Sonnendeck Seereisen

Alle Vorurteile stimmen!

Kreuzfahrten auf Hochseeschiffen deutscher Veranstalter (inklusive AIDA Cruises & TUI Cruises)

Moderator: Prinzesschen

Alle Vorurteile stimmen!

Beitragvon Deichgraf am 01.10.2018 16:06

Jetzt haben wir unsere erste Kreuzfahrt hinter uns (Aidaaura Ostsee) und möchten ein paar Eindrücke loswerden:

- Kreuzfahrten sind etwas für alte Leute.
Stimmt. Es sind viele Rentner an Bord, und für die ist das eine tolle Urlaubsart.
Aber es sind eben auch Jüngere dabei (zu denen wir uns als 50er noch zählen) und für die ist es auch schön.
Nur wie das die alten Leute schaffen, immer im Gang vor einem herzuschlurfen, wenn man es eilig hat, und dann am Buffett so agil jede Lücke zu nutzen :D

- Bei Aida gibt es Schlangen vor den Restaurants.
Stimmt. Da gibt es jeden Tag massenhaft Leute, die stellen sich bis zu einer halben Stunde vor die geschlossene Restauranttür um bei Öffnung loszustürzen wie die ausgehungerte Löwen.
Völlig blödsinnig, weil es auch zu jeder späteren Zeit noch genug freie Plätze (auch an schönen Tischen) und natürlich genug zu essen gibt. Kann man also ignorieren, die Schlangen, und gehen wenn man Lust hat.

- Auf Kreuzfahrten wird dauernd gegessen.
Stimmt. Frühaufsteherfrühstück, normales Frühstück, spätes Frühstück, Poolbrunch, Mittagessen, Kaffee und Kuchen, Abendessen - und immer schlagen die Leute eifrig zu.
Warum auch nicht, es schmeckt und man braucht ja trotzdem nicht zuviel zu essen.

- Auf Kreuzfahrten wird viel getrunken.
Stimmt. Frühschoppen, Freigetränke zwischendurch, Alkohol zu den Mahlzeiten und dann in den Bars - da wird erstaunlich viel konsumiert.
Aber wir haben in zehn Tagen niemand erlebt, der zuviel getrunken und irgendwie unangenehm aufgefallen wäre.

- Aida ist nur was für Deutsche.
Stimmt. Jedenfalls waren fast nur Deutsche an Bord - die wenigen ohne deutschen Paß hatten einen deutschen Partner. Das war schon ungewohnt für uns, so wenig international hatten wir höchstens mal bei einem Wochenende in der Rhön.
Stört aber nicht, und dann ist uns aufgefallen, daß wir an einem Punkt doch sehr deutsch sind: Die Klimaanlagen waren gut eingestellt und produzierten keine Zugluft - sehr gut.

So weit also die Erwartungen.
Was uns überrascht hat:
- Die Mitpassagiere waren wirklich sehr nett. Durchgehend gute Stimmung, nette Gespräche an den Tischen, Witze im Aufzug, alles entspannt und freundlich.
- Von der Bordunterhaltung hatten wir nichts erwartet, die Show war auch eher mäßig - aber abends in der Bar der hervorragende Pianist, das haben wir genossen.
- Schlechtes Wetter (damit hatten wir gerechnet) bedeutet nicht nur Seegang (konnten wir aushalten) und Regenschirm an Land. Sondern auch, daß 2 der 7 Häfen gar nicht angelaufen werden konnten und durch weitere Seetage ersetzt werden mußten. Sehr schade.
- Abgesehen von den Hafenanfahrten meidet das Schiff die Küstennähe und bleibt außerhalb der 12-Meilenzone. Man sieht also verhältnismäßig wenig - damit werden wir wohl einige Kreuzfahrtideen streichen müssen, die ich gerne wegen schöner Küsten gemacht hätte.

Insgesamt eine sehr positive Bilanz, es wird nicht unsere letzte Kreuzfahrt sein.
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Re: Alle Vorurteile stimmen!

Beitragvon HeinBloed am 01.10.2018 16:42

Sorry:

Aber du verpasst etwas, wenn du von dieser Kreuzfahrt auf andere schließt und schon Routen vorab aufgibst!

Deine Eindrücke sind repräsentativ und auch nicht.

Ein anderes Schiff, eine andere Route und es kann genau das Gegenteil sein.

Wir fahren jetzt Südamerika: eine Scenic Cruise um genau die Küste zu sehen.

Gruß
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Re: Alle Vorurteile stimmen!

Beitragvon Deichgraf am 01.10.2018 18:46

HeinBloed hat geschrieben:wenn du von dieser Kreuzfahrt auf andere schließt und schon Routen vorab aufgibst!

Mir hat man erzählt, daß mit den 12 Seemeilen Abstand wäre generell so (vielleicht nur bei AIDA?)

eine Scenic Cruise um genau die Küste zu sehen.

Ah, das klingt gut.
Aber alleine schon die Bezeichnung "Scenic Cruise" scheint Hinweis zu sein, daß das die Ausnahme ist, die die Regel von der Küstenferne bestätigt. Wenn das extra Motto ist. Aber das wären dann die Ausnahmen, auf die ich achten sollte.
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Re: Alle Vorurteile stimmen!

Beitragvon Raoul Fiebig am 01.10.2018 19:35

Deichgraf hat geschrieben:Mir hat man erzählt, daß mit den 12 Seemeilen Abstand wäre generell so (vielleicht nur bei AIDA?)


...diese Aussage - von wem auch immer - ist völliger Humbug! :rolleyes:
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Re: Alle Vorurteile stimmen!

Beitragvon Deichgraf am 01.10.2018 20:56

Raoul Fiebig hat geschrieben:...diese Aussage - von wem auch immer - ist völliger Humbug! :rolleyes:

Das war der offizielle Urlaubsberater, der uns andere Kreuzfahrtrouten erläutern sollte ...

Und seine Erläuterung war: Nur außerhalb der 12-Seemeilen-Zone dürfen sie den Shop öffnen und Wasser zur Aufbereitung aufnehmen. Schien nicht von vorneherein unsinnig zu klingen.

Und es war halt schon so, daß der Kapitän (wo nicht durch die Routenführung anders erzwungen) ziemlich auf hoher See (wenn man das bei der Ostsee sagen darf) geblieben ist. Was mich etwas geärgert hat - da hatten wir schon die zusätzlichen Seetage und ausgerechnet Visby (und Klaipeda) sind ausgefallen - da hätte ich mir wenigstens einen schönen Blick auf Bornholm und Rügen gewünscht. Die waren aber nur kleine Schemen am Horizont.

Wieder eine Erfahrung mehr. Muß man also sich also vor der Reise erkundigen, wie die Route so zwischen den Häfen geplant ist. Aber wer weiß das?
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Re: Alle Vorurteile stimmen!

Beitragvon HeinBloed am 01.10.2018 21:09

Deichgraf hat geschrieben:Ah, das klingt gut.
Aber alleine schon die Bezeichnung "Scenic Cruise" scheint Hinweis zu sein, daß das die Ausnahme ist, die die Regel von der Küstenferne bestätigt. Wenn das extra Motto ist. Aber das wären dann die Ausnahmen, auf die ich achten sollte.


Ich würde mal sagen, dass du dich gerade in etwas reinsteigerst und es wohl nicht mehr aus dem Kopf bekommst.

Mit denen ich i.d.R. fahre, sind nachts unterwegs und da siehst du kaum etwas von der Küste.

Und an Seetagen: das hängt mal i. d. R. vom Fahrtgebiet und vom Schiff ab, aber sicherlich nicht mit der gleichen Nähe, wie eine Küstenkreuzfahrt. Da gibt es auch kleine Nischenanbieter, die mit sehr kleinen Kreuzfahrtschiffen und entlang einer Küste fahren, aber größtenteils reden wir ja über HOCHSEE-Kreuzfahrt auf WELTMEEREN.

Aber es geht ja genau bei Fahrtgebieten wie Norwegen, Alaska darum, dass auch ewas von der Landschaft und der Küste sehen kannst.

Gruß
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Re: Alle Vorurteile stimmen!

Beitragvon fneumeier am 02.10.2018 07:51

Die Shops müssten sie eigentlich schon außerhalb der 3 Meilen Zone öffnen dürfen.

Wasser aufnehmen - klingt jetzt seltsam, dass das erst ab 12 Meilen erlaubt sein soll. Weiß ich aber nicht. Ablassen, insbesondere auch geschredderte Lebensmittel, ist erst außerhalb der 12 Meilen Zone zulässig. Keine Ahnung, ob es da bei der Ostsee noch andere Regelungen gibt. Ich habe im Kopf von der Silhouette Reise, dass der Umweltoffizier sagte, sie müssten auch (selbstverständlich gereinigtes) Abwasser im Hafen abgeben und dürften dies nicht ablassen.

Im Mittelmeer ist man häufig in Küstennähe, sprich außerhalb der 3 Meilen, unterwegs. Oft ist da sogar noch Handyempfang des Landnetzes.

Gruß

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Re: Alle Vorurteile stimmen!

Beitragvon Diddn am 02.10.2018 08:50

Erst einmal: Danke für die schöne Schilderung der Eindrücke Deiner ersten Kreuzfahrt. Es ist immer schön, Eindrücke von Erstfahrern zu lesen, da man unweigerlich mit der zunehmenden Zahl an Kreuzfahrten auch ein Stück weit abstumpft. Und ich denke, jeder denkt dann auch an seine erste Kreuzfahrt zurück, die so begeisternd war, dass da oft eine Leidenschaft draus geworden war.

Von einer Kreuzfahrt auf alle anderen zu schließen wäre aber grundfalsch. ZU unterschiedlich sind die Konzepte unterschiedlicher Reedereien, zu unterschiedlich deren Schiffe im Vergleich untereinander, zu unterschiedlich sind die Fahrgebiete (die durchaus auch das Bordleben beeinflussen - in der Karibik laufen Kreuzfahrten anders ab als am Nordkap), zu unterschiedlich sind auch die Crews an Bord. Wenn man hier offen ist, Neues, Unbekanntes auszuprobieren (was Ihr mit Eurer allerersten Kreuzfahrt ja im Grunde auch getan habt), gibt es mehr zu entdecken als man ahnt. Und auch nach rund 100 Kreuzfahrten entdecke ich immer noch schöne Schiffe, interessante Häfen auf ausgefallenen Routen und immer wieder herzliche Menschen, sowohl in der Crew wie unter den Passagieren.

Man sollte nie alles glauben, was einem an Bord erzählt wird. Letztlich will ein Reiseverkäufer an Bord (nichts anderes ist der "<PIEP>" an Bord der AIDA Schiffe) eines: Reisen verkaufen. Und in diesem Fall ausschließlich die von Aida. Und davon wohl eher die Reisen, bei denen sich die Schiffe nicht schon von alleine füllen. Meist sind die dort eingesetzten Mitarbeiter relativ jung und ihre Kreuzfahrt-Erfahrung stützt sich auf eine einzige Reederei und wenige Reisen (wenn überhaupt) als Passagier an Bord. Da wird allein aus Unwissenheit schon Vieles verallgemeinert: Natürlich gibt es Kreuzfahrten mit vielen küstennahen Abschnitten, sogar Aida fährt solche Routen (bzw. hat sie schon gefahren). Wer viel Küste sehen möchte, kann sich z. B. entlang der norwegischen Küste hangeln, über die Großen Seen fahren, Patagonien erkunden, Kanäle durchfahren, den Amazonas bereisen, Meerengen passieren... es gibt da viele Möglichkeiten. Wer ganz viel Land sehen möchte, ist vielleicht auch auf einem Flusskreuzfahrtschiff mal gut aufgehoben.

Wer meine Signatur liest sieht, sieht auch, dass ich sicherlich Präferenzen habe was meine persönlichen Kreuzfahrten angeht, aber nicht sehr viel von vornherein ausschließe. Mit der Zeit wird man jedoch anspruchsvoller, auch was die Route betrifft. Die Route soll mittlerweile mehr als die wenigen Halte der üblichen Rennstrecken umfassen. Und selbst die üblichen Hotspots erlebt man anders, wenn die Liegezeit variiert, z. B. mal bis in die Nacht hinein andauert. (Wer z. B. Dubrovnik als Kreuzfahrer am Tage kennt, wird es nach Einbruch der Dunkelheit nicht wieder erkennen. Die Restaurants, die mittags auf Tagestouristen aus sind, schließen am späten Nachmittag. Teils werden sogar die Möbel ausgetauscht. Um dann am Abend mit ganz anderer Speisekarte und hochwertigem Service eine ganz andere Klientel zu bedienen. Wenn das Schiff dann noch vor dem historischen Hafen auf Reede liegt und man in dir Altstadt getendert wird, erlebt man eine ganz neue Destination.) Sowas geht aber selten mit einem großen Schiff einer Reederei, die den sog. Mainstream (übersetzt in etwa: Massentourismus) bedienen möchte. Daher sind mir die kleineren Schiffe, die gerade auch mal in außergewöhnliche Häfen kommen, mittlerweile lieber.

Man muss sich aber entscheiden: Rutschbahnen, Kletterwände und Minigolf - oder eine außergewöhnliche Route, die dann ggf. auch küstennah verläuft. Beides zusammen ist, allein wegen der Schiffsgröße und der damit limitierten Möglichkeiten an Häfen, eher selten zu finden. Ein Casino an Bord oder eine große Zahl an Einkaufsmöglichkeiten an Bord bieten eigentlich immer die Garantie, dass das Schiff stets auf schnellstem Wege internationale Gewässer aufsucht und dort verbleibt. Hat ein Schiff dies nicht an Bord steigt grundsätzlich die Chance, mehr von der Küste zu sehen. Muss es ein nagelneues Schiff, welches meist auf Mainstream-Routen eingesetzt wird, oder darf es auch ein älteres Schiff sein? Kommt ausschließlich deutschsprachig in Betracht oder darf auch ein internationales Schiff (englisch-, französisch-, spanisch- oder mehrsprachig wie bei den italienischen Anbietern) in die Auswahl? Je weiter man den Kreis der persönlichen Einschränkungen öffnet, um so mehr explodiert das Angebot an tollen Kreuzfahrten. Hilfreich ist dann immer ein gutes Reisebüro, welches nach den Wünschen des Kunden berät - und auch mal eine Kreuzfahrt ausdrücklich nicht empfiehlt, weil sie doch zu weit von den Wünschen des Gastes entfernt ist.

Maßgeblich ist auch der Kapitän: Hier gibt es durchaus sehr unterschiedliche Charaktere. Während der eine Kapitän eher die Route schlicht abfährt versucht ein anderer, die Möglichkeiten, die das Schiff (z. B. geringe Größe, niedriger Tiefgang) oder der Fahrplan (Stichwort Zeitreserve) bietet, auszunutzen, um den einen oder anderen Extra-Event zu bieten. Mancher bemüht sich (im Rahmen der Vorgaben der Reederei) für einen Hafen, der ausfallen muss, einen Ersatz zu finden. Oft ist dies möglich. Ich gebe zu, dass ich auch eine Handvoll 'Lieblingskapitäne' habe bei denen ich dann schon bei der Einschiffung weiß, dass ich Unerwartetes erwarten kann. Umgekehrt gibt es aber nur einen einzigen ('greulichen') Kapitän, bei dem ich aus dem Stand heraus auf die Kreuzfahrt verzichten würde, wenn ich erführe, dass er das Schiff kommandiert. (Schettino fährt ja meines Wissens nach nicht mehr.)

Auch wenn Du Deine Vorurteile nach der ersten Reise zu großen Teilen (wohlwollend) bestätigt siehst - verallgemeinere es bitte nicht. Die nächste Kreuzfahrt kann ganz andere Erlebnisse zaubern. Aber wenn Du trotz widrigen Wetters nun auch zu den Süchtigen nach Kreuzfahrten gehörst (erste Anzeichen erkenne ich durchaus in Deinem Beitrag ;) ), wird das, was da vielleicht als Nächstes kommt, sicher noch schöner.

Auf viele schöne, interessante und erlebnisreiche Kreuzfahrten. Und: Willkommen im Club. :D

Gruß

Diddn

PS: Über den 'PIEP' muss ich jetzt schmunzeln. Gemeint war natürlich die Person, die an Bord zukünftige Reisen anbietet - und bei Aida Cruises zufälligerweise eine Bezeichnung führt, die in diesem Forum aus ganz anderem Grunde ausgeblendet wird. :lol:
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Re: Alle Vorurteile stimmen!

Beitragvon Raoul Fiebig am 02.10.2018 12:54

...jepp. Zumindest sind hier bislang keine AIDA-Leute aufgefallen, die Schleichwerbung gemacht haben. ;)
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Re: Alle Vorurteile stimmen!

Beitragvon Deichgraf am 02.10.2018 18:28

Diddn hat geschrieben:Erst einmal: Danke für die schöne Schilderung der Eindrücke Deiner ersten Kreuzfahrt.

Danke. Ich hatte als Neuling bei der Planung hier im Forum gute Tips bekommen und wollte mich revanchieren.

Von einer Kreuzfahrt auf alle anderen zu schließen wäre aber grundfalsch.

Klar. Aber jetzt haben wir wenigstens mal einen Maßstab und eine Idee, auf welche Aspekte wir wirklich achten müssen.

Letztlich will ein Reiseverkäufer an Bord (...) eines: Reisen verkaufen.

Klar. Und genau das war so merkwürdig. Ich bin hin weil es mich gestört hat, daß wir von Gotland und Rügen fast nichts gesehen haben. Und frage nach Fahrten mit mehr Küstennähe. Und sagt er gibts nicht wegen 12-Meilen. Oh, sage ich, dann müssen wir wohl auf manche Kreuzfahrten verzichten, die wir uns so vorgestellt hatten. Ja, sagt er, ist schon schade.
Kein geschicktes Verkäuferverhalten - aber deswegen habe ich ihm das auch geglaubt.

sogar Aida fährt solche Routen (bzw. hat sie schon gefahren).

Wird aber leider in der Reisebeschreibung nicht erwähnt, auch nicht bei einigen anderen Gesellschaften, die ich mir bisher angeschaut habe.

Wer viel Küste sehen möchte, kann sich z. B. entlang der norwegischen Küste hangeln

Genau das wäre unsere nächste Reiseidee. Da fährt man ja wegen der Landschaft hin, nicht unbedingt wegen der Stadtausflüge.

Daher sind mir die kleineren Schiffe, die gerade auch mal in außergewöhnliche Häfen kommen, mittlerweile lieber.

Größer als die Aidaaura bräuchte ich nicht, auch den ganzen Halligalli der großen Pötte. Aber je kleiner das Schiff, desto teurer - scheint mir nach oberflächlichem Vergleich.

darf auch ein internationales Schiff

Dürfte. Ich werde wohl auch demnächst mal hier eine Anfrage starten, welche Reedereien für unsere Wünsche in Frage kommen. Fremde Sprachen sind kein Problem, nur englische Küche ;-)

Maßgeblich ist auch der Kapitän

Die zu kennen ist aber dann schon was für wirklich Fortgeschrittene ...

Auch wenn Du Deine Vorurteile nach der ersten Reise zu großen Teilen (wohlwollend) bestätigt siehst

Das war natürlich nur als Witz gedacht. Natürlich steckt fast immer ein wahrer Kern drin, aber in der Praxis sieht das halt doch anders aus.

Aber wenn Du trotz widrigen Wetters nun auch zu den Süchtigen nach Kreuzfahrten gehörst (erste Anzeichen erkenne ich durchaus in Deinem Beitrag ;) )

Gute Diagnose!
Immerhin konnte ich feststellen, daß mir der Seegang selber fast nichts ausgemacht hat. Das ist doch schon ermutigend.
Aber Visby nicht zu sehen war halt traurig :( . Heißt natürlich, wir müssen noch einmal in die Ostsee ;)
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Re: Alle Vorurteile stimmen!

Beitragvon Diddn am 03.10.2018 10:48

Hallo Deichgraf,

wenn Eure erste Reise als Maßstab gilt, solltet Ihr für die nächste Reise darauf aufbauen. Schauen, was Euch hier besonders gefallen hat - und was eben nicht. Diese durchaus subjektiven Faktoren (was dem einen gefällt ist einem anderen zuwider) sollten die Grundlage bilden.

Die Schiffsgröße hattest Du ja schon erwähnt. Dabei ist aber weder die Größe nach Länge/Breite/Höhe, noch nach der Passagierzahl einfach zu übertragen. Eher schon das Verhältnis zwischen diesen Kennzahlen. Da Eure Reise auf der AIDAaura war, nehme ich die mal als Beispiel. Das Prinzip Aida lebt davon, dass man ausnutzt, dass (meist) nicht alle zur gleichen Zeit das Gleiche wollen. Dies wird, gerade zu den Essenszeiten, unterstützt, indem es zeitlich versetzt alternative Angebote gibt. Meist klappt das. Sind die Passagiere jedoch in ihrem Freizeitverhalten 'gleichförmig', wird es eng.

Das bloße Verhältnis von Raum zu Passagier ist aber auch keine Universalgröße. Es gibt z. B. Schiffe, die mehr offene Decksfläche bieten, und es gibt welche, die großzügige Innenräume bieten. Meist schließt das eine das andere aus. Das heißt dann nicht, dass das eine Schiff besser oder das andere Schiff schlechter ist. Sie sind schlicht für jeweils unterschiedliche Fahrgebiete geeignet. Da ein Schiff aber seltenst sein gesamtes Schiffsleben lang im gleichen Fahrgebiet fährt kommt es (leider) durchaus vor, dass Reedereien Schiffe auch dort einsetzen, wo sie aufgrund der Bauart eigentlich nicht hin sollten, weil es für diese Gegend schlicht geeignetere Schiffe gibt.

Das Vorgenannte ist aber nur ein Faktor von vielen. Es gibt da sehr viele. Um nur ein weiteres Beispiel zu nennen: Liegen Tenderhäfen auf der Strecke ist es schön, wenn die Reederei Tendern kennt und kann bzw. auf dem Schiff ein zügiges Tendern beherrscht wird. Die Anzahl vorhanener Tenderboote ist dabei nur ein Indiz, denn niemand garantiert, dass auch alle Tenderboote benutzt werden. Manchmal ist das auch gar nicht sinnvoll, weil es landseitig nicht genügend Einrichtungen (Kais in der richtigen Höhe und Länge) zum Tendern gibt. Im letzten Fall hat dann schon die Reederei beim Entwurf des Routings einen entscheidenden Fehler gemacht.

Was kleinere Schiffe angeht und Deinen Eindruck, dass Reisen auf diesen teurer sind: Im Grundsatz stimmt das. Die Fixkosten lassen sich auf größeren Schiffen auf mehr zahlende Gäste verteilen. Umgekehrt bieten kleinere Schiffe mehr. Mehr (ungewohnte, selten angelaufene) Destinationen, (meist) mehr Service, auf jeden Fall mehr persönlicheren Service, mehr Familiarität mit anderen Gästen und der Crew. Und kleinere Schiffe können aufgrund ihrer Dimensionen auch oft andere, küstennähere Routen fahren.

Eine Garantie für küstennahe Fahrten wirst Du tatsächlich bestenfalls bei Expeditionsschiffen finden, die vom Preis und vom Erlebnis deutlich vom Großteil des Marktes abweichen. Selbst wenn auf der Routenkarte z. B. eine sog. Inside Passage zwischen Festland und vorgelagerten Inseln eingezeichnet ist - letzte Entscheidung über den Kurs hat der Kapitän, der letztlich für die Sicherheit verantwortlich ist. Entscheidet dieser, dass die einfachere Navigation über offene See sicherer ist, wird er das tun. Umgekehrt habe ich schon auf kleineren Schiffen erlebt, dass sogar Umwege gefahren werden, um z. B. statt an den Kapverden vorbei, mitten hindurch zu fahren, dass ein Schlenker in die Route gelegt wird, um Fernando da Naronha zu umrunden, um die Passage zwischen Helgoland und der vorgelagerten Düne zu fahren... Vor der Passage des Kanals von Korinth war die Crew recht nervös und sehr vage, ob sie denn stattfinden könne. Falls nicht, hätte es eine komplette Umroutung bedeutet. Mir war die Nervosität unverständlich, denn das Schiff (der kleinste Kreuzfahrer, mit dem ich bisher unterwegs war mit Platz für max. 42 Gästen in 18 Kabinen) passte bequem durch den Kanal. Der Knackpunkt, musste ich lernen, was die Patras Bridge davor. Unser Schiff hatte Segel und damit auch Masten, und zwischen Mastspitze und Brücke waren gerade mal vier Meter Platz. Und bei starkem Seegang wäre die Unterquerung der Brücke schlicht nicht möglich gewesen. Das sagte uns die Crew aber erst hinterher. ;) Und damit erklärte sich auch, warum die Crew die Passage der Brücke so gefeiert hatte. Manchmal sind es also Zwänge, die man als Passagier überhaupt nicht im Blick hat, die aber eine Routenführung beeinflussen können.

Beim Ausblick auf die nächste Reise solltest Du die Reederei allenfalls für die Auswahl des jeweiligen Konzeptes berücksichtigen. Nahezu jede Reederei verfügt über unterschiedliche Schiffsklassen, die sich baulich teils deutlich voneinander unterscheiden. Wenn Dir jetzt z. B. auf AIDAaura die recht vielen offenen Decksflächen gefallen haben, würdest Du bei einem Schiff der "Melittaklasse" (die mit der Filtertüte in der Mitte) wohl enttäuscht sein, da hier fast das ganze Schiff rundum mit mannshohem Glas 'eingehaust' ist. Und es gibt Schiffe anderer Reedereien, wo dies noch vollkommener praktiziert wird. Auch Schiffe gleicher Bauserie können sich unterscheiden. Im Laufe eines Schiffslebens wird halt manches umgebaut. Hat Dir der Pool und dessen 'Auslauffläche' auf der Aura gefallen und würdest Dich gerade darauf freuen, wärst Du auf der (ursprünglich baugleichen) Vita vielleicht enttäuscht, weil gerade dieser Bereich hier zwischenzeitlich umgestaltet wurde. Manchmal sind es halt die kleinen profanen Dinge, die zum Wohlfühlen beitragen. Ich kenne auch zwei wirklich nahezu baugleiche Schiffe einer anderen Reederei, die ich, außer beim Schiffsnamen, nur durch zwei Details unterscheiden. Einer davon ist, dass der Trinkwasserspender einmal an Backbord, einmal an Steuerbord steht. Backbord ist dort aber auch die Raucherzone, und weil es die einzige ausgewiesene Raucherzone an Bord ist, wird dort auch fast immer geraucht. Wer sich am Rauch stört, würde sich jedesmal, wenn er ein Glas Wasser holt, ärgern. Da wäre man auf dem ansonsten baugleichen Schwesterschiff besser aufgehoben. Wenn der notorische Nichtraucher aber eh kein Wasser trinkt, wäre es egal. ;)

Auch bei größeren Schiffen werden Raucher heute auf wenige Plätze verwiesen, die in der Regel nicht im Decksplan zu finden sind. Wer dann als Nichtraucher den Balkon direkt darüber hat - der hat im Prinzip keinen Balkon. Nebenbei: Ich bin Raucher. Aber wenn bei einigen Tausend Passagiere viele hundert Raucher darunter sind und diese gezwungenermaßen immer unter meinem Balkon rauchen würden - das wäre auch mir zu viel. Viel zu viel. Und weil niemand solche Kleinigkeiten, die aber oft dafür ausschlaggebend sein können, dass der Urlaub etwas Besonderes wird, mit berücksichtigt, sollte man immer ein erfahrenes Reisebüro wählen, welches z. B. auch bei der Auswahl der Kabine nach Lage und nicht nur nach Kategorie berät.

Ein Schiff nach dem Kapitän auswählen - das ist schlicht unmöglich, denn begreiflicherweise lässt sich keine Reederei in den Dienstplan schauen, der dazu zwischen Buchung und Reise auch Änderungen erfahren kann. Einige Schiffe haben einen Stammkapitän. Da weiß man zu 60 %, wer einen fahren wird. Das ist für mich aber sicher kein Kriterium. Ich freue mich schlicht, wenn ich an Bord komme und sehe, dass ich den Kapitän aus früheren Zeiten schon in angenehmer Erinnerung habe. Gleiches gilt auch für andere Crewmitglieder. Und mit mehr Reisen wird es zunehmend familiärer.

Dies ist übrigens auf kleineren Schiffen deutlich ausgeprägter. Ein Beispiel: Im Dezember geht es wieder auf die Star Flyer (max. 170 Gäste). Meine siebte Reise auf diesem Schiff, meine zwölfte Reise mit dieser Reederei, die insgesamt drei Schiffe betreibt. Da es augenscheinlich ein guter Arbeitgeber ist, ist ein Großteil der Crew seit langer Zeit dabei. Irgendwen kennt man immer - und bei einem Schiff dieser Größe erinnert sich auch die Crew an die Passagiere. Bei meiner letzten Reise auf der Star Flyer im August 2017 war ich ausnahmsweise allein unterwegs. Bis zum ersten Mittagessen hatten acht Crewmitglieder, vom Housekeeping über das Restaurant und die Offiziere gefragt, und selbst Matrosen haben sich erkundigt, ob mit meiner Freundin alles in Ordnung sei, weil sie ja diesmal nicht dabei ist. In neun Wochen werden sie dann auch selbst sehen, dass es ihr gut geht und ich nicht gelogen habe. :cool:

Nach meinem ganz persönlichen Empfinden würde ich Kreuzfahrtschiffe nach Passagierzahl grob wie folgt einteilen, wobei die tatsächlich an Bord befindliche Passagierzahl eher ausschlaggebend ist als die Maximalzahl der möglichen Passagiere:
1. unter 100 Gäste: Absolut persönlich. Es fällt auf, wenn jemand aus der Crew oder von den Passagieren zwei Tage lang nicht gesehen wird. Je nach Reederei haben Passagiere begrenzten Einfluss auf Route, Stops und/oder Liegezeiten. Offene Brücke. Man lernt sich kennen. Kapitän und Offiziere sind stets und überall als Ansprechpartner zu finden. Führungen durch Maschinenraum, Crewbereiche und/oder Küche werden angeboten. Teilw. werden auch Rettungsboote zur Besichtigung freigegeben und die Einrichtungen erläutert (wenn sie nicht ohnehin auch als TEnder benutzt werden).
2. bis ca. 220 Gäste: Immer noch sehr persönlich. Ausgefallene Routen und Liegezeiten (nach Plan) möglich. Individueller Service. Oft offene Brücke. Kapitän und Offiziere sieht man mehrmals täglich. Teilweise Führungen in technische Bereiche für Interessierte möglich.
3. bis ca. 700 Gäste: Meist viel Platz pro Passagier, was eigentlich der wahre Luxus an Bord eines Schiffes ist. Kleinere Häfen werden oft mit den Hotspots gemischt. Bordleben teilt sich auf, da aufgrund der Schiffsgröße Programmpunkte parallel stattfinden. Mitreisende mit gleichen Interessen erkennt man. Den Kapitän sieht man meist zumindest einmal am Tag. Brückenführunen und Führungen in technischen Bereichen in Gruppen oft möglich. Ausgefallene Routen abseits der 'Trampelpfade' auf dem Wasser lassen sich hier genauso finden wie die Befahrung von Rennstrecken.
4. bis ca. 1.300 Gäste: Hier findet man persönliche Nischen an Bord. Brücke und andere Räumlichkeiten sind nicht oder nur in Gruppen nach Anmeldung möglich, teils gegen Bezahlung. Wenige ausgefallene Häfen werden angelaufen; die Infrastruktur an Land sollte berücksichtigt werden. Der Kapitän ist während der Reise öfter mal zu sehen.
5. bis ca. 2.000 Gäste: diese Schiffsgröße stammt oft aus den Baujahren ca. 1985 - 2005, es sind also nicht mehr ganz junge Schiffe, die oft bereits in größerem Umfang umgebaut wurden. Entsprechend variiert deren Ausstattung. Gemeinsam hat diese Schiffsgröße, dass man noch recht nah am Meer ist: offene Decksflächen, oft auch freier Zugang rund um das Schiff. Mit ca. 7 Bars und 5 Restaurants (mag von Schiff zu Schiff etwas abweichen), oft zwei Pools (die idealerweise getrennt sind in einen 'ruhigen' und einen 'aktiven' Teil) und diversen Whirlpools, mehreren parallelen Angeboten zu jeder Zeit ist dies für mich ganz persönlich eine Idealgröße, um noch ein paar unbekanntere Häfen entdecken zu können und dabei das Portemonnaie nicht überstrapazieren zu wollen. Es ist aber schon in gewisser Weise Massentourismus. Man trifft auch nach zwei Wochen Mitreisende, die man zuvor noch nie gesehen hat. Die Routen beschränken sich oft auf die bekannten, großen Häfen - dort, wo es Ausnahmen gibt, sollte man schauen, ob so viele Menschen gut für den Ort sind. Wen man vor lauter Menschen das Straßenpflaster nicht mehr sehen kann, war der Hafen die falsche Wahl. Vielleicht sieht man - außerhalb der offiziellen Anlässe - auch mal den Kapitän oder einen seiner Offiziere. Führungen hinter die Kulissen nur bei wenigen Reedereien und gegen (deftige) Bezahlung möglich.
6. bis ca. 3.500 Gäste: Hier wird es für Familien mit Kindern, besonders aber mit Teenies interessanter: Oft sind Rutschen oder ganze Wasserparks an Bord, vielfältige Sport- und Unterhaltungsmöglichkeiten werden geboten. Hier ist schon das Schiff das Ziel. Die Häfen sind oft austauschbar, differieren wenig und liegen oft etwas weiter vom Zentrum entfernt da aufgrund der Schiffsgröße oft der nächstgelegene Industrie- oder Fährhafen angelaufen wird. Je mehr Ortsnamen in der Routenbeschreibung in Klammern stehen, um so mehr ein Indiz für (teuer einzukalkulierende) Shuttle oder Ausflüge zum eigentlich versprochenen Reiseziel. Wer den Kapitän oder einen Offizier sieht hat Glück und ist sich des geheimen Neides der Mitreisenden bei Erzählungen sicher. Statt Brückenführung etc. haben einige Schiffe eine 'gläserne' Brücke. Man kann durch Scheiben hineingucken wie in ein Terrarium.
Und schließlich 7. über 3.500 Gäste: Massenhaltung in Reinkultur. Die Häfen der Routen sind unter den Reedereien sehr austauschbar. Oft geht es nur darum, ob die Route rechts- oder linksherum gefahren wird, wo der Ein- und Ausschiffungshafen ist. Dafür bietet das Schiff möglichst viel, um den Gedanken von eintönigen Industriehäfen abzulenken. Hier ist eindeutig das Schiff im Vordergrund zu sehen, denn die beschränkte Auswahl an Häfen schafft das ohnehin nicht. Hier hat es Aida Cruises übrigens 2016 mit der Prima und deren erster Stammroute geschafft, dass das Schiff niemals ankommen wird. Die Route lautete grob: Paris (Le Havre), London (Southampton), Brüssel (Zeebrugge), Amsterdam (Rotterdam) und auch in Hamburg kam das Schiff im Grunde nie an, da es nach "Steinwerda" [sic] fuhr. Die Sache mit den Ortsnamen in Klammern dürfte jetzt auch klar sein. ;)

Dies stellt meine ganz persönliche Einteilung dar. Jede Schiffsgröße hat aber einen anderen Reiz, weshalb ich keine Schiffsgröße von vornherein ausschließen würde; größere Schiffe bieten mehr Vielfalt an Bord, kleinere in den Häfen. Wer lieber unter sich allein/zu Zweit/in der Familie bleiben möchte, ist möglicherweise auf einem anonymeren, größeren Schiff besser aufgehoben als auf einem kleineren Schiff. Für Kinder wären in meinen Augen die ersten zwei meiner Kategorien oft eher Strafe als Vergnügen. Das alles muss jeder für sich ausmachen und nach persönlichen Präferenzen entscheiden. Wichtig ist, dass man weiß, was man sich aussucht.

Einen weiteren, in meinen Augen wichtigen, Punkt möchte ich ansprechen: Schiffsreisen mit mehreren Zu- und Abstiegshäfen (sog. "Interporting"). Je größer das Schiff, desto eher sind zwei (oder mehr) Wechselhäfen geplant weil es schlicht nicht möglich ist, einen Passagierwechsel mit allem was dazu gehört (z. B. die An- und Abreiselogistik) in nur einem Hafen abzuwickeln. Oder die Reederei möchte verschiedene Märkte mit jeweils nahen Zustiegsorten abdecken. So bequem es ein mag, sich auszusuchen, ob ich das Schiff in Genua/Savona, auf Mallorca, in Barcelona, Marseille, Civitavecchia oder Tarragona besteige, so interessant es sein mag, die individuellen Gesamtkosten inklusive jeweiliger An- und Abreise zu errechnen und zu vergleichen, überwiegen hier für mich andere Faktoren. Eine Kreuzfahrt hat ja auch den Charakter einer Gruppenreise, wenn auch in einer größeren bis sehr großen Gruppe. Dadurch ist eine gewisse Atmosphäre an Bord. Am Anfang richtet sich jeder ein, erkundet das Schiff. Und wenn die Koffer wieder im Gang stehen, naht unweigerlich das Ende der Reise. Gespräche, z. B. beim Essen, beginnen nicht wie an Land mit "Wie lange sind Sie schon hier", sondern man steigt direkt drei Stufen tiefer ein. Und das um so mehr im Verlauf der Reise, wenn es sich um die klassische Variante mit den immer gleichen Mitreisenden am Tisch handelt. Wechseln die Passagiere aber häufiger - auf manchen Schiffen fast täglich - ähnelt es eher einer Fahrt mit der Straßenbahn. An jeder Haltestelle steigt wer aus und andere ein. Und Koffer im Gang sieht man täglich. Wenn das Schiff das Ziel ist, wird dies nicht stören. Zur Kreuzfahrt gehört dies eigentlich nicht; nur hat noch niemand einen anderen Begriff für Reisen mit intensivem Interporting geprägt. Letztlich wird die Auswahl an Kabinen durch mehrere Zustiegshäfen eingeschränkt, denn eine erst morgen wieder frei werdende Kabine kann nicht heute schon neu belegt werden. Entsprechend werden von den Anbietern meist feste Kontingente gebildet was dann auch dazu führen kann, dass die Preise der im Grunde gleichen Route je nach Einstiegshafen in der gleichen Kabinenkategorie deutlich variieren können. Oder die gewünschte Kabine/Kategorie ist schlicht nur ab einem bestimmten Hafen (noch) verfügbar.

Weiter drehen sich solche Schiffe oft über Monate immer nur im Kreis: Um Interporting zu ermöglichen, muss über längere Zeit stets die gleiche Route in der gleichen Abfolge befahren werden. Der Begriff "Reise" ist da fast schon verfehlt, denn der bezeichnet ja eigentlich die Fortbewegung von Punkt A nach Punkt B. Aber das mag eine persönliche Sache sein: Schon als Kind mochte ich es nicht, wenn das Feuerwehrauto auf dem Karussell immer an der gleichen Stelle hielt. :D Darum sind mir heute noch Fahrten mit unterschiedlichen Ein- und Ausstiegshäfen lieber. Dazu kommt, dass diese Reisen i. d. R. mehr unterschiedliche Häfen abbilden können, weil sie weitere Strecken zurücklegen. Man muss ja nicht wieder zurückfahren.

Jetzt höre ich aber auf - viel Spaß beim Aussuchen der nächsten Reise.

Gruß

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Re: Alle Vorurteile stimmen!

Beitragvon ginus am 03.10.2018 20:42

Diddn,

ein sehr beeindruckendes und mit Interesse von mir gelesenes Statement von dir. Kann in vielem von mir so auch unterschrieben werden.

In einem bin ich allerdings ggü. dir ein Waisenknabe. Noch nicht mal ein Viertel deiner KF-Anzahl erreiche ich bis jetzt, an einholen - auch mit allen Kräften - ist da nicht zu denken.
Also fehlen mir noch viele/wichtige/einige (?) Facetten.

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Re: Alle Vorurteile stimmen!

Beitragvon Diddn am 04.10.2018 10:18

ginus hat geschrieben:ein sehr beeindruckendes und mit Interesse von mir gelesenes Statement von dir. Kann in vielem von mir so auch unterschrieben werden.


Tja, das kommt dabei raus, wenn mn am Feiertag Zeit hat. ;)

In einem bin ich allerdings ggü. dir ein Waisenknabe. Noch nicht mal ein Viertel deiner KF-Anzahl erreiche ich bis jetzt, an einholen - auch mit allen Kräften - ist da nicht zu denken.
Also fehlen mir noch viele/wichtige/einige (?) Facetten.


Nur nicht aufgeben. Meine erste Kreuzfahrt war 1990, und mit der Zeit kommt da halt was zusammen. Aber Träume/Ziele habe ich immer noch, sowohl was Routen wie auch Schiffe angeht. Wäre ja auch schlimm, wenn man schon 'alles durch' hätte.

Und das mit den Facetten - da immer neue Schiffe gebaut werden, neue Reedereien entstehen und bestehende Reedereien auch mal ihr Konzept ändern, wird man die in einem Menschenleben wohl auch kaum alle entdecken können. Aber so bleibt stets genug Auswahl.

Gruß

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Re: Alle Vorurteile stimmen!

Beitragvon Deichgraf am 04.10.2018 12:00

Hallo Diddn,

vielen Dank für Deinen wirklich ausführlichen und guten Beitrag!
Aspekte wie Interporting und Tendering sind schon weit fortgeschritten, darüber hatte ich bisher nicht einmal im Ansatz nachgedacht.

Unsere wesentlichen Erwartungen (auch jetzt nach den gemachten Erfahrungen) sind: Wir wollen interessante Orte besuchen (also möglichst viel Auswahl bei den Häfen) und dazwischen das echte Seefahrts-Gefühl haben. Da scheiden dann die Größen 6 und 7 weitgehend aus (jedenfalls für die nächsten Fahrten, irgendwann will man vielleicht auch das mal erleben).
Und andererseits ist die Finanzdecke nicht beliebig lang. Insbesondere auch, weil wir nicht auf unsere gewohnten Landreisen verzichten wollen (und da sind wir eingefleischte Individualreisende). Die Star Flyer wäre ein Traum, aber definitiv zu teuer. Wie wohl alles in den Größén 1 und 2 (und wohl auch 3).

Bleiben also erst einmal die "kleinen Großen", das genaue Schiffsdesign mit Flächenangebot etc. muß man sich dann eben genauer anschauen. Eigentlich wollten wir ja mit der Zenith unseren ersten Versuch machen. Etwas größer als die Aidaaura, soll aber schön altmodisch sein ;-) War aber ausgebucht ...

Wenn ich nur diese Kriterien anlege (und außerdem wollen wir gut essen und ein paar andere kleine Wünsche ...) wird gerade unter Budget-Gesichtspunkten die Auswahl schon deutlich "übersichtlicher". Und wahrscheinlich sind die guten Sachen für 2019 schon ausgebucht ;)
Nun ja, erst einmal verschnauen wir und überlegen uns, wo wir überhaupt hinwollen. Das ist nun wirklich die erste zu klärende Frage.
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Re: Alle Vorurteile stimmen!

Beitragvon Diddn am 04.10.2018 13:35

Deichgraf hat geschrieben:Und andererseits ist die Finanzdecke nicht beliebig lang. Insbesondere auch, weil wir nicht auf unsere gewohnten Landreisen verzichten wollen (und da sind wir eingefleischte Individualreisende). Die Star Flyer wäre ein Traum, aber definitiv zu teuer. Wie wohl alles in den Größén 1 und 2 (und wohl auch 3).


Das persönliche Budget ist natürlich immer das Maß aller Dinge. Aber auch bei kleineren Schiffen gibt es das eine oder andere auch finanziell attraktive Angebot. Betrachtet man die Eckpreise (= günstigste Kabinenkategorie), gibt es für Kreuzfahrten auf kleinen Schiffen (bis ca. 220 Gäste) schon recht viele reguläre Angebote unter 300 €/Person/Tag. Oft sind dies bereits Außenkabinen, da manche dieser Schiffe gar nicht über Innenkabinen verfügen. Hinzu kommt, dass auf solchen Schiffen die Nebenkosten oft deutlich unter denen der Mainstream-Schiffe liegen. Wer eine Woche Kreuzfahrt für 569 € anbietet, will/muss an Bord zusätzliche Gewinne erwirtschaften. Sicherlich erfolgt da beim Vergleich der Endkosten kein Gleichstand, aber die Lücke ist am Ende kleiner als der Unterschied im Reisepreis.

Auch für die STAR FLYER gibt es vergleichsweise günstige Angebote. Der Eckpreis beginnt bei knapp 1.900 € p. P. für siebentägige Reisen. Wer rechtzeitig bucht, erhält darauf bis zu 20 % Frühbucherrabatt. So kommt man auf einen Tagespreis von roundabout 200 € p. P. - und das mit Liegeplätzen auf "P1" (oder es wird dorthin getendert, wenn der Hafen zu klein/nicht erreichbar/zu weit von der Stadt entfernt ist), exzellentem Essen (ohne Zuzahlung), persönlichem Service und günstigen Nebenkosten an Bord... und einer ganz besonderen Art des Reisens. Inkludiert ist da dann auch bereits z. B. die "Brückenbesichtigung" (läuft man eh mehrmals am Tag drüber), das Mastklettern, Wassersport-Aktivitäten... Und das Erlebnis im Bugnetz zu liegen und Delfinen aus nächster Nähe zuzuschauen, lässt sich mit Geld eh nicht aufwiegen.

Übrigens honoriert diese Reederei den Stammgast mit 5 % zusätzlichem Rabatt ab der zweiten Reise (wodurch der Tagespreis dann mit 190 € beginnen würde). Für unsere nächste Reise haben wir aber statt Repeaterrabatt eines der zugegebenermaßen seltenen Sonderangebot genutzt, welches im Prinzip 10 % Nachlass auf den Katalogpreis sowie inkludierte Flüge nach Panama/von St. Maarten samt Transfers umfasst - zum reinen Katalogpreis plus Flügen hätten wir uns das auch nicht leisten können und wollen. ;) Fluggesellschaft, Flugzeiten etc. waren übrigens schon vor der Festbuchung benannt und was die Zubringer anging, konnten wir wählen, welchen Zubringer wir nehmen wollten. Also auch wieder ganz anders als dort, wo man erst recht kurz vor der Reise erfährt, dass man u. U. einen späten Hin- und einen frühen Rückflug hat. Auf diese Reise war ich schon seit Jahren 'scharf' und so darf ich diese bald sowie den Panamakanal von meiner Bucket List streichen, auch wenn wir dafür im kommenden Jahr etwas kürzer treten werden (müssen), was den Urlaub angeht.

Und wahrscheinlich sind die guten Sachen für 2019 schon ausgebucht ;)


Nicht aufgeben. ;) Manchmal hat man das Glück, dass die Route, die man sich aussucht, bei anderen nicht so sehr gefragt ist. Ein wenig Flexibiltät (oder in Frage kommende Alternativen) ist da von Nutzen. Je spezieller die Wünsche sind, um so früher sollte man jedoch buchen um sicher zu gehen, das Gewünschte auch zu bekommen.

Gruß

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Re: Alle Vorurteile stimmen!

Beitragvon Deichgraf am 04.10.2018 16:08

Diddn hat geschrieben:
Deichgraf hat geschrieben:Betrachtet man die Eckpreise (= günstigste Kabinenkategorie), gibt es für Kreuzfahrten auf kleinen Schiffen (bis ca. 220 Gäste) schon recht viele reguläre Angebote unter 300 €/Person/Tag.

Nun ja.
Um mal etwas die Hosen runterzulassen: Normalerweise machen wir Urlaub für unter 300 € insgesamt das Paar pro Tag. Und da ist bei Hotels und Restaurants schon ganz ordentlich was möglich.
Die AidaAura mit fast billigster Kategorie innen hat 160,- pro Tag gekostet, dazu ein paar kleinere Bordausgaben, die Bahnanfahrt und der teure Landausflug in Sankt Petersburg machte in Summe 400 € pro Paar und Tag - das war noch aushaltbar. Aber 600,- sind wohl deutlich außerhalb unseres Limits ...
Das war u. a. auch ein Argument für diese konkrete Reise, daß man außer Sankt Petersburg alle Landausflüge selbst organisiert und zu Fuß machen konnte.

Vielleicht fliegt ja irgendwann mal ein Sonderangebot vorbei, bei dem wir schwach werden - Segelschiff ist ja noch einmal etwas ganz Anderes.
Aber für die nächste Reise denke ich eher an noch einmal kleine Aidas oder vielleicht Reedereien wie Phoenix, FTI oder Pullmanntour, die etwa im ähnlichen Bereich tätig zu sein scheinen.

Aber erst einmal das nächste Zielgebiet aussuchen, und dann hier im Forum mit konkreten Vorstellungen anfragen.
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Re: Alle Vorurteile stimmen!

Beitragvon ginus am 04.10.2018 21:11

Hallo Deichgraf,

also, wenn man ein Schiff unbedingt ausprobieren will und es dann nur auf Schiff und nicht so sehr auf KF-Länge ankommt, dann könnte man ggf. auch in der Länge der KF varieren. Bei den ganz kleinen weiß ich jetzt nicht? Aber ich denke
JEDES Schiff wird mal zur Schnupper Kurzzeit Reise angeboten.

Und mir persönlich macht nichts mehr Spaß als "zu versuchen" die ganze Bandbreite auszuloten. Und ich meine die Ganze!
Auch Frachtschiffreisen sind für mich nicht außerhalb des Interesses!

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Re: Alle Vorurteile stimmen!

Beitragvon Deichgraf am 05.10.2018 10:05

ginus hat geschrieben:Aber ich denke JEDES Schiff wird mal zur Schnupper Kurzzeit Reise angeboten.

Hallo Ginus,

Danke für den Tip - das hatten wir uns überlegt, um überhaupt mal zu sehen ob uns Kreuzfahrten Spaß machen. Und wenn wir in Hamburg wohnen würden hätten wir es bestimmt auch gemacht.

Aber für Süddeutsche bedeutet jede Kreuzfahrt erst einmal einen Basisaufwand von zwei Tagen Urlaub für An- und Abreise, die entsprechenden Bahn- oder Flugkosten und noch eine Hotelübernachtung. Das lohnt sich eigentlich für eine Schnupperfahrt nicht.
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Re: Alle Vorurteile stimmen!

Beitragvon Thomas1967 am 05.10.2018 15:55

[quote= ]Aber für Süddeutsche bedeutet jede Kreuzfahrt erst einmal einen Basisaufwand von zwei Tagen Urlaub für An- und Abreise, die entsprechenden Bahn- oder Flugkosten und noch eine Hotelübernachtung. Das lohnt sich eigentlich für eine Schnupperfahrt nicht.[/quote]

Hallo Deichgraf,

von Süddeutschland aus kämen die italienischen Reedereien MSC und Costa für eine Kurzkreuzfahrt in Frage.
Bis Genua oder Savona ist es in der Regel kürzer, als bis Hamburg oder Kiel.

Grüßle
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Re: Alle Vorurteile stimmen!

Beitragvon fneumeier am 05.10.2018 18:52

Deichgraf,

also innerhalb Europas fliege ich eigentlich immer am Einschiffungstag hin und am Ausschiffungstag zurück. Nur für Fernreisen muss man zwingend einen Tag vorab einplanen. Klar, die Kosten für die Anreise sind bei uns immer da. Da haben die Hamburger einen leichten Lagevorteil - wenn die Reise ab Hamburg geht.

Gruß

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