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Thema Schadstoffe

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Moderator: OHV_44

Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Urlauber am 20.12.2015 19:40

Warum sitzen die Irren, welche sich für Reederei x oder y wegen deren tollen Umweltschutz entschieden haben eigentlich immer bei mir am Tisch? Und erzählen mir, daß sie die Reise geschenkt bekommen haben aber für noch mehr Umweltschutz gerne jeder ein paar Hunnis mehr abdrücken möchten?
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Raoul Fiebig am 06.01.2016 23:06

Hallo allerseits,

nachfolgende Pressemitteilung habe ich von AIDA Cruises erhalten:

AIDA Cruises zieht positive Nachhaltigkeitsbilanz für 2015
Weitere Meilensteine im Engagement zur Senkung der Emissionen erreicht

AIDA Cruises, Vorreiter der Deutschen Kreuzfahrtindustrie im Umweltschutz, setzte sein Engagement zur Senkung der Emissionen auch in 2015 erfolgreich fort.
„Wir haben erneut wichtige Meilensteine in Sachen Umweltschutz erreicht. Seit 2015 wird AIDAsol als weltweit erstes und einziges Kreuzfahrtschiff über die LNG Hybrid Barge im Hamburger Hafen mit Strom aus emissionsarmem Flüssigerdgas versorgt. Weitere Schiffe der AIDA Flotte erhielten erste Einbauten des umfassenden Filtersystems zur Abgasreduzierung. Gemeinsam mit atmosfair haben wir ein Klimaschutzprogramm zur Senkung der CO2 Emissionen auf den Weg gebracht und als neues Mitglied der Stiftung 2° setzten wir unter anderem auf der Weltklimakonferenz in Paris ein klares Signal für den Klimaschutz“, so die Bilanz von Dr. Monika Griefahn, Direktorin für Umwelt und Gesellschaft bei AIDA Cruises.

AIDA Cruises steuert seinen Kurs auf Nachhaltigkeit konsequent weiter. 2015 gab das Unternehmen den Auftrag für zwei Neubauten der nächsten AIDA Generation bei der Meyer Werft in Papenburg bekannt. Die beiden Schiffe, die 2019 und 2020 in Dienst gestellt werden sollen, werden unter dem Konzept „Green Cruising“ als erste Kreuzfahrtschiffe weltweit zu 100 Prozent mit LNG betrieben.

"Für uns sind wirtschaftlicher Erfolg und nachhaltiges Handeln kein Widerspruch, im Gegenteil. Dies ist die Basis, um langfristig erfolgreich zu sein. AIDA leistet beim Klimaschutz in der Kreuzfahrt Pionierarbeit, insbesondere, wenn es um den Einsatz von Flüssigerdgas (LNG) als emissionsarmem Brennstoff geht“, so Dr. Griefahn weiter.

Der Einsatz von LNG ist bei AIDA bereits heute Realität. Seit dem 30. Mai 2015 wird mit AIDAsol das weltweit erste Kreuzfahrtschiff während der Liegezeit am Hamburger Kreuzfahrtterminal Hafencity mit Energie versorgt, die aus LNG produziert wird. Die LNG Hybrid Barge, ein einzigartiges Pilotprojekt von Becker Marine Systems und AIDA Cruises zur emissionsarmen Stromversorgung von Kreuzfahrtschiffen, wurde in nur drei Jahren konzipiert, konstruiert und in Betrieb genommen. Es gibt derzeit keine umweltfreundlichere Art, ein Kreuzfahrtschiff mit Energie zu versorgen.

Im Vergleich zur Nutzung von herkömmlichem Marinediesel mit 0,1 Prozent Schwefelgehalt wird der Ausstoß von Rußpartikeln und Schwefeloxiden bei der Nutzung von LNG um 100 Prozent, der von Stickoxiden um 80 Prozent und von CO2 um 20 Prozent gesenkt.

AIDAprima, die 2016 in Dienst gestellt wird, und ihr noch namenloses Schwesterschiff verfügen als erste Kreuzfahrtschiffe weltweit über einen Dual-Fuel-Motor. Damit können sie in den Häfen, in denen die erforderliche Infrastruktur bereitsteht, mit LNG betrieben werden. Dies ist ein wichtiger Schritt, denn 40 Prozent seiner Betriebszeit verbringt ein Kreuzfahrtschiff durchschnittlich in einem Hafen. Mit dem Konzept „Green Cruising“ geht das Unternehmen einen entscheidenden Schritt weiter und wird als weltweit erste Kreuzfahrtreederei bereits die folgende Schiffsgeneration 2019/2020 zu 100 Prozent mit LNG betreiben.

In Kooperation mit der Klimaschutzorganisation atmosfair startete AIDA Cruises 2014 ein Klimaschutzprogramm. Das Kreuzfahrtunternehmen kompensiert den CO2-Ausstoß aller dienstlich veranlassten Reisen seiner Mitarbeiter über Klimaschutzprojekte von atmosfair und bietet seit März 2015 auch seinen Gästen die Möglichkeit zur freiwilligen CO2-Kompensation ihrer Kreuzfahrt. Im Rahmen eines Pilotprojektes wird AIDA Cruises die Möglichkeit testen, zukünftig LNG für die Versorgung seiner Kreuzfahrtschiffe einzusetzen, das mit der Power-to-Gas-Methode aus Wind- oder Solarstrom vollständig CO2-frei produziert wird.

Seit Oktober 2015 unterstützt AIDA Cruises zudem die Stiftung 2° in ihrer Arbeit, im Dialog mit der Politik und Wissenschaft auf effektive marktwirtschaftliche Rahmenbedingungen für den Klimaschutz hinzuwirken und die Lösungskompetenz deutscher Unternehmer in diesem Bereich zu aktivieren. Gemeinsam mit weiteren Vertretern von Mitgliedsunternehmen der Stiftung 2° setzte Dr. Monika Griefahn ein Signal anlässlich der Verhandlungen auf der Weltklimakonferenz in Paris und bekräftigte das Engagement von AIDA Cruises für den Klimaschutz.

Mehr Informationen zum Engagement von AIDA Cruises für Umwelt und Gesellschaft auf www.aida.de/aidacares.
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Raoul Fiebig am 08.01.2016 23:07

Hallo allerseits,

folgende Pressemeldung habe ich von der Cruise Lines International Association erhalten:

Kreuzfahrtindustrie ist Vorreiter im maritimen Umweltschutz – CLIA fordert Ausbau von Landstromanlagen in den Häfen

Für die Kreuzfahrt ist eine intakte Umwelt überaus wichtig. Deshalb investiert die gesamte Branche jedes Jahr erheblich in den Schutz der Umwelt – und das mit Erfolg.

Ein besonderer Meilenstein ist die Entwicklung von Abgasreinigungssystemen für Kreuzfahrtschiffe, durch die sich die Schadstoffemissionen wie Stickoxide, Schwefeloxide und Rußpartikel drastisch um rund 90 Prozent und mehr reduzieren werden. Nicht nur Neubauten werden mit den neuen technischen Standards ausgestattet. Auch bestehende Schiffe werden derzeit und in naher Zukunft entsprechend nachgerüstet.

Das gilt auch für die Ausstattung von Kreuzfahrtschiffen mit Landstromanschlüssen. „In den kommenden Monaten ist mit weiteren Anschlüssen auf Schiffen zu rechnen. Auch da wird die Kreuzfahrtindustrie Vorreiter in Sachen Umweltschutz bleiben – obwohl sie von der weltweiten Schifffahrt nur 0,5 Prozent ausmacht“, sagt Helge Grammerstorf, National Director von CLIA Deutschland. „Die Industrie benötigt aber auch eine flächendeckende Versorgung von Landstrom in den Häfen. Der Hamburger Hafen ist hier auf einem guten Weg. Am Terminal Grasbrook versorgt bereits die erste LNG-Barge Kreuzfahrtschiffe mit Strom. Am Terminal Altona gibt es seit Beginn dieses Jahres eine Landstromanlage. Andere Häfen haben in Sachen Landstrom noch großen Nachholbedarf.“ Das geht leider nicht von heute auf morgen. Solche Umrüstungen benötigen ihre Zeit.

Auch in Sachen LNG als alternativer Treibstoff geht es voran. Die ersten Schiffe mit LNG-Antrieb wurden in Auftrag gegeben.
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Raoul Fiebig am 04.04.2016 14:30

Hallo allerseits,

folgende Pressemitteilung hat mich vom NABU Hamburg erreicht:

Traumschiff fürs Fernsehen? Albtraum für die Lunge!

NABU fordert mehr Verantwortung von ZDF und ARD bei „Das Traumschiff“ und „Verrückt nach Meer“

Der NABU nimmt den Anlauf vom ZDF „Traumschiff“ am 3. April am Kreuzfahrtterminal Altona zum Anlass, auf die besondere Verantwortung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens bei den Unterhaltungsformaten „Das Traumschiff“ (ZDF) und „Verrückt nach Meer“ (ARD) hinzuweisen. Gesundheitsgefahren von Emissionen aus der Kreuzschifffahrt sind nach Auffassung des NABU ein ernsthaftes Problem, worüber beide Sendeanstalten gemäß ihres Auftrags von Information und Bildung bereits mehrfach, informativ und auch kritisch berichtet hätten. „Gerade deswegen dürfen ARD und ZDF die aufgezeigten Gefahren bei der Produktion ihrer Unterhaltungsformate nicht ignorieren“, stellt Alexander Porschke, Vorsitzender des NABU Hamburg fest. Die von den Sendern genutzten Kreuzfahrtschiffe sind jedoch bis zu 30 Jahre alte Ungetüme ohne Rußpartikelfilter, Katalysator oder Landstromtauglichkeit. „Auf der Straße wären solche alten Schlorren schon lange entsorgt worden. Angesichts der Finanzierung durch die Gebührenzahler sollten die Sendeanstalten bei der Auswahl ihrer Flaggschiffe mindestens darauf achten, dass sie mit entsprechender Technik nachgerüstet werden. Steuer- und Gebührenzahler müssen erwarten können, dass von öffentlich-rechtlichen Sendern genutzte Kreuzfahrtschiffe, aber auch Behördenfahrzeuge mit besserem Beispiel vorangehen“, so Porschke. Von Seiten des ZDF lakonisch darauf zu verweisen, die Reederei halte sich an die gesetzlichen Vorgaben, deute auf mangelndes Problembewusstsein. „Für das ZDF Unterhaltungsprogramm werden die Erkenntnisse des Senders offenkundig ausgeblendet.“

Mit einer überdimensionalen Lunge, untertitelt mit dem Slogan „Traumschiff? Albtraum für die Lunge!“, macht der NABU heute am Kreuzfahrtterminal Altona deutlich, welche erheblichen gesundheitlichen Auswirkungen Schiffsemissionen wie Stickoxid, Schwefeldioxid, Feinstaub und Ruß auf das lebenswichtige und sensible Organ haben. Die Umweltschützer stellten am Kreuzfahrtterminal eine hohe Konzentration an ultrafeinen Partikeln in der Atemluft fest. Diese lag bis zu 4-fach über dem ortsüblichen Niveau, der sogenannten Hintergrundbelastung, und ist auf die Verwendung von minderwertigem Kraftstoff sowie mangelnde Abgastechnik an Bord zurückzuführen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft Ruß als ebenso krebserregend wie Asbest ein. Über 7 Milliarden Euro wenden die europäischen Gesundheitssysteme für die Folgen schlechter Luftqualität auf. Jährlich sterben in Europa laut EU Kommission 450 000 Menschen vorzeitig an schlechter Luftqualität, davon 50 000 Menschen allein an den Emissionen der Seeschifffahrt. „Runtergerechnet auf die Hansestadt sind das wegen der allgemein schlechten Luftqualität jährlich ca. 1.600 Hamburgerinnen und Hamburger. An einer genauen Gefährdungsanalyse ist die Gesundheitsbehörde offensichtlich nicht interessiert“, sagt Alexander Porschke. Auf ein Schreiben des NABU antwortete sie ausweichend. Alle Behördenschiffe und die stadteigene HADAG-Fähren müssten mit Abgasnachbehandlungssystemen wie Stickoxidkatalysator und Rußpartikelfilter ausgerüstet sein, Kreuzfahrtschiffe zumindest zur möglichen Abnahme von Landstrom während der Liegezeit im Hafen verpflichtet werden. „Es kann nicht sein, dass zweistellige Millionenbeträge öffentlicher Mittel für Landstromeinrichtungen ausgegeben werden und die Reedereien diese dann nicht benutzen“, kritisiert Porschke.
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Urlauber am 04.04.2016 14:40

Das einzige was (mir) auf und um Kreuzfahrtschiffen die Luft verstinkt sind die Raucher auf den Balkonen!
Ich mache mir dann mal einen Kapsel - Kaffee, trinke heute Abend ein selbst importiertes und daher pfandfreies Dosenbier, werfe eine Batterie in den Hausmüll und laß mir beim Einkauf 2 Plastiktüten geben.
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Gerd Ramm am 04.04.2016 22:14

Der NABU soll sich um die Frachtschiffanläufe in Hamburg kümmern, die ein Vielfaches von dem der Kreuzfahrtschiffanläufe sind.
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Ewald am 05.04.2016 14:17

Du hast ja so recht Gerd, aber KF Schiffe sind einfach "besser" für die Presse .....und dann noch die "Belästigung" direkt am Terminal, da kann ich nie auf meinem Balkon sitzen wenn so´n Schiff da liegt - ja das ist wirklich ärgerlich für die Eigentümer :D , wer hätte auch gedacht beim Kauf, das da regelmäßig Schiffe rumliegen ?
Nachweislich treiben ja die Abgase der Handelsschifffahrt sogar vom Engl.Kanal via Holland bis in unsere Breiten ...... darüber liest/hört man erstaunlich wenig - komisch nä!
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon FAUN am 05.04.2016 16:10

Die Handelsschiffe stehen wohl deshalb nicht so in der Kritik, weil ihr Abgasausstoß doch etwas geringer im Hafen ist. Natürlich werden auch hier die gleichen Vorwürfe erhoben, aber die KF-Schiffe "köcheln" so "schön" vor sich her. Bei den beliebten Landstromanschlüssen würde mich einmal die Stromfrequenz an Bord der KF-Schiffe interessieren. Die Frachtschiffe haben gewöhnlich 60 Hz, so wie es in den USA üblich ist. Wir haben in D 50 Hz, also nicht ohne weiteres kompatibel.
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon henry am 05.04.2016 19:04

sorry - die NABUs sind halt "Spinner". Klar, Schadstoffe werden auch von KF-Schiffen ausgestossen, aber es gibt viiiiieeeeel Schlimmeres auf unserer Erde - im Wasser, zu Lande und in der Luft; das jedoch ist nicht so schlagzeilenträchtig.
Ach so: Schadstoffe ausstossende Schiffe soll man nicht zeigen, aber Mord und Totschlag und Katastropohen und... und... und...
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Raoul Fiebig am 20.04.2016 15:09

Hallo allerseits,

nachfolgende Pressemitteilung habe ich vom Naturschutzbund Deutschland e.V. erhalten:

NABU-Studie: Schärfere Grenzwerte für Schiffsemissionen in Nord- und Ostsee sorgen für klare Verbesserung der Luftqualität
Miller: Umweltzone auf See (SECA) zeigt Wirkung – Befürchtungen der Reeder waren unbegründet

Hamburg – Bereits gut ein Jahr seit Einführung verschärfter Schwefelgrenzwerte für Schiffskraftstoffe ist die Luftschadstoffbelastung in Nord- und Ostsee erheblich zurückgegangen. Das ist das Ergebnis einer heute vom NABU vorgestellten Studie. Wissenschaftler des niederländischen Forschungsinstitus CE Delft haben im Auftrag des NABU erstmalig für Europa ausgewertet, wie sich die erhöhten Anforderungen an die Kraftstoffqualität in Schwefelemissionskontrollgebieten (Sulphur Emission Control Area: SECA) auf Umwelt und maritime Wirtschaft auswirken.

Die Untersuchungen zeigen auch, dass sich Bedenken der Reeder nicht bestätigten. Diese hatten wegen der schärferen Vorgaben für den Schiffsdiesel vor signifikanten Kostensteigerungen und einer Verlagerung von Verkehren auf die Straße gewarnt. Der maximale Schwefelanteil für Schiffskraftstoffe in Nord- und Ostsee sowie dem Ärmelkanal war durch die Internationale Seeschifffahrts-Organisation IMO zum 1. Januar 2015 von 1,0 Prozent auf 0,1 Prozent gesenkt worden.

NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller: „Die Umweltzone auf See zeigt Wirkung. Unsere Studienergebnisse belegen die durchweg positive volkswirtschaftliche Bilanz. Durch die Verwendung höherwertiger Kraftstoffe konnte der Ausstoß von Schiffsabgasen um 50 Prozent und mehr gesenkt werden. Entsprechend geringer fielen die Kosten für Gesundheits- und Umweltbelastungen aus, die die Gesellschaft zu tragen hat. Die SECA ist ein europäisches Erfolgsmodell, von dem das klare Signal ausgeht, jetzt auch global die Standards zu verschärfen.“ Die Abgasbelastung durch die internationale Schifffahrt stehe in keinem Verhältnis zum heutigen Technologiestand verfügbarer Abgassysteme. Während die Emissionen von Lkw, Pkw und Baumaschinen an Land zunehmend reguliert seien, genössen Schiffe nach wie vor ein nicht länger hinnehmbares Verschmutzungsprivileg und hätten beim Thema Umweltschutz einen klaren Nachholbedarf. Miller: „Wir müssen uns schnellstmöglich vom giftigen Schweröl als Treibstoff verabschieden und flächendeckend Abgassysteme in den Schiffen installieren.“

NABU-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger: „Die Luftqualität könnte sogar noch deutlich besser sein, denn das große Manko der derzeitigen SECA sind fehlende Kontrollen. Derzeit wird lediglich punktuell im Hafen kontrolliert, weshalb wir eine hohe Dunkelziffer an Gesetzesverstößen auf See vermuten. Der wirtschaftliche Anreiz, gegen geltendes Recht zu verstoßen und mit billigerem Schweröl zu fahren, ist einfach zu groß, während das Risiko erwischt zu werden, verschwindend gering ist.“ Zudem belaufen sich die Geldstrafen in vielen Ländern auf wenige Hundert bis Tausend Euro, was keinen abschreckenden Effekt haben dürfte. Mittlerweile melden sich nach Beobachtungen des NABU selbst aus der Schifffahrtsbranche vermehrt Stimmen, die stärkere Kontrollen fordern, weil sie Wettbewerbsnachteile aufgrund von betrügerischen Aktivitäten der Konkurrenz fürchten. „Fest installierte Messgeräte an Bord jedes Schiffes, stichprobenartige Kontrollen auch auf offener See und in Küstengewässern sowie deutlich höhere Strafen sind hier die einzig zielführenden Maßnahmen, die Einhaltung bestehender Gesetze flächendeckend zu gewährleisten“, so Oeliger.

Mit Blick auf die geplante Absenkung der globalen Schwefelgrenzwerte von Schiffstreibstoffen von derzeit maximal 3,5 Prozent auf 0,5 Prozent ab 2020 lässt sich bereits heute sagen, dass die volkswirtschaftlichen Vorteile eventuelle Mehrkosten durch hochwertigere Kraftstoffe deutlich übertreffen werden. „Jeder Euro und jeder Dollar, der mehr in eine sauberere Schifffahrt gesteckt wird, kommt allen Menschen und der Umwelt doppelt und dreifach zugute. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation IMO muss daher bei ihrem Zeitplan bleiben und bereits in vier Jahren strengere Grenzwerte umsetzen“, so Axel Friedrich, internationaler Verkehrsexperte und wissenschaftlicher Berater des NABU.

Weitere Ergebnisse der Studie im Überblick:

- Die Luftqualität in Küstengebieten hat sich nach Verschärfung der Schwefelgrenzwerte von maximal 1 Prozent auf 0,1 Prozent im Jahr 2015 deutlich im Vergleich zum Vorjahr verbessert. In einigen Ländern wurde ein Rückgang von Schwefeldioxid (SO2) von 50 Prozent und darüber hinaus gemessen.

- Die Verschärfung der Schwefelgrenzwerte in Nord- und Ostsee führte zur Vermeidung erheblicher volkswirtschaftlicher Kosten, insbesondere durch die Reduzierung von Gesundheits- und Umweltschäden, obwohl externe Kosten etwa durch Ernteschäden oder Schäden an Gebäuden in der Studie noch gar nicht berücksichtigt wurden.

- Allein durch vermiedene Kosten im Gesundheitssektor konnten 4,4 bis acht Milliarden Euro pro Jahr eingespart werden. Demgegenüber standen zusätzliche Kraftstoffkosten von 2,3 Milliarden Euro, so dass sich allein in diesem Bereich ein Kosten-Nutzen-Verhältnis von 1,9 bis 3,5 ergibt.

- Die ausreichende Verfügbarkeit von höherwertigem Marinediesel mit 0.1 Prozent Schwefelanteil infolge der Umstellung war unproblematisch. Auch eine Kostensteigerung konnte nicht festgestellt werden, zumal niedrige Ölpreise vorlagen.

- Der Preis für Marinediesel sank sogar deutlicher als der Preis für Schweröl sowie Straßendiesel.

- Auf Seiten der maritimen Wirtschaft konnten weder signifikante Verschiebungen der Transportleistung hin zum Straßengüterverkehr entlang der SECA-Gebiete festgestellt werden, noch konnte das Einstellen von einzelnen Fährverbindungen auf die neue SECA-Regelung zurückgeführt werden.

- Das Geschäft von Roll-On-Roll-Off-Fähren, die überwiegend oder ausschließlich in der SECA fahren, wurde Branchenaussagen zufolge bisher nicht von den verschärften SECA-Anforderungen tangiert. Einige Anbieter berichteten sogar von Zuwächsen bis hin zu Rekordgewinnen in 2015 oder richteten neue Services ein.

- Von den kontrollierten Schiffen entsprachen laut den Daten von EMSA drei bis neun Prozent nicht den gesetzlichen Vorgaben. Überwachungsflüge auf See zeigten hingegen, dass bis zu 30 Prozent der Schiffe Kraftstoffe mit zu geringer Qualität verwendeten. Auch Experten weisen darauf hin, dass auf hoher See ein deutlich höherer Anteil der Schiffe nicht gesetzeskonform unterwegs ist. Hier werden dringend mehr und qualitativ bessere Daten benötigt, um gesicherte Aussagen treffen zu können.

- Art und Umfang der Kontrollen müssen deutlich erhöht werden, um die gesetzlich vorgegebene Quote einhalten zu können. Die zuständigen Behörden tragen die Verantwortung dafür, dass die Kontrollquote erreicht wird, ausreichend Personal vorhanden ist und dieses entsprechend geschult wird.

- Sanktionen sind derzeit überwiegend so ausgestaltet, dass sie keine abschreckende Wirkung entfalten. Hier sollte dringend nachgebessert werden. Darüber hinaus sollten Informationen über Verstöße an andere Hafenstandorte weitergegeben werden, um auch dort Kontrolle zu erleichtern bzw. anzuregen.
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Raoul Fiebig am 06.05.2016 16:57

Hallo allerseits,

nachfolgende Pressemeldung habe ich vom Naturschutzbund Deutschland e.V. erhalten:

Messungen des NABU entlarven AIDAprima als Abgasschleuder

Miller: Umweltbilanz alles andere als prima - Neues AIDA-Flaggschiff bleibt entgegen aller Werbeversprechen dreckig

Hamburg – Die Umweltbilanz der neuen AIDAprima ist alles andere als prima: Messungen des NABU im Vorfeld des Hamburger Hafengeburtstags weisen auf eine fehlende Abgastechnik beim neuen Flaggschiff der AIDA-Flotte hin. Die Umweltschützer widersprechen damit vehement Behauptungen von AIDA Cruises, der jüngste Flottenzugang setze beim Emissionsschutz höchste Maßstäbe.

NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller: „Entgegen aller Werbeversprechen ist die AIDAprima keinesfalls das umweltfreundliche Schiff, als das es AIDA Cruises seit Monaten vermarktet. Das neue Schiff hat weiterhin Unmengen der besonders Krebs erregenden Rußpartikel im Gepäck.“

Der Konzern hatte zuletzt angekündigt, einen Partikelfilter im neuesten Flottenzugang einbauen zu wollen, um so den Großteil der giftigen Schadstoffe aus dem Abgas zu filtern. Damit wäre die AIDAprima Branchenvorreiter gewesen. Doch die Messungen des NABU legen die Vermutung nahe, dass dieser angekündigte Filter gar nicht zum Einsatz kommt.

In der Abgasfahne des Schiffs maßen die Umweltschützer in Altona und entlang der Elbe eine besorgniserregende Konzentration ultrafeiner Partikel. Bis zu 160.000 Partikel je Kubikzentimeter zeigten die Messgeräte an. Ein extrem hoher Wert, der rund 150mal über den Werten „sauberer“ Luft liegt und noch einmal um den Faktor acht über der ohnehin schon hohen Hintergrundbelastung im Hafengebiet. Dies ist nach Ansicht der Umweltschützer ein eindeutiger Hinweis darauf, dass die von AIDA versprochene Reduktion der gefährlichen Rußpartikel um über 90 Prozent nicht erfolgt. Dabei stuft die Weltgesundheitsorganisation WHO Rußpartikel als genauso Krebs erregend ein wie Asbest.

„AIDAs Umweltstrategie existiert bisher nur auf dem Papier. Die hohen Abgaswerte der AIDAprima reihen sich nahtlos ein in eine ganze Serie nicht gehaltener Versprechungen: vom Verzicht auf Schweröl über die kaum genutzte Flüssiggas-Powerbarge bis hin zu den angeblich auf allen Schiffen installierten Filter. Der Öffentlichkeit wird mit markigen Werbebotschaften eine Scheinwelt präsentiert. In Wirklichkeit müssen Passagiere und Hafenanwohner weiterhin giftige Rußpartikel einatmen“, kritisierte NABU-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger.

Bereits im Jahr 2013 hatte AIDA angekündigt, die gesamte Flotte mit Partikelfiltern und Stickoxidkatalysatoren ausrüsten zu wollen, wie sie für Pkw und Lkw seit Jahren vorgeschrieben sind. Dieses öffentliche Statement des deutschen Branchenführers wurde von Umweltverbänden wie dem NABU als wichtiges und überfälliges Zeichen gewertet, die niedrigen Umweltstandards auf See durch freiwillige Maßnahmen anzuheben. „AIDA muss den vollmundigen Versprechungen endlich Taten folgen lassen. Das umweltfreundliche Schiff ist heute schon machbar. Es wird Zeit, dass AIDA es zeigt“, sagte Oeliger.

Chronik der AIDA-Umwelt-Versprechungen:

• 7. März 2012: Der damalige AIDA-Präsident und heutige CEO des Mutterkonzerns Costa Crociere Michael Thamm kündigt in einer Video-Botschaft an: „Neue AIDA-Schiffe aus Japan fahren mit Dieselöl. Genauso wichtig: Schweröl ist für die neuen Schiffe kein Thema mehr – sie machen die AIDA-Flotte künftig noch sauberer.“

• 29. August 2013: AIDA kündigt auf einer Pressekonferenz an, die gesamte AIDA-Schiffsflotte bis 2016 mit dem dreistufigen Abgassystem auszustatten. Dies soll „erstmals alle drei Emissionen – Rußpartikel, Stickoxide und Schwefeloxide – filtern und somit zwischen 90 und 99 Prozent reduzieren“. Darüber hinaus soll eine LNG-Barge ab 2014 die Energieversorgung der AIDA-Schiffe im Hamburger Hafen bereitstellen: „Der Ausstoß von Schwefeloxiden und Rußpartikeln wird gänzlich vermieden. Die Emission von Stickoxiden verringert sich um bis zu 80 Prozent, der Ausstoß von Kohlendioxid um weitere 30 Prozent.“

• AIDA verkündet den Neubau von Kreuzfahrtschiffen, die ausschließlich mit Flüssiggas betrieben werden.


Einen lesenswerten Kommentar von Franz Neumeier dazu gibt es hier.
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon OHV_44 am 06.05.2016 19:52

Raoul Fiebig hat geschrieben:Einen lesenswerten Kommentar von Franz Neumeier dazu gibt es...

Bravo, Franz! TOP Kommentar zu einem mE sehr schwierigen Thema. :thumb:

Gruß Micha
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon micm am 07.05.2016 09:12

Ich finde den Spiegel Online Artikel mehr auf den Punkt gebracht. Aida hat jahrelang von den Ankündigungen und der kostenlosen Werbung getarnt als Zeitungsartikel profitiert, da ist es nun mehr als fair das die momentane nicht-Umsetzung die gleiche Reichweite bekommt. Und seien wir mal ehrlich von sich aus hätte Aida da keine Pressemitteilung herausgebracht. Von daher kann man dem NaBu ruhig dankbar sein, den Status Quo in den Fokus zu rücken.
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon fneumeier am 07.05.2016 09:47

micm,

nun ja, AIDA hat ja die Filter eingebaut und zwar die 3-fach Filter, die sonst keiner hat. Dass sie sie derzeit nicht betreiben dürfen, ist nicht unbedingt die Schuld von AIDA. Der Genehmigungsprozess ist einfach unsäglich langsam und das kann auch AIDA nicht beschleunigen. Dass der Nabu das AIDA nun vorwirft ist schon etwas seltsam.

Ab heute wird bei der AIDAprima LNG im Hafen von Hamburg eingesetzt. Immerhin haben die Hamburger das auf die Reihe bekommen. Nachdem die LNG-Barge Hummel und der Landstromanschluss in Altona ja bis heute kaum zum Einsatz kommen (siehe z.B. hier).

Gruß

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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Raoul Fiebig am 07.05.2016 11:13

Hallo allerseits,

nachfolgende das AIDA-Statement zu den NABU-"Enthüllungen":

Statement von Dr. Monika Griefahn

Statement von Dr. Monika Griefahn, Direktorin für Umwelt und Nachhaltigkeit AIDA Cruises, zur Pressemeldung des NABU „Messungen des NABU entlarven AIDAprima als Abgasschleuder“:

„Wir weisen die Vorwürfe aufs Schärfste zurück. Das, was der NABU hier betreibt, ist reine Stimmungsmache. Die Messungen des NABU entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage und sind kein anerkanntes Prüfverfahren. AIDAprima verfügt über die modernste Umwelttechnologie weltweit, die derzeit technisch auf einem Passagierschiff machbar ist. In den vergangenen Wochen haben wir diese bereits der Öffentlichkeit vorgestellt. Das mehrstufige System zur Abgasnachbehandlung befindet sich in der Erprobung, es stehen die gesetzlich vorgeschriebenen Zulassungen aus. Wir können uns nicht über die gesetzlichen Vorgaben hinwegsetzen. Dies habe ich auch dem NABU persönlich mitgeteilt.

Nachdem die Umweltbehörde der Hansestadt Hamburg, am 4. Mai 2016 die Genehmigung für die Energieversorgung von AIDAprima mit LNG während der Liegezeit im Hafen erteilt hat, werden wir bereits an diesem Samstag den ersten Testbetrieb aufnehmen. Ich freue mich sehr, dass es der Hamburger Umweltbehörde gelungen ist, pünktlich zur Taufe der AIDAprima beim Hafengeburtstag das Genehmigungsverfahren abzuschließen. Ich danke sehr für ihr vorbildliches Engagement. Es ist die Fortsetzung der guten Zusammenarbeit, die sich schon beim Genehmigungsverfahren für die LNG Barge ‚Hummel‘ erwiesen hat. Genehmigungen für den LNG Betrieb liegen ebenfalls bereits in den Häfen Le Havre, Southampton und Zeebrügge vor.“
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Re: AIDA bestellt neue Schiffsgeneration in Japan

Beitragvon FAUN am 07.05.2016 23:15

Geht es wirklich um die Scrubber, oder meint NABU nicht den fehlenden Einsatz der Rußfilter? Mit dem eingesetzten Marinediesel werden die vorgeschriebenen Schwefelwerte auch so erreicht. Die Wasserrückleitung kann beim Scrubber schon Probleme machen, da ja dann auf Schweröl zurückgegangen wird. Wobei hier eher die Schwierigkeiten in dem Schwermetallanteil liegen dürften.
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon fneumeier am 08.05.2016 06:50

FAUN,

genau das ist es, der NABU unterscheidet da nicht mehr und ignoriert geflissentlich zu seinem Vorteil, dass beispielsweise derzeit mit MGO gefahren werden muss (weil die 3 fach Scrubber/Filter nicht eingesetzt werden können). Es wird geschickt alles vermischt. Jetzt liegt der Schwerpunkt auf dem Rußpartikelfilter, aber das Schweröl, die LNG Barge (die AIDA ja gerne einsetzen würde...) und alles andere werden am Schluss auch noch "reingemanscht". Der Rußpartikelfilter kann halt bei dem System wohl nicht separat eingesetzt werden.

Gruß

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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Raoul Fiebig am 15.05.2016 17:21

Hallo allerseits,

nachfolgende Pressemitteilung habe ich von AIDA Cruises erhalten:

Premiere im Hamburger Hafen: Am 14. Mai werden
AIDAprima und AIDAsol in Hamburg mit sauberem Strom aus
LNG betrieben

Eine Premiere in Sachen LNG-Versorgung von Kreuzfahrtschiffen feiert Hamburg am
kommenden Samstag: Am 14. Mai 2016 werden mit AIDAprima und AIDAsol erstmals
zwei AIDA Schiffe zeitgleich während ihrer Liegezeit im Hamburger Hafen mit LNG
(Flüssigerdgas) bzw. Energie, produziert aus LNG, betrieben. Die Versorgung des Dual
Fuel Motors von AIDAprima erfolgt direkt über einen LNG-Truck am Kreuzfahrtterminal
in Steinwerder. AIDAsol wird in der HafenCity über die LNG Hybrid-Barge „Hummel“
mit Energie versorgt, die aus emissionsarmem Flüssigerdgas erzeugt wurde. Dies ist ein
wesentlicher Beitrag zum Umweltschutz, denn im Vergleich zur Nutzung von
herkömmlichem Marinediesel mit 0,1 Prozent Schwefelgehalt werden die Emissionen
bei der Nutzung von LNG nochmals deutlich gesenkt. Der Ausstoß von Schwefeloxiden
und Rußpartikeln wird gänzlich vermieden. Die Emission von Stickoxiden verringert sich
um bis zu 80 Prozent und die CO2-Emissionen werden um 20 Prozent reduziert.

Nach dem ersten erfolgreichen Testlauf für die LNG-Versorgung von AIDAprima in
Hamburg am 7. Mai 2016, absolvierte das neue Flaggschiff des Kreuzfahrtunternehmens
AIDA Cruises diese Woche auch in den Häfen von Southampton, Le Havre und
Zeebrügge die ersten Versorgungen mit Flüssigerdgas. Damit kann AIDAprima bereits in
vier Häfen auf ihrer Route emissionsarm mit Energie versorgt werden.

AIDAprima ist das erste Kreuzfahrtschiff weltweit, dass im Hafen umweltfreundlich mit
Flüssigerdgas (LNG) betrieben werden kann.

Mit der nächsten Schiffsgeneration, die 2019/2020 in Dienst gestellt wird, geht AIDA
Cruises noch einen Schritt weiter. Mit dem Konzept „Green Cruising“ werden diese
Schiffe bereits zu 100 Prozent mit LNG betrieben.
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon FAUN am 29.07.2016 14:32

Wie ich in einem Gespräch in Flensburg lernen konnte, gibt es bei der Rauchgasbehandlung ein Problem, welche insbesonder Kreuzfahrtschiffe betrifft. Die Abgastemperaturen werden im allgemeine >~150 Grad C gefahren. Dieses ist darin begründet, daß die schwefeligen Komponenten im Abgas mit dem ebenfalls enthaltenen Wasserdampf schwefelige Säuren bilden. Deren Taupunkt, also die Temperatur beidenen sie kondensieren (sich verflüssigen) liegt um 150 Grad C. Schwefelige Säuren zerstören im flüssigen Zustand die Abgaskanäle, also den Schornstein.
Die modernen Abgasreingungsanlagen entziehen den Abgasen zwar den Schwefel, setzen aber die Temperaturen sehr weit herunter. Da nun die Abgase schwerer als Luft sind, fehlt ihnen durch die Temperaturherabsetzung der Auftrieb (warme Luft oder Abgase steigen nach oben). Jeder kennt ja die Rauchfahnen. Die "kalten" Abgase steigen nicht auf, sondern fallen gleich nach unten. Dieses hätte zur Folge, daß die Decks achtern von Schornstein im Qualm liegen, insbesondere die Heckbereiche. Bei achterlichen Wind könnte sich das Schiff selber einnebeln. Da die Reinigungskonzepte noch nicht vollumfänglich umgesetzt wurden, treten diese Effekte erst in Modellversuchen auf, aber man arbeitet bereits an mögliche Lösungen.
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Raoul Fiebig am 29.08.2016 10:50

Hallo allerseits,

alle Jahre wieder... kommt das NABU-Ranking der Kreuzfahrtschiffe, siehe folgende PM:

Kreuzfahrtbranche glänzt durch Greenwashing
NABU-Kreuzfahrtranking 2016 vorgestellt

Noch immer belasten Kreuzfahrtschiffabgase massiv Umwelt und Gesundheit. Entgegen der vollmundigen Versprechungen der Reeder fahren die meisten Schiffe noch immer mit Schweröl. An moderner Umwelttechnik wird aus Profitgier weiterhin gespart.

29. August 2016 - Auf keinem der europäischen Kreuzfahrtschiffe ist eine Reise aus Umwelt- und Gesundheitssicht derzeit uneingeschränkt empfehlenswert. Dies ist das Ergebnis des NABU-Kreuzfahrtrankings 2016. Für seine Übersicht wertete der NABU den europäischen Kreuzfahrtmarkt in Hinblick auf das drängendste Umweltproblem der Branche, die massive Umwelt- und Gesundheitsbelastung durch Schiffsabgase aus. Wie bereits in den Vorjahren wurden die Installation von Systemen zur Abgasreinigung, der verwendete Kraftstoff sowie die Nutzung von Landstrom während der Liegezeit im Hafen untersucht.

Das betrübliche Ergebnis: Sämtliche Schiffe verfeuern weiterhin Schweröl. 80 Prozent der Flotte der in Europa fahrenden Schiffe verfügt über gar keine Abgasreinigung oder kommt allenfalls den gesetzlichen Mindeststandards nach, der zumindest für Nordeuropa einen Abgaswäscher zur Reduktion der Schwefelemissionen vorschreibt. Zur Minderung stark gesundheitsgefährdender Luftschadstoffe wie Ruß, ultrafeinen Partikeln oder Stickoxiden werden an Bord dieser Schiffe hingegen nach wie vor keine effektiven Maßnahmen ergriffen. Auch die Menschen der Mittelmeerregion mit ihren beliebten Zielhäfen profitieren in der Regel nicht von diesen Nachrüstungen. Lediglich elf Schiffe gehen über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus, um die Belastung von Mensch und Umwelt zu reduzieren. Am besten schnitt – wenn auch mit deutlichen Abstrichen – die AIDAprima ab, gefolgt von Hapag-Lloyds „Europa 2“ und den neuesten Schiffen von TUI Cruises, mein Schiff 3, 4 und 5.

Bereits seit Jahren versprechen die Reeder, umweltfreundlicher werden zu wollen. Doch außer polierten PR-Texten kommt bisher kaum etwas Substanzielles in der Praxis an. „Das ist Greenwashing in Reinform und angesichts der verursachten Schäden nicht hinnehmbar“, kritisierte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Mit schönen Worten allein ist der Sache jedenfalls nicht gedient – das Gegenteil ist der Fall. Besonders zynisch findet der NABU die Tatsache, dass die Anbieter Unsummen für Bespaßung und den gastronomischen Service an Bord ihrer Luxusliner ausgeben, während sie beim Umweltschutz weiterhin sparen, wo es nur geht. Diese Verantwortungslosigkeit geht vor allem auch zulasten der menschlichen Gesundheit, insbesondere von Anwohnern in Hafenstädten.

So ignoriere die Branche weiterhin erdrückende Studienergebnisse, etwa der Weltgesundheitsorganisation WHO, wonach Schiffsabgase Krebs erregend sind und die besonders herz- und lungenschädigenden Rußpartikel noch mehrere Hundert Kilometer weit ins Landesinnere geweht werden können. Dabei seien technische Lösungen zur Emissionsminderung für Dieselmotoren wie etwa Partikelfilter und Stickoxid-Katalysatoren ausgereift. Einzig aus Profitgründen verzichte ein Großteil der Branche bislang darauf, auf höherwertige Kraftstoffe umzusteigen und ihre Schiffe mit Abgastechnik auszurüsten.

Marktführer fährt weiterhin mit Schweröl

Auch der Sieger des dies- und letztjährigen Rankings, AIDA Cruises, sei keineswegs ein mustergültiges Vorzeigeunternehmen. So fahre das Unternehmen – entgegen einer Zusage aus dem Jahre 2012 – bis heute mit giftigem und umweltschädlichem Schweröl. Auch die bereits vor drei Jahren vollmundig für die gesamte Flotte versprochenen Rußpartikelfilter sind bis heute auf keinem einzigen Schiff in Betrieb. Ob die nächste AIDA-Schiffsgeneration tatsächlich, wie angekündigt, mit dem vergleichsweise sauberen Flüssiggas fahre, werde der NABU genauestens beobachten.

„AIDA Cruises steht als Marktführer und wegen seiner Ankündigungen, mehr für die Umwelt tun zu wollen, unter verschärfter Beobachtung. Von konsequentem Umweltschutz kann beim Rostocker Unternehmen bis heute kaum die Rede sein. Ein Beispiel ist die AIDAprima als jüngster Flottenzugang. Sie wurde als umweltfreundlichstes Kreuzfahrtschiff beworben. Doch auch ein halbes Jahr nach der Taufe kommt das Herzstück des Schiffes, das Abgassystem, noch immer nicht zum Einsatz“, so Dietmar Oeliger, NABU-Leiter Verkehrspolitik. Eine Abgasmessung des NABU nahe Hamburg hatte den Schwindel aufdecken können. Die Nagelprobe des Systems und seine tatsächliche Emissionsminderung stehe also noch aus.

Die Blockadehaltung der meisten Reedereien beim Umweltschutz zeige sich auch in Deutschlands wichtigster Kreuzfahrtdestination Hamburg. Von den rund 40 Schiffen, die 2016 den Hamburger Hafen anlaufen, sei eine Handvoll theoretisch in der Lage, Landstrom zu beziehen und daher die Motoren während der Liegezeit abzuschalten. Doch bislang nutzt einzig die AIDAsol diese Möglichkeit.

„Der Hafen und die oft so gefeierten Kreuzfahrteinläufe sind ein massives Problem für Hamburg. 38 Prozent der Stickoxide und 19 Prozent des Feinstaubs in der Hansestadt stammten laut aktuellem Luftreinhalteplan aus der Belastung der Seeschifffahrt. Obwohl die Konzerne durch eine Ausflaggung in Billigstaaten wie Malta, Bahamas oder Liberia jährlich hunderte Millionen Euro an Steuern sparen, ist ihnen eine Landstrom-Nachrüstung ebenso zu teuer wie die höheren Kosten für Strom aus dem Netz. Den Preis dafür zahlen die Hamburger Bürger mit erheblichen Gesundheitsschäden“, so Malte Siegert, Leiter Umweltpolitik beim NABU Hamburg.

Hintergrund der Umstellung der Rankingsysthematik in diesem Jahr:
Erstmals erhielt der NABU in diesem Jahr die Daten für das Kreuzfahrtranking aggregiert über den Kreuzfahrt-Dachverband CLIA anstatt gesondert von den einzelnen Anbietern. Der Verband agierte dabei offenbar bewusst mit falschen Zahlen. Laut CLIA sollen bereits 23 Schiffe mit Rußpartikelfiltern ausgerüstet sein, auf Nachfrage konnte CLIA allerdings kein einziges benennen. Besonders dreist präsentierte sich Royal Carribean mit der Behauptung, auf zwölf Schiffen Rußpartikelfilter mit einer Reduktionsleistung von 95 Prozent im Einsatz zu haben. Tatsächlich fährt nicht ein einziges Schiff des Unternehmens mit dieser Technik.

Besonders kreativ zeigte sich die CLIA auch in der Erfindung von Phantasietechniken wie einem „washwater particle filter“, zu dem keine Suchmaschine Ergebnisse liefert. Damit soll nach Ansicht des NABU besonderes Umweltengagement vorgegaukelt werden – letztlich verberge sich dahinter vermutlich nicht mehr als ein handelsüblicher Scrubber zur Reduzierung von Schwefelemissionen, wie er gesetzlich vorgeschriebenen ist.

Bild


Ein Schelm übrigens - um nur ein Beispiel zu nennen, wie tendenziös die NABU-Berichterstattung ist - wer böses dabei denkt, daß etwa die Gasturbinenschiffe von Celebrity und RCI, die teilweise ebenfalls in Europa fahren (im Gegensatz zu einigen anderen im Ranking, die eben nicht in Europa fahren!) in der Übersicht "vergessen" wurden, nur um behaupten zu können "Sämtliche Schiffe verfeuern weiterhin Schweröl." :rolleyes:
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