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Reisebericht Hondius Spitzbergen Juli 2019

Alle internationalen Veranstalter von Hochseekreuzfahrten, die nicht zu den "Großen Drei" gehören

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Reisebericht Hondius Spitzbergen Juli 2019

Beitragvon Tinamama am 16.08.2019 20:06

Kurzer Bericht unserer Reise mit der Hondius (eigentlich) rund um Spitzbergen
Wie der vorige Satz schon sagt: wir konnten nicht rund, das wussten wir aufgrund der Eiskarten vorher, und es war überhaupt nicht schlecht. Die Route wurde nach den Gegebenheiten angepasst, sie versuchten das Beste für uns, auch wenn der Reiseleiter einmal unglücklich war, weil Nebel alles be- oder verhindert.

Nagelneues Schiff, benannt nach einem holländischen Kartografen, 107 m lang, 154 Passagiere, 72 Besatzung. Wir haben sehr früh gebucht, Bullauge Deck 3, und bekamen in diesem Frühjahr ein Upgrade in eine Junior Suite auf Deck 7, auf dem Flur der Brücke. Wir waren nicht die einzigen Glücklichen, da unten eine chinesische Reisegruppe einquartiert wurde. Vorteil 1, für mich total wichtig - die Aussicht aus dieser Kabine war gigantisch, das hätte sämtliche Fehler ausgeglichen, wenn wir welche gefunden hätten. Vorteil 2: Man trainiert gleich etwas von den Kalorien wieder ab, weil das Restaurant auf Deck 4 und der Zodiac-Ausgang auf Deck 3 ist.
Es gibt keinen Aufzug, für Gehbehinderte ist das Schiff nur bedingt geeignet.
Vorteil 3: Wie auf allen Schiffen von Oceanwide Expeditions gilt auch auf der Hondius open bridge, d.h. man kann von 6 bis 22 Uhr einfach immer hin, außer wenn mal das Schild umgedreht ist. Das war nur ca. 3x der Fall. Wenn es etwas Interessantes zu sehen gibt, evtl. auf der anderen Seite des Schiffs – schnell mal nach fast nebenan und beinahe-Rundumblick genießen.
Hinten sind 15 Zodiacs, so dass alle zugleich fahren könnten, wenn es vom Ziel her passt.
Zusammensetzung der Gäste: mindestens ein Viertel Chinesen, 20 Inder, ca. 14 Deutsche, einige Holländer und viele weitere Nationen von Schweiz über Kolumbien bis Australien. Normales Publikum, kein Champagner im Zodiac oder Kaviar auf dem Buffet, sondern „alles normal“, sowie klare Ansagen. Die Mehrheit hielt sich daran, nur die Chinesen haben nicht kapiert, dass man im Zodiac nicht dauernd aufsteht, um zu fotografieren.

Restaurant: Da der Küchenchef ein Deutscher und der Hotelmanager ein Österreicher waren, gab es gewohntes Essen mit manchen besonderen Ideen. Es war durchschnittliches Angebot, frisch und lecker; eher normal als luxuriös. Immer mehrere Sachen zur Auswahl, Suppe nur eine, nie Lachs beim Frühstück (ist für mich ein Gradmesser, aber nicht lebenswichtig) und beim Dinner nur am allerletzten Abend. Es war jedenfalls sehr abwechslungsreich.
Vieles ist im Vergleich zu großen Schiffen vereinfacht. Z.B.: Es gibt eine Bar in der Lounge, man holt sich die Getränke selbst und bringt die Gläser am Ende beim Rausgehen selbst wieder mit vor.
Z.B: Wir konnten z.B. am letzten Abend der Reise, als wir schon in Longyearbyen lagen, einfach mal so rausgehen, ohne scannen oder abmelden, sollten nur bis zum nächsten Morgen wieder da sein. ;)
Jeden Tag gibt’s ein Recap, eine halbe Std. vor dem Abendessen, Ankündigung für den nächsten Tag (was nicht immer eingehalten werden kann), und weitere Infos z.B. zu den Tieren, die wir gesehen haben. Auf die Durchsagen achten! Reiseleiter sind immer ansprechbar. Sie haben verschiedene Fachgebiete.

Route und was so angeboten wurde:
Tag 1: Ankommen, Infos, Rettungsübung, Gummistiefel abholen
Tag 2: Am Lilliehoekbreen, nachmittags am Kongsbreen, danach Ny Alesund zuerst im Nebel, der sich gegen Ende hob. Spaziergang zum Mast, viele Erklärungen zu Tieren und Pflanzen, ein Polarfuchs mit Gans im Maul. Verschiedene Vögel täglich, heute auch eine besondere Elfenbeinmöwe.
Tag 3 (der tollste Tag): Liefdefjord, Texas Bar (eine Trapperhütte), Wanderung auf einen Hügel, gigantische Aussicht, nachmittags Monacobreen und andere drumherum, Zodiacfahrt vor dem Gletscher bei schönem Wetter, eine Bartrobbe auf Eisscholle; Wale; zwei schlafende Eisbären ganz weit weg am Berg; Überquerung des 80. Breitengrades.
Tag 4: 14.Juli-Gletscher, schaukelnd an Land, Wanderung bis zum Eis, dauert ca. eine halbe Std. einfach, danach Zodiacfahrt und Vögel gucken, v.a. Puffins und Guillemots. Nachmittags wegen Wind keine Anlandung in der Engelbukta möglich, Alternative gesucht, ein angeschwemmter toter Wal, aber leider keine fressenden Eisbären da, was eigentlich sein müsste; enttäuschte Reiseleiter, relaxende Gäste. Vortrag über Wale. Delfine neben dem Schiff.
Tag 5: Bellsund, Camp Millar, Wanderung (Angebot immer in drei Schwierigkeitsstufen), Krabbentaucherkolonie, wieder ein Fuchs, Rentiere ganz nah. Nachmittags auf dem Weg nach Süden Vorträge zu verschiedenen Themen, die hierher passen, meist kurz und knackig.
Tag 6: Plan war Kap Lee und Walrosse gucken, aber da war zu viele Eis davor, deshalb zuerst das Nachmittagsprogramm: Wanderung bei Sundneset und Würzburger Hütte. Mittags neuer Versuch, erste Gruppe fuhr; aber während die zweite Gruppe wartete, zog so dichter Nebel auf, dass abgesagt wurde. Die Walrosse konnte man vom Schiff aus sehen, außerdem schwimmt gelegentlich eins auf einer Eisscholle vorbei.
Abends Arctic Buffet draußen, Schiff lag mitten im Freemansund zwischen Barentsoya und Edgeoya.
Tag 7: Eistag "rechtsaußen", östlich von Barentsoya. Wir fahren langsam durch Packeis, im Nebel. Mystisch und interessant. Eis kracht gegen Stahl, klingt wie Hammerschläge. Mittags hebt sich der Nebel, eine Eisbärin mit zwei Jungen auf dem Eis auf der Suche nach Robben. Zwei Std. Bären gucken (mit Fernglas), alle glücklich! Nur die Bärin noch nicht, die Robben sind auf der Hut. Zurück durch Freemansund.
Tag 8: Morgens auf dem Weg von der Südspitze nach Norden ein Vortrag über Eisbären, mittags: Hornsund, geplante Anlandestelle war im Nebel, deshalb fuhren wir weiter rein, über 2 Std. Zodiacausflug am Storbreen, wieder viele Vögel und zwei Robben. Abends schaukelndes Schiff und Getränke mit Gletschereis.
Tag 9: Poolepynten Walrosse, neblig-feucht, nah dran an den Walrossen und beobachten, jeder hält sich daran, dass man leise sein soll. Nachmittags war Tryghamna angepeilt, dort war eher neblig, deshalb Fahrt zum Wahlenberggletscher, schönes Licht. Bei Sonne über den Isford rüber und abends schon in Longyearbyen angelegt. Manche Gäste müssen nachts fliegen.
Tag 10: Ausschiffung per Zodiac, weil wir kurz nach 7 die Pier für die Boudicca freimachen mussten.
Wir sind noch einen weiteren Tag in LYR geblieben, viel gelaufen und haben eine zweistündige deutsche Tour gemacht, bis an alle Enden des Ortes, es gab viele Infos.
Oceanwide Expeditions können wir empfehlen. Die Hondius hat uns sehr gut gefallen! Wieder ein besonderer Urlaub (wie fast jeder :D ).
Jetzt haben wir weniger Lust auf große Schiffe und gar keine Lust auf Massen.
Wer noch Fragen hat, kann gerne fragen. :)
Schiffsbilder sind hier: https://www.flickr.com/photos/tinavonhier/albums/72157710142064276 Allerdings habe ich nicht gezielt das Schiff durch-fotografiert, aber das meiste ist da.
Wer viel Zeit hat - da habe ich für jeden Tag mindestens ein Album :cool: .
Viele Grüße
Christina
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