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Reisebericht MSC Fantasia, westliches Mittelmeer

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Reisebericht MSC Fantasia, westliches Mittelmeer

Beitragvon MS Cruiser am 09.08.2019 18:43

Nun bin ich von meiner ersten MSC-Kreuzfahrt zurückgekehrt und möchte Euch einen kurzen Reisebericht geben.

Vorab noch einmal allen Dank, die uns im Vorfeld mit wertvollen Antworten auf meine Fragen weitergeholfen haben. Gerne beantworte auch ich meinerseits Fragen.

Eine Woche Mittelmeer auf der MSC Fantasia
Die Einschiffung in Palma de Mallorca war in der Tat anders als bei anderen Gesellschaften: Niemand nahm uns vor dem Terminal die Koffer ab, Transit- und neue Passagiere für mehrere Schiffe gingen alle durch die gleiche Tür. Dort versuchten wir den Schildern MSC zu folgen, wurden dann aber aufgehalten und zu einem unscheinbaren Tisch in einer anderen Ecke geschickt, wo uns eine MSC Mitarbeiterin begrüßte, die uns dann wiederum eine Etage nach oben schickte, wo unsere Papiere geprüft wurden, bevor es wieder nach unten ging, wo uns die Mitarbeiterin den Weg zum Shuttlebus wies, auf den wir 15 Minuten warten mussten und der uns dann zum Schiff brachte, wo wir direkt auf das Schiff gehen konnten, um dort zunächst einer Sicherheitskontrolle unterzogen zu werden, bevor Fotos von uns aufgenommen wurden, sowohl zum späteren Kauf, als auch für die Schiffssysteme, und wir in einem Einzelgespräch zum Kauf von Getränkepaketen gedrängt wurden. Dann konnten wir auf unsere offenstehende Kabine gehen, auf deren Bett unsere Schiffskarten lagen, zum Registrieren der Kreditkarte hingegen mussten wir noch mal in den Rezeptionsbereich, wo mehrere SB-Automaten standen, die bei uns leider nicht funktionierten, so daß wir doch, entgegen der von MSC vorgeschriebenen Abläufe, eine Mitarbeiterin in Anspruch nehmen mussten.

Okay, bei dieser Ausführlichkeit wird das Nichts mit einem kurzen Bericht. Also neuer Versuch:

Kabine: Sauber und geschmackvoll mit dunklem Holz. Als Standardbalkonkabine subjektiv größer als bei Celebrity, kleiner als bei Cunard. Balkon mit zwei Stühlen und einem Möbelstück, das wohl gleichzeitig Fußablage und Tisch sein soll, deutlich kleiner als bei Cunard, aber schön. Zu kleiner Kleiderschrank. Schönes Sofa. Ausreichendes Badezimmer mit Dusche; Seife, Duschgel und Shampoo aus dem Spender. Möglicherweise abhängig vom Status: Bademäntel und –schuhe, Früchteschale, Prosecco und schokoladengedippte Erdbeeren.

Innenräume: Sehr viele sehr schöne Bars und Lounges (subjektiv natürlich) mit jeweils eigenem Charakter, der sich auch in meist dazu passender Livemusik am Abend wiederfand. Alles relativ elegant und geschmackvoll, viele Sitzmöglichkeiten. Und tatsächlich handelt es sich bei vielen der öffentlichen Räume um jeweils eigenständige Räume, nicht nur um eine Ecke z.B. im Atrium. Die Geschäfte eher unaufdringlich am Rand. Zum Teil hochwertige Materialien wie gelber Marmor. Die Restaurants für meinen Geschmack etwas zu kitschig, aber besser als zu steril. Selbst der Buffetbereich im „afrikanischen“ Stil machte optisch einen freundlichen, warmen Eindruck

Abendunterhaltung: Viele unterschiedliche Livemusiker, durchweg gut, in zwei Bars zum Tanzen, in anderen zum Zuhören. Disko (nicht besucht) angeblich bis spät in die Nacht, aber auch in den normalen Bars bis weit nach Mitternacht, z.T. bis 2.00 Uhr, gut besucht, lebendig, abwechslungsreich. Z.T. mit zweifelhaften Spielchen, leider keine klassische Musik. Insgesamt sehr positiv, sowohl vor wie nach dem Abendessen.

Zweimal Partys an Deck mit viel Stimmung, leider etwas Richtung Ballermann, aber viel besser als z.B. die nach 23 Uhr „tote“ HAL Nieuw Amsterdam.
In meinem subjektiven Vergleich der Abendunterhaltung insgesamt: Deutlich besser als bei Celebrity, Royal Caribbean, HAL und Phoenix; ganz anders als bei Cunard.

Die Shows (nur zum Teil besucht) waren alle Produktionsshows mit Sängern und Tänzern, z.T. auch mit Akrobaten und Jongleuren. Durchweg ordentlich, ein Sänger explizit sehr gut.

Außenbereiche, Pools: Hier zeigte sich am deutlichsten die für mich ungewohnt hohe Zahl an Passagieren. Der Pool war schlicht und ergreifend immer (bis auf eine Ausnahme, als wir fast alleine an Bord waren) überfüllt. Es war kaum möglich, Liegen zu bekommen, was durch die unsägliche Liegenreserviererei noch verstärkt wurde. Mehrfach waren geschätzt mindestens 60% der Liegen mit Handtüchern, aber ohne Gäste belegt. Da lobe ich die Gesellschaften, die regelmäßig ungenutzte Liegen von Handtüchern und sonstigen Utensilien bereinigen. Die zwar großen Whirlpools ebenso ständig überbelegt, somit von uns nicht genutzt. Viele Spielchen, die wir nicht brauchten, aber in einer Lautstärke, die das Ignorieren noch erlaubte. Insgesamt für Erholung nach einem Landtag gut geeignet.
Nicht so schön: Man musste seine Pooltücher unter Strafandrohung vom Zimmer mitnehmen und wieder dort abgeben.
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Re: Reisebericht MSC Fantasia, westliches Mittelmeer

Beitragvon MS Cruiser am 10.08.2019 13:28

Weiter geht es:

Essen:
Im Buffet erlaubten die langen Öffnungszeiten für Frühstück (bis 11.30 Uhr) und Mittagessen (bis 16.30 Uhr) eine flexible Tagesplanung. Große Auswahl, z.B. beim Frühstück mit diversen Eiergerichten und warmen Beilagen, Pfannkuchen, Waffeln, Obst, viele Brotsorten, Wurst und Käse, Joghurt und Müsli, Haferschleim, süßes Gebäck etc. Alles fertig vorbereitet, d.h. auch ggf. schon länger im Warmhaltebehälter. Es fehlten Stationen z.B. zur frischen Zubereitung von Omelette oder Pfannkuchen, und auch generell Speisen wie Räucherlachs und Obstsorten wie Erd- und andere Beeren.

Auch beim Mittagessen war alles, aber auch alles fertig und nichts frisch zubereitet. Reihe nach Reihe mit Hamburgern, Hot Dogs und Pommes Frites Schalen. Pfannen mit Pasta (i. d. R. recht gut und in interessanten Varianten, manchmal aber schon trocken), Salate, Daily Specials (z.B. Schnitzel oder Rippchen, beides gut), ein täglich wechselnder Braten (Spanferkel viel zu trocken, Schinken und Schweinebraten gut), kaum Gemüse, viele Desserts …. Es fehlten z.B. Rind und Garnelen.

Der Buffetbereich ist recht groß, einige der Stationen wiederholen sich mehrfach, andere gibt es genau einmal. Der Andrang und das Gewusel sind teilweise schon sehr groß, aber (Tip) in hinteren Teil des Schiffes wird es ruhiger und dort waren auch immer mehrere freie Tische. Ebenso muß man wissen, daß (Tip) es nicht nur spezielle Stewards für den Barservice gibt, sondern viele in Mehrfachfunktion agieren (Tische säubern, Tische abräumen, aber eben auch Getränkebestellungen aufnehmen). Es gab hier kaum aktive Fragen nach Getränkewünschen, aber wenn Gäste wen auch immer ansprachen, so wurden diese prompt erfüllt.

Die in einigen Reviews kritisierten Punkte „keine freien Tische“ und „sich ständig vordrängelnde Passagiere“ sind uns nicht aufgefallen.
Abendbuffet und nächtliche Optionen haben wir nicht genutzt.

Im Restaurant:
In einem der Restaurants (Red Velvet) wurde auch Frühstück und Mittagessen serviert. Das Frühstück endete je nach Tag zwischen 9.00 und 9.45 Uhr, so daß wir nun zweimal dort waren. Es gibt eine Karte mit den servierten Gerichten, von denen ich die gut gelungenen Eggs Benedict hervorheben möchte, und ein ergänzendes Buffet. Positives Detail: Vor Aufhebung des Buffets fragte ein Oberkellner an allen Tischen nach, ob noch jemand dorthin gehen wolle.

Vom Mittagessen möchte ich die Moschuskraken hervorheben, schmackhaft war alles. Auch hierbei gab es ergänzend zur Karte ein kleines Buffet, vermutlich mit Salat und Dessert.

Im Gegensatz zu anderen Gesellschafen auffällig: Wir wurden nie gefragt, ob wir den Tisch teilen oder alleine sitzen wollten, stets bekamen wir einen Tisch nur für uns, ebenso alle anderen Gäste, unabhängig von Tisch- und Gruppengröße, so daß auch schon mal drei Achtertische nebeneinander mit jeweils 2-3 Personen besetzt waren.

Zum Abendessen standen zwei Tischzeiten zur Auswahl. Im Unterschied zu den zur Vorab vom Reisebüro genannten 20.30 Uhr war die späte Tischzeit tatsächlich um 21.30 Uhr, was uns gut in den Ablauf des Abends passte. Unser Tisch im Heck erlaubte einen schönen Ausblick und wir fanden nette Tischpartner. Die Karte war in die drei Gruppen Vor-, Haupt-, Nachspeisen gegliedert, die Anzahl der Gänge aber nicht limitiert. Stets gehörten eine Pasta, ein Risotto, ein Fisch und ein Fleischgericht zur Auswahl. Nichts schmeckte uns schlecht, kulinarische Höhepunkte gab es nicht. Im Gegensatz zu einigen anderen Gesellschaften waren Auswahl, Präsentation und Service schlichter. So gab es etwa statt Vitello Tonnato Schweinefleisch mit Thunfischsauce, und auch das Osso Bucco war nicht vom Ochsen, Steak gab es genau einmal, Hummer kostete 24 Euro zusätzlich.
Es gab keine Barkellner oder gar Sommeliers, der Getränkeservice musste von den Speisekellnern mit geleistet werden. War dies in der Regel bei dem ersten Getränk kein Problem, so waren spätere Bestellungen schon schwieriger. Die Kellner waren dabei freundlich und bemüht und hatten die Getränke, von denen sie vermuteten, daß wir sie bestellen würden, ab dem zweiten Abend in Griffnähe. Nachdem ich die Schwierigkeiten mit dem Wein zum Hauptgang erlebt hatte, kündigte ich meinen Wunsch eines weiteren späteren Getränkes schon gleich am Anfang an, was es den Kellnern einfacher zu machen schien.

Alles in allem vielleicht das Fazit: Kein Gourmetfest, aber eine ordentliche gute Küche in angemessen gepflegter Atmosphäre.

Room Service: Wir haben uns nur einmal Frühstück bringen lassen, was ein herrlich entspanntes Balkonfrühstück mit Blick auf Neapel erlaubte. Die Auswahl ist sehr klein und italienisch (nicht Warmes, keine Wurst, kein Käse …), so daß ich uns doch noch zusätzliches vom Buffet geholt habe.

Getränke und Getränkepakete:
Auch aufgrund der hier im Forum erhaltenen Ratschläge und nach Abwägung der Vor- und Nachteile, hatte ich für den 15jährigen das Alkoholfreie Totalpaket und für mich das Premium Paket erworben. Wie vermutet hatte sich das alkoholfreie Paket für den Teenager schon bis zum Mittagessen rentiert (bei Preisen von € 3 für ein Cola (Achtung: Bei MSC alles Pepsi-Produkte) oder einen Saft und € 5 für einen Cocktail), bei meinem bin ich mir nicht sicher, aber auf jeden Fall war es bequem. Auch war der Ratschlag, nicht das Easy-Paket zu nehmen, absolut richtig; die darin enthaltenen Weine hätten mir persönlich nicht gereicht.
Die besten glasweise ausgeschenkten Weine gab es übrigens in La Catina mit einer speziellen Wein- und Bierkarte. War das Design dieser Bar auch das uns am wenigsten gefallende, so zeichnete sich die Bar doch neben den guten Weinen auch dadurch aus, daß hier zum Getränk auch eine kleine Auswahl an leckeren Tapas/Häppchen gereicht wurde.
Ebenso im Premiumpaket enthalten waren Cocktails, Kaffee, Spirituosen wie z.B. Glenlivet, Bombay Sapphire und Martel VSOP, um einmal Beispiel aus unterschiedlichen Kategorien zu nennen.

In der Regel klappte der Tischservice in den Bars und Lounges abends gut.
Tagsüber gab es zumindest im oberen Bereich des Pooldecks leider keinen Service.

Ganz wichtiger Bestandteil der Getränkepakete war für uns das Mineralwasser. Wasser in großen Mengen ;)
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Re: Reisebericht MSC Fantasia, westliches Mittelmeer

Beitragvon MS Cruiser am 14.08.2019 11:17

Ein Nachtrag zu den Getränkepaketen: Es war problemlos möglich, mehrere Getränke gleichzeitig zu bekommen. Auch war es nicht nötig, für zwei Personen zwei Karten vorzulegen. (Zuvor hatte ich nur bei Celebrity ein Getränkepaket: Dort wurde immer nur ein Getränk bei einer Bestellung ausgegeben (schon Wasser zum Wein wurde manchmal abgelehnt), um z.B. Getränke für mehrere Personen zu erhalten, musste man einen Stapel Karten vorlegen.) Möglicherweise klappt dies bei MSC so einfach, da immer alle Personen in einer Kabine das gleiche Paket erwerben müssen, mit der Ausnahme Minderjähriger, die ein entsprechendes alkoholfreies Paket bekommen.

Kleidungsordnung: Eine Katastrophe. Everything goes. Ein solches Durcheinander so tief hinab habe ich noch nirgendwo erlebt. Tatsächlich ist es schon nicht einfach, die gewünschte Kleidung zu erkennen: In den Reisedokumenten sind es ein paar Worte weit hinten im Kleingedruckten, auf dem Schiff im Tagesprogramm irgendwo klein verborgen mal das Wort „Gala“. Was das wiederum bedeutet, erfährt man erst im interaktiven Fernsehen tief verborgen in den Informationen: „Smoking oder dunkler Anzug mit Krawatte, Abendkleid“. Tatsächlich vorzufinden waren an einem Ende der Skala einige Herren im Smoking, etwas mehr Damen im Abendkleid, dann über Stufen wie viele dunkle Anzüge und Cocktailkleider fast alles bis hinunter zu T-Shirt und kurzer Hose. Das macht nicht so wirklich Spaß. T-Shirt am Galaabend im Restaurant. Nachte Männerbeine neben Abendkleid im Theater. Leider keinerlei Enforcement (zumindest kein für uns sichtbares, angeblich wurden einige Leute im Restaurant abgewiesen).
Im schwarzen bzw. dunkelblauen Anzug fühlten wir uns letztlich passend gekleidet. Die Atmosphäre in den schönen Räumen würde insgesamt von einer generellen Einhaltung der Regeln stark profitieren.
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Re: Reisebericht MSC Fantasia, westliches Mittelmeer

Beitragvon MS Cruiser am 14.08.2019 11:32

Reisablauf:
Für mich ungewöhnlich war der Busstationencharakter der Reise. In nahezu jedem Hafen stiegen Gäste ein und aus.
Wie man während der Reise merkt, gibt es dennoch einen groben Ablauf, der sich am Starthafen Genua orientiert. In Palma zugestiegen hatten wir also den zweiten Galaabend vor dem ersten mit Kapitänsempfang, die Abschiedsshow mitten in der Woche und erst danach die Begrüßungsshow. Einige Speisen und Getränke gab es nicht mehr, da erst in Genua wieder zugeladen wurde. Die DVD „My Cruise“ beinhaltete eine Woche ab/bis Genua, also nur die Hälfte tatsächlich unserer Reise.

Zu den Häfen:

Palma de Mallorca:
Hier hatten wir für eine Vorübernachtung ein Hotel in vielleicht 200m Entfernung von der Kathedrale, so daß Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Bars fußläufig erreichbar waren. Am Sonntagnachmittag konnten wir durch fast menschenleere Straßen und Gassen bummeln, am Montag war die volle Touristenwelle da. Höhepunkte waren die Kathedrale, der königliche Palast, die Cocktails im Yachthafen und das Frühstück auf der Dachterrasse mit direktem Blick auf die Hauptfassade der Kathedrale.

Ibiza:
Heiß, sehr heiß. ;) Schon der Blick über die Bucht ist atemberaubend, auf die weiße Stadt mit darüber thronender Festung und Kathedrale. Wir fuhren mit dem Cityboat über die Bucht zur Altstadt (€ 4 beide Wege, den Schildern und auf den Boden gemalten Hinweisen folgen, am Ende des Bereichs in dem die Kreuzfahrtschiffe anhalten, günstiger und schneller als Shuttle und öffentlicher Bus, auf dem Rückweg mit Zwischenhalt an einem anderen Anleger). Der Aufstieg durch die Altstadt ist Menschen mit eingeschränkter Mobilität nicht zu empfehlen, auch nicht bei Empfindlichkeit gegenüber Hitze und Anstrengung. Aber schön. Bei der Tagesplanung ist zu berücksichtigen, daß Kirchen und Museen nur bis 14.00 Uhr geöffnet haben (und dann wieder am Abend, also zu spät für uns Kreuzfahrer).

Neapel:
Hier war unser Ziel Pompeji, der richtige Ort für einen Teenager, der von Rom begeistert ist und Latein einfach findet. Zum öffentlichen Bus (SITA) geht man nach Verlassen des Terminals einige hundert Meter nach rechts. Das eigentliche Busterminal ist derzeit eine Baustelle, so daß die Situation unklarer ist als sonst. Wir sprachen einen Herrn an, den wir für einen Busfahrer hielten, um zu fragen, wo denn jetzt das Ticketbüro sei. Er entpuppte sich als ein solches in mobiler Form: Er verkaufte uns die Karten und wies uns den Weg zum richtigen Bus, der uns dann direkt zu den Ausgrabungen brachte.
Es ist immer wieder ein Erlebnis, durch die Straßen dieser noch so erstaunlich erhaltenen römischen Stadt zu gehen, Häuser zu besuchen, die Wandbemalungen und Bodenmosaiken zu sehen und das damalige Leben nachzuvollziehen, z.B. in den Handwerksbetrieben oder Tavernen.
Die Warteschlange am Eintrittskartenschalter war kurz, der Eintritt für unter 18jährige EU-Bürger ist frei, aber ein Ausweis ist vorzulegen. Glücklicherweise hatte ich einen alten Führer in Buchform mitgebracht, da es nicht einmal mehr Karten in Papierform gab, sondern man nur auf eine App verwiesen wurde.
Beim Rückweg erwies es sich als gut, daß wir, wie immer bei selbstorganisierten Ausflügen, Pufferzeiten und Alternativen eingeplant hatten. Der erste vorgesehene Bus kam nicht, der nächste auch nicht, ..., ob es daran lag, daß es August war, oder, wie eine in Neapel lebende, ebenfalls auf den Bus wartende Frau meinte, daran daß man sich nie auf die Pläne verlassen könne, weshalb Sie immer ohne Plan zur Haltestelle ginge und wartete, was wann passierte. Auch die Zugverbindung funktionierte nicht wie vorgesehen, so daß es schließlich ein Taxi wurde, geteilt mit anderen, an der Bushaltestelle kennengelernten Gästen vom Schiff.
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Re: Reisebericht MSC Fantasia, westliches Mittelmeer

Beitragvon MS Cruiser am 18.08.2019 13:59

Zu den weiteren Häfen:

Livorno:
Die einzelnen Schritte auf dem Weg nach Pisa bauten gut aufeinander auf: MSC-Shuttlebus bis in die Stadtmitte (€ 5), Kauf von Bus- und Zugfahrkarten im Tabakladen (schon bestens auf diesen typischen Touristenwunsch eingestellt; der gleichzeitige Kauf aller Karten für Hin- und Rückreise erspart Zeit und Mühe); Bus (LAM blue) zum Bahnhof, Zug nach Pisa ohne Zwischenhalt, gemütlicher Spaziergang durch Pisa zum Platz der Wunder. (Wie wir von anderen Gästen erfahren haben, wäre es alternativ auch möglich, wenige Meter neben dem Schiffsshuttle den kostenfreien Hafenshuttle zu nehmen, der die Gäste zum Hafenausgang bringt. Von dort seien es nur wenige hundert Meter bis zur ersten Haltestelle der gleichen Buslinie zum Bahnhof.)
Die Piazza dei Miracoli begeistert mich immer wieder. Die Schönheit der Gebäude, ihre kunstgeschichtliche Bedeutung und die großzügige Atmosphäre verbinden sich zu einem großartigen Erlebnis. Die Eintrittskarten sowohl für den Turm (mit einer festen Zeit) wie für die anderen Gebäude hatte ich online gekauft, so daß wir nach dem ersten Staunen über Turm und Gesamteindruck gleich in den Dom gehen konnten. Dem Erstbesucher würde ich dabei insbesondere das intensive Betrachten der Kanzel (von Giovanni Pisano, ungefähr 1300) empfehlen. Das Baptisterium ist nahezu einzigartig, hier unbedingt auch die Treppen hinaufsteigen. Vom Camposanto sieht von außen nur die lange, strahlend weiße Wand, so daß er möglicherweise von manch einem Besucher unterschätzt wird. Innen zeigen sich eine herrliche Rundbogenarkaden und der möglicherweise bedeutendste mittelalterliche Monumentalfresekenzyklus.
Zwischen den Besichtigungen haben wir immer wieder auf dem Rasen gesessen, etwas gegessen und trunken, die Zeit inmitten der herrlichen Architektur genossen.

Genua:
In praktischer Hinsicht war Genua der beste Hafen, am Rande der Altstadt gelegen, kann man einfach zu Fuß losgehen und sein Besichtigungsprogamm ganz individuell gestalten. Am offiziellen Informationsstand gibt es auch Karten mit einem vorgeschlagenem Rundweg. Wir haben uns den Palazzo Reale, die Basilica della Santissima Annunziata und den Dom von innen angschaut, zahlreiche Palazzi, Gassen und den Hafen von außen.

Genua war für mich der einzige neue Anlaufhafen, und ich war von Schönheit, kultureller Vielfalt und Atmosphäre positiv überrascht.

Marseille:
Marseille hingegen war aus praktischer Sicht der schrecklichste Hafen, weit außerhalb der Stadt gelegen, und fast nicht ohne Nutzung der Schiffsangebote zu verlassen. Man kann einen langen Weg (2km ?) durch die eintönige Hafenanlage bis zum Hafeneingang laufen. Zu Fuß das Gelände zu verlassen, lohnt nicht, da dort einfach nichts ist außer der Autobahn. Ab Hafeneingang gibt es einen kostenlosen Shuttle in die Stadt, der aber trotz anderweitiger Beschilderung nicht regelmäßig fuhr und auch in der Stadt an einem eher ungeeignetem Ort hält. Auch der teure Schiffsshuttle ist zeitaufwändig und mühsam.
Auf Marseille kann meiner Meinung nach als Anlaufhafen verzichtet werden.
Zuletzt geändert von MS Cruiser am 18.08.2019 14:14, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Reisebericht MSC Fantasia, westliches Mittelmeer

Beitragvon MS Cruiser am 18.08.2019 14:11

Debarkation:
Die Koffer mußten bis 1.00 Uhr morgens vor der Kabine sein.
Einen so ruhigen Ausschiffungstag wie hier habe ich noch auf keinem Schiff erlebt. Da das Schiff planmäßig erst um 10.00 Uhr einlief, durfte wohl jeder bis zu dieser Zeit auf der Kabine bleiben. Dank Status durften wir sogar bis 12.00 Uhr die Kabine nutzen, so daß langem Schlaf (im Teenagerfall bis 10.45 Uhr), einem ruhigen Frühstück und dann noch gemütlichem Frischmachen und Einpacken der letzten Dinge nichts entgegenstand. Auch konnten wir weiter auf dem Schiff bleiben, im Pool schwimmen, Mittag essen und auch unsere Getränkepakete nutzen, bis es Zeit wurde, zum Flughafen zu fahren. Unsere Koffer konnten wir wohl behütet am Empfangstischchen im Terminal entgegennehmen (wo noch vielleicht 10-20 Koffer standen).

Das Taxi brachte uns schnell zum erstaunlich leeren Flughafen, der Urlaub endete, ein schöner Urlaub endete, eine gelungene Kreuzfahrt lag hinter uns.

Danke für das Lesen, Fragen beantworte ich gerne!
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Re: Reisebericht MSC Fantasia, westliches Mittelmeer

Beitragvon Dirk am 18.08.2019 16:04

MS Cruiser hat geschrieben:Marseille:
Marseille hingegen war aus praktischer Sicht der schrecklichste Hafen, weit außerhalb der Stadt gelegen, und fast nicht ohne Nutzung der Schiffsangebote zu verlassen. Man kann einen langen Weg (2km ?) durch die eintönige Hafenanlage bis zum Hafeneingang laufen. Zu Fuß das Gelände zu verlassen, lohnt nicht, da dort einfach nichts ist außer der Autobahn. Ab Hafeneingang gibt es einen kostenlosen Shuttle in die Stadt, der aber trotz anderweitiger Beschilderung nicht regelmäßig fuhr und auch in der Stadt an einem eher ungeeignetem Ort hält. Auch der teure Schiffsshuttle ist zeitaufwändig und mühsam.
Auf Marseille kann meiner Meinung nach als Anlaufhafen verzichtet werden.


Vom am weitesten entfernten Terminal sind es 900 Meter bis zum "ksotenlosen" Hafenshuttle. Für die 10 Minuten sollte man die Eintönigkeit schon aushalten. Der Shuttle endet dann am großen Einkaufszentrum Terrasses du Port. Für manche schon ein wichtiger Anlaufpunkt. Von dort ist es noch ein guter Kilometer bis zum Vieux Port, der sowohl am Wasser als auch durch die Stadt nie langweilig wird. Alternativ nutzt man bereits ab Einkaufzentrum den Nahverkehr für das Erreichen seiner Ziele.
Ich gebe dir recht, dass die Innenstadt von Marseille nicht so einfach zu erreichen ist, wie manch andere Stadt; wir waren auch erst beim 3. Anlauf von Marseille das erste Mal vom Schiff. Seither machen wir uns aber immer wieder auf den Weg, weil die Stadt dann doch einiges zu bieten hat.

Gruß

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Re: Reisebericht MSC Fantasia, westliches Mittelmeer

Beitragvon MS Cruiser am 18.08.2019 18:19

Dirk hat geschrieben:Ich gebe dir recht, dass die Innenstadt von Marseille nicht so einfach zu erreichen ist, wie manch andere Stadt; wir waren auch erst beim 3. Anlauf von Marseille das erste Mal vom Schiff. Seither machen wir uns aber immer wieder auf den Weg, weil die Stadt dann doch einiges zu bieten hat.


Hallo Dirk, ja, Marseille ist einen Besuch wert. Ich habe dort auch schon einen mehrtägigen Urlaub verbracht. Für Kreuzfahrtgäste, die gerne selbstständig einen Ort erkunden, sind der außerhalb gelegene Hafen und seine Anbindung jedoch aus meiner Sicht extrem ungünstig. Das ist in vielen anderen Städten deutlich besser gelöst.
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