heute veröffentlichten Kreuzfahrtrankings des NABU Stellung zu einigen Aussagen. Grundsätzlich verfolgen der NABU und CLIA dieselben Ziele, nämlich Emissionen zu reduzieren und die Umwelt zu schützen. Die Auffassungen hinsichtlich der entsprechenden technischen Verfahren und der möglichen Umsetzungsgeschwindigkeit unterscheiden sich jedoch. Die Unterstellung, die Kreuzfahrtbranche verweigere sich im Grunde geschlossen dem Klimaschutz, ist ungerechtfertigt mit Blick auf die Vorreiterrolle, die die Kreuzfahrtbranche im maritimen Umweltschutz einnimmt.

Einige Aussagen und Behauptungen des NABU müssen näher erläutert werden, da diese zu Fehlschlüssen und Missverständnissen führen könnten. Dabei geht es insbesondere um folgende fünf Aspekte:

Schweröl: Die Emissionen eines Kreuzfahrtschiffes hängen nicht allein vom eingesetzten Treibstoff ab. Der Einsatz von Schweröl ohne entsprechende Filter ist u.a. in der Nord- und Ostsee und den angrenzenden Häfen verboten. Kreuzfahrtschiffe, die Schweröl nutzen, müssen gleichzeitig gesetzlich anerkannte Technologien einsetzen (sogenannte Abgasreinigungssysteme), die die Schwefelemissionen auf das Niveau von schwefelarmem Dieselkraftstoff reduzieren.

Alternativ können die Schiffe andere Treibstoffe verwenden, wie Marinediesel oder Flüssiggas (LNG, liquefied natural gas). Beim Antrieb mit LNG entstehen keinerlei Schwefeloxide und Rußpartikel. Die Einhaltung dieser Vorgabe prüfen die zuständigen Behörden regelmäßig.

Ein strengeres, weltweites Schwefellimit wurde bereits beschlossen. Ab dem 1. Januar 2020 sind global verbindlich nur noch Treibstoffe zulässig, die maximal ein Siebtel des Schwefelgehalts von derzeit zulässigen Treibstoffen enthalten. In Nord- und Ostsee sowie den Häfen gilt bereits seit dem 1. Januar 2015 eine Höchstgrenze von 0,1 Prozent Schwefelanteil. Obwohl Kreuzfahrtschiffe weniger als ein Prozent der weltweiten Schifffahrtsflotte ausmachen, geht CLIA hier noch einen Schritt weiter und spricht sich für ein Mitführverbot von nicht zulässigen Treibstoffen für Schiffe aus. Dieser verschärfte Standard würde die zuständigen Behörden bei der Überprüfung der Einhaltung der neuen Regelungen zusätzlich unterstützen.

Abgasreinigungssysteme: Die Behauptung, das Gros der Kreuzfahrtschiffe nutze Schweröl und verzichte dabei auf den Einsatz von Abgastechnik, ist schlicht falsch: Nach Erhebungen der CLIA sind mit 129 Schiffen bereits knapp die Hälfte der aktuell etwa 268 Schiffe der weltweiten Flotte der CLIA-Mitglieder mit Abgasreinigungssystemen ausgestattet. Bei 40 weiteren ist die Nachrüstung solcher Systeme geplant oder es wurde schon damit begonnen. Die Behauptung, die Industrie verzichte auf den Einsatz von Abgastechnologie, entbehrt jeder Grundlage.

Mehrstufige Abgasreinigungssysteme reduzieren laut Angaben der Hersteller die Schwefelemissionen um 99 Prozent und Stickoxide um 95 Prozent, genauso wie Rußpartikel. Die Zahl der Schiffe mit Abgasnachbehandlungssystemen stieg beständig: 2017 waren es 99 Schiffe, mittlerweile sind 129 Schiffe damit ausgestattet.

Landstrom: Es ist schwer nachvollziehbar, dass in diesem Ranking ein Parameter bewertet wird, der in der Praxis nicht erfüllt werden kann. Der NABU beurteilte erstmals, ob Kreuzfahrtschiffe über einen Landstromanschluss verfügen und diesen auch nutzen, um während der Liegezeit im Hafen Strom aus erneuerbaren Quellen in ihr Bordnetz einzuspeisen.

Derzeit gibt es in Europa mit dem Hamburger Hafen und dem Hafen von Kristiansand (Norwegen) allerdings lediglich zwei Häfen, die entsprechend mit Landstromanlagen für Kreuzfahrtschiffe ausgerüstet sind. Aus welchen Quellen dieser Strom kommt, liegt außerhalb des Einflussbereichs der Kreuzfahrtindustrie. CLIA unterstützt die kontinuierliche Entwicklung einer kosteneffizienten Infrastruktur für sauberen Landstrom in Häfen, die von Kreuzfahrtschiffen angelaufen werden – vorausgesetzt, die Nettoauswirkungen bewirken eine Gesamtemissionsreduzierung im Vergleich zum Einsatz der Schiffsmotoren.

Willkürliche Punktevergabe: Ein wissenschaftlicher und nachvollziehbarer Ansatz ist beim NABU Kreuzfahrtranking nicht zu erkennen. Das zeigt sich unter anderem daran, dass der NABU die Umwelttechnologien von Jahr zu Jahr unterschiedlich bewertet. So wird beispielsweise der Einsatz von Abgasreinigungsanlagen und anderen Umweltschutzmaßnahmen in diesem Rankjng nur gewürdigt, wenn sie über die gesetzlich festgelegten Standards hinausgehen. Auch die Punktevergabe in der neuen Kategorie zur Klimabilanz ist nicht einheitlich. Während für die Nutzung von Segeln zwei Punkte vergeben werden, bringt die gleichzeitige Nutzung von Landstrom und einem Air Lubrication System auf demselben Schiff trotzdem insgesamt nur einen Punkt. Darüber hinaus werden keinerlei operative Maßnahmen berücksichtigt, welche die Emission von Treibhausgasen im Schiffsbetrieb reduzieren.

Hohes Engagement der Branche: Der Fortschritt zeigt, dass die Branche als Ganzes am Einsatz neuer Technologien arbeitet. Neben den Abgasreinigungssystemen kommen immer mehr Schiffe mit alternativen Antrieben auf den Markt. Weltweit hat die Kreuzfahrtindustrie bereits mehr als eine Mrd. US-Dollar in neue Technologien und sauberere Kraftstoffe investiert, um die Luftemissionen der Schiffe deutlich zu reduzieren. Die zukunftsorientierte Branche hat mehr als 22 Mrd. US-Dollar für den Bau hochmoderner, mit LNG betriebener Kreuzfahrtschiffe bereitgestellt, die so noch geringere Emissionen und eine höhere Energieeffizienz erreichen werden. So wurde 2018 das erste Kreuzfahrtschiff weltweit in Dienst gestellt, das ausschließlich mit Flüssiggas betrieben wird. Noch in diesem Jahr folgt ein weiteres Schiff, 26 weitere Schiffe mit LNG-Antrieb sind weltweit bestellt. Die Reedereien investieren erheblich in neue Schiffe und Technologien: Mehr als jeder vierte Euro, den die Reedereien allein im Jahr 2017 in Europa ausgaben, entfielen auf den Schiffbau und die Instandhaltung der Kreuzfahrtschiffe. Das entspricht 5,63 Milliarden Euro. Die Forderung des NABU, die Ausstattung der gesamten Kreuzfahrtflotte mit Umwelttechnologien stärker voranzutreiben, wird bereits erfüllt.

Klima- und Umweltschutz bleibt für CLIA und ihre Mitglieder eine Daueraufgabe. Das zeigen die Investitionen in die Schiffsausstattung und der ständige Dialog mit internationalen Seeschifffahrtsorganisationen. Jedes Jahr verzeichnet die Kreuzfahrtbranche Fortschritte und wird damit auch in Zukunft Vorreiter im maritimen Umweltschutz bleiben.
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