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Thema Schadstoffe

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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Raoul Fiebig am 11.10.2019 13:49

Hallo allerseits,

ich packe es mal hier rein:

CLIA-Statement zur Absicht der Bundesregierung, die Landstromversorgung für Schiffe auszubauen

Der internationale Kreuzfahrtverband CLIA begrüßt die Einigung der Bundesregierung und Küsten-Bundesländer zum Landstrom.

Den Einsatz von Landstrom zu fördern ist ein zielführender Schritt in die richtige Richtung. Jetzt wird es darauf ankommen, diese Entscheidung ökologisch und ökonomisch sinnvoll in die Tat umzusetzen. Denn es ist unser Anliegen, durch Kreuzschifffahrt verursachte Umweltbelastungen weiterhin zu reduzieren. Dazu gehört auch die Option, während der Liegezeit sauberen Strom von Land zu beziehen.

„Für CLIA und ihre Mitgliedsreedereien ist beim Thema Landstrom entscheidend, dass der an Land produzierte und von den Reedereien abgenommene Strom ökologischer erzeugt wird, als es durch die modernen, hocheffizienten Kraftwerke an Bord möglich ist“, hebt Helge Grammerstorf, National Director der CLIA, hervor. „In diesem Sinne freuen wir uns darauf, die Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen aktiv zu begleiten.“


Und auch TUI Cruises äußert sich:

TUI Cruises begrüßt Förderprogramm der Bundesregierung zum Ausbau von Landstrom
Bis 2023 ist die gesamte Mein Schiff Flotte landstrombereit

Hamburg, 10. Oktober 2019. TUI Cruises begrüßt das angekündigte Förderprogramm der Bundesregierung, für den Ausbau der Landstromversorgung in deutschen Häfen. „Die Initiative unterstützt unser Ziel, Kreuzfahrten noch sauberer zu machen“, so Wybcke Meier, Vorsitzende der Geschäftsführung der Hamburger Kreuzfahrtreederei. „Wir fahren bereits heute mit der jüngsten und umweltfreundlichsten Flotte weltweit. Neben unserem innovativen Abgasnachbehandlungssystem an Bord unserer Schiffe wird Landstrom dafür sorgen, die Emissionen während der Liegezeiten in deutschen Häfen praktisch auf Null zu senken“.

Die Mein Schiff 4 und Mein Schiff 5 werden ab 2020 Landstrom beziehen. Bis 2023 wird die gesamte Flotte landstrombereit sein. Damit untermauert TUI Cruises erneut seinen Anspruch einen emissionsarmen Schiffsbetrieb weiter zu fördern und damit einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Schon heute erfüllen die Schiffe von TUI Cruises höchste Standards: Flottenweit setzt TUI Cruises auf Energie-Effizienz, um den Treibstoffeinsatz und somit die Emissionen zu senken. Die Hilfsmaschinen an Bord, die ausschließlich im Hafen während der Liegezeit laufen, erfüllen dank der eingebauten Katalysatoren seit 2014 den TIER III Standard für Stickoxid-Emissionen. Der auf sechs von sieben Schiffen eingebaute Hybrid-Scrubber filtert darüber hinaus bis zu 99 Prozent der Schwefelemissionen und 60 Prozent der Partikel.
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Raoul Fiebig am 28.01.2020 17:51

Hallo allerseits,

folgende Pressemitteilung habe ich vom Naturschutzbund Deutschland e.V. erhalten:

NABU: Flüssiggas als Schiffsantrieb klimaschädlicher als bisher gedacht
Miller: Studie zu LNG muss Warnruf für Schifffahrt sein

Berlin/London – Laut einer neuen Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT) führt Flüssigerdgas (LNG) als Schiffskraftstoff zu 70 bis 82 Prozent höheren Treibhausgasemissionen im Vergleich zu Marinediesel. Diese Zahlen sind alarmierend, da immer mehr Schiffsbetreiber auf LNG zurückgreifen.

Der ICCT-Bericht untersucht die Treibhausgasemissionen aus Schiffskraftstoffen über den gesamten Lebenszyklus, einschließlich der unbeabsichtigten Freisetzung von extrem klimaschädlichem Methan aus Schiffsmotoren, der sogenannte Methanschlupf. Die Autoren fanden heraus, dass die Verwendung von LNG die Klimawirkung der Schifffahrt im Vergleich zu Marinediesel tatsächlich verschlechtern kann, wenn man die Emissionen betrachtet, die über einen Zeitraum von 20 Jahren emittiert werden würden.

„Die Schifffahrtsbranche gehört bereits jetzt zu den weltweit größten Klimasündern. Der Wechsel von Schiffen zu LNG ist sogar klimaschädlicher als so weiter zu machen wie bisher“, so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. „Die Studie muss ein Warnsignal für die Internationale Seeschifffahrtsorganisation sein. Sie muss jetzt handeln, um alle Treibhausgasemissionen in ihre Strategie zur Emissionsreduzierung einzubeziehen.“

Sönke Diesener, NABU-Schifffahrtsexperte: „Die Investitionen, die heute getätigt werden, müssen konsequent in klimafreundliche Antriebstechnologien fließen. Höherer Effizienz, Windunterstützung, Batterien, Brennstoffzellen und synthetischen Kraftstoffen aus erneuerbarem Strom gehört die Zukunft. LNG ist heute ein schädlicher Irrweg und taugt auch nicht als Brückentechnologie, wenn der Treibhausgasausstoß gegenüber dem Status Quo sogar ansteigt.“

Die Schifffahrtsbranche stößt jetzt schon mehr Treibhausgasemissionen aus als ganze Staaten – auch mehr als Deutschland. Verschiedene Szenarien zeigen, dass die Treibhausgasemissionen der internationalen Schifffahrt von derzeit drei Prozent auf 17 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen bis 2050 steigen könnten. Wenn Schiffe LNG als Schiffstreibstoff verwenden, könnten die Emissionen sogar noch höher ausfallen.

Von den 756 LNG-Schiffen, die derzeit im Einsatz oder bestellt sind, ist der mit Abstand beliebteste Motorentyp ein Dual-Fuel-Viertakter. Er hat die höchste Methanschlupfrate. Die Kreuzfahrtindustrie bewirbt diese LNG-Schiffe als besonders klimafreundlich. Die jüngsten Erkenntnisse des renommierten Forschungsinstituts ICCT, das auch schon den Dieselskandal aufdeckte, stellen nun jedoch die Zukunftsfähigkeit dieser milliardenschweren und langlebigen Investitionen in Frage.

Der IPCC-Report empfiehlt, dass die globalen Treibhausgasemissionen bis 2030 gegenüber 2017 nahezu halbiert werden müssen, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden. Die Methanemissionen aus allen Quellen müssen bis 2050 gegenüber 2010 um mindestens 35 Prozent gesenkt werden. In Anbetracht dieses kurzen Zeitraums zur drastischen Reduzierung der Treibhausgasemissionen betrachten die Autoren des Berichts die Klimaauswirkungen von Schiffskraftstoffen anhand des 20-jährigen und des 100-jährigen Treibhauspotenzials. Methanemissionen zeigen sich als besonders problematisch, da Methan in einem Zeitraum von 20 Jahren 86-mal mehr erwärmt als die gleiche Menge CO2.


Auch Viking-Chef Torstein Hagen hält LNG für einen "Holzweg", gegen den man sich bewusst entschieden habe, siehe hier.
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Hafenratte am 29.01.2020 07:51

Oh je! Ich weiß nicht mehr was ich glauben soll. Die Einen sagen, dass Flüssiggas 50% weniger CO2 als Schweröl ausmacht (und damit gleichgesetzt Marinediesel). Jetzt sagen die Anderen es wäre langfristig sogar schlimmer? :(
:confused:
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon fneumeier am 29.01.2020 11:40

Hafenratte,

ohne die 50% überprüft zu haben, ja klar, LNG ist bei der Verbrennung deutlich besser als andere Treibstoffe - aber halt nur was das CO2 angeht.

Die Studie spricht ja vor allem von Methan, das ebenfalls ein klimaschädliches Treibhausgas ist. Allerdings ist das mit dem Methanschlupf auch schon lange bekannt. Und zwar mag die Verbrennung von LNG CO2 freudlicher sein, die Gewinnung von LNG - in der Regel durch Fracking - ist alles andere als eine "saubere" Sache.

Alles bereits bekannt... Mal sehen, ob jetzt die "alten Kähne" ohne Scrubber und Co., die jetzt mit MGO fahren, auf der Ranking-Liste des NABU nach vorne rutschen :lol: .

Gruß

Carmen
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Re: Thema Schadstoffe

Beitragvon Wendy am 29.01.2020 17:49

Der NABU als Empfehlungsinstitut hat sich für mich schon längst disqualifiziert. Es ist ein reiner Lobbyverband geworden.

Man möge mich nicht mißverstehen. Ich bin durchaus der Meinung, das bei allen Urlaubsformen an der Umweltfreundlichkeit gearbeitet werden soll und muss.

Aber der NABU arbeitet polemisch und vergleicht für eine reißerische Darstellung Äpfel mit Birnen, nennt wissentlich falsche Zahlen oder fälscht Statistiken...oder nennen wir es höflich manipuliert sie so, dass sie im Sinn des NABU interpretiert werden müssen. Gerne, indem man Teile weglässt.

Das ist unseriöse Arbeit.

Heute wird gelobt, was morgen verrissen wird. Hier kann selbst bei bestem Willen kein Unternehmen adäquat reagieren.
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