Reisebericht "Celebrity Equinox" 5.-19.11.09 (Transatlantik)

Kreuzfahrten mit Celebrity Cruises, Royal Caribbean International, Silversea Cruises und Silversea Expeditions (ohne TUI Cruises und Hapag-Lloyd Cruises)
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CrownPrince
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Reisebericht "Celebrity Equinox" 5.-19.11.09 (Transatlantik)

Beitrag von CrownPrince »

Hallo liebe Forengemeinde,

hier ein paar frische Eindrücke von der Transatlantikreise mit der Celebrity Equinox für die Interessierten unter Euch. Ich beschränke mich zunächst auf die Themen rund um dieses tolle Schiff und lasse die überwiegend sehr interessanten Häfen beiseite. Ich denke, die Neugier aufs Schiff ist größer, da einige von Euch in den nächsten Monaten mit der Equinox fahren werden. Insbesondere möchte ich sie an einigen Stellen mit der hier im Forum zu Recht sehr bekannten und beliebten „Millennium-Klasse“ (mein Referenzschiff ist hier die Celebrity Summit) vergleichen.

Die Equinox kann man meiner Meinung nach (zusammen mit ihrer Schwester Solstice) insgesamt am besten als „Design-Hotel“ zur See beschreiben. Die Kabinen nehmen eher Anleihen bei modernen Business-Hotels. Es sind zum Glück aber auch einige „maritime“ Elemente erhalten geblieben. Ganz klar: Man muss trotz der durchweg sehr gelungenen Farbwahl modernes Design mögen, um sich an Bord richtig wohlzufühlen – anders als beispielsweise auf den modernsten, sehr gediegen eingerichteten Einheiten des Rivalen Princess Cruises. Aber die Distanz zu den sehr bunten modernen Schiffen von NCL bleibt gewahrt (ganz zu schweigen von Vergleichen mit Carnival und Costa, die völlig abwegig wären).

1. Die Kabine

Wir bewohnten die Kabine 6235 (zweitgünstigste Balkonkabinenkategorie 2B). Der Grundriss war sehr großzügig bemessen, mit großem Balkon und einem fast schon riesigen Bad. Herausragend: die wunderbaren Betten, die tollen Balkonsessel (mit einem Tisch, der – endlich – die richtige Höhe zum Frühstücken hatte und nicht wie sonst immer zu niedrig war) und der Fernseher, der eher ein Multimediacenter mit höchst umfangreichem Unterhaltungsangebot war (z. B. Spielfilme und Musik „on demand“, ausreichend für mindestens 3 Transatlantikreisen :eek:). Nicht so toll: Wenig Stauraum für die Bekleidung (insbesondere zu wenig Schubladen) und ein großes, weißes Ledersofa, das zwar ein Hingucker, jedoch ziemlich unbequem war. Die Kabine befindet sich in unmittelbarer Nähe des hinteren Treppenhauses und vieler öffentlicher Räume auf den Decks 3, 4 und 5, was sie in Anbetracht der großen Distanzen auf diesem Schiff sehr empfehlenswert (und zum häufigen Treffpunkt unserer kleinen Reisegruppe) machte. Lärmbeeinträchtigungen waren nicht feststellbar und die Aussicht unbehindert, da sich keinerlei Boote davor bzw. darunter befinden.

2. Bars, öffentliche Bereiche und Unterhaltung.

Bei den öffentlichen Räumen ist grundsätzlich viel Lob angebracht. Die „Highlights“ (aber natürlich auch einige Kritikpunkte) aus meiner Sicht: Das 3-stöckige Atrium ist im Gegensatz zur M-Klasse nicht mehr kubisch beengt und durch eine große Treppe verbaut, sondern oval, hell und großzügig mit einer relativ zierlichen gläsernen „Showtreppe“. Der Teil des Atriums, in dem die insgesamt 8 Panoramaaufzüge nach oben gleiten, ist bis zum obersten Deck für die Sonne offen und mit einer großzügigen Verglasung versehen. Dazu passen der hängende echte Baum und die Skulptur „Here comes the Sun“ ganz hervorragend. Die 2-stöckige Bibliothek kommt ebenso wie der Themenbereich „Planet Earth“ in den Genuss dieser privilegierten Lage. Gefällt mir wesentlich besser als die riesigen offenen Atrien bei RCI (Voyager- und Radiance-Klasse). Vor und nach den abendlichen Essenssitzungen tobte im Atrium auf Deck 3 an der maritim-modernen „Passport Bar“ bei Live-Tanzmusik das Leben.

Sehr gelungen ist die Trennung der diversen Geschäfte in zwei attraktive Shoppingzeilen auf zwei Ebenen. Die exquisiten Boutiquen oben, die Standardgeschäfte unten, keine geballte Ansammlung wie auf der M-Klasse. Auch das Casino und die mittlerweile unvermeidbare „Kunstgalerie“ nebst Auktionsbereich sind in dieser Umgebung untergebracht und können so über die beiden Shoppingboulevards bestens von den Passagieren, die sich dafür nicht interessieren, auf dem Weg vom Hauptrestaurant zum Theater umgangen werden.

In der Nähe finden wir auch das „Celebrity Central“, ein sehr schöner Mehrzweckraum für Vorträge, Veranstaltungen (z. B. Bingo) und Kinofilme. Dazu eine weitere Neuheit – zumindest für Celebrity: die Disco. Endlich gibt es ein getrenntes Angebot für das Nachtleben mit Nightclub (wie auf der M-Klasse in der Aussichtslounge) und der Disco „Quasar“ – ein dringend notwendiger Schritt, um Celebrity auch für ein jüngeres Publikum attraktiver zu machen. Allerdings wurde die Disco kaum angenommen, kein Wunder bei einer Transatlantikreise mit größtenteils älterem Publikum.

„Central“ und „Quasar“ säumen das zweite (2-stöckige) Atrium. Formschön und elegant zwar, aber doch eher unnötig (außer zum zeitweiligen Aufstellen von Verkaufsständen), denn die dort aufspielenden Musiker konnten einem fast schon leid tun, da kaum Sitzgelegenheiten für die Passanten vorhanden sind und die Akustik hundsmiserabel ist.

Wieder zu den Schokoladenseiten unter den öffentlichen Räumen: Das sind für mich die sehenswerte coole, durchgestylte „Martini Bar“ mit Eisbar und außergewöhnlichen Wodka- und Martinispezialitäten (Cocktails ca. 10 USD) sowie die „Ensemble Lounge“ mit abendlichem hochklassigen Live-Jazz. In der Nachbarschaft die klassische Celebrity-Pianobar „Michael’s Club“, gemütlich wie immer, doch diesmal von mir nicht besucht, da der „unmoderne“ Musiker dort so gar nicht meinem Geschmack entsprach.

Was generell im Gegensatz zur M-Klasse sehr gut gelöst wurde: Die Stimmung der Bars wurde eigentlich nirgendwo von durchströmendem Fußgängerverkehr (von vorn nach hinten bzw. umgekehrt) gestört. Hier hat man aus den diesbezüglichen architektonischen Fehlern der zweitjüngsten Schiffsgeneration gelernt.

In der vertikalen Richtung verlief der Verkehr auf der Equinox jedoch sehr zäh. Unverständlicherweise wurde die gleiche Lösung gewählt, die z. B. auch schon auf RCIs Voyager-Klasse Probleme macht: Es gibt lediglich zwei (zugegeben großzügige) Treppenhäuser (nebst 4 bzw. 8 Aufzügen), die den Passagieren zur Verfügung stehen. Eine Führungskraft an Bord betonte mir gegenüber, dass dies den Passagieren die Orientierung erleichtere und zudem im hinteren Bereich immer ein Panoramaaufzug mit Tageslicht und Blick ins Atrium zur Verfügung stehe. Stimmt, aber in der Praxis sind unnötig weite Wege und zu Stoßzeiten sehr lange Wartezeiten an den Aufzügen die Folge – auch deshalb, weil sich die Passagiere sehr oft davor scheuen, die geräumigen Aufzüge voll zu besetzen. Ein dicker Minuspunkt, den die M-Klasse nicht kennt und der auf den noch folgenden Schwesterschiffen nach Möglichkeit geändert werden sollte.

Eine Anmerkung zum Fitness- und Saunabereich, der diesmal einen seitlichen Ausblick, aber dafür ein schwach frequentiertes, sehr schönes offenes Aussichtsdeck nach vorn mit schwungvoller Musik bietet: Auf der M-Klasse ist dieser Bereich sehr üppig bemessen. Vielleicht hat man deshalb bei der Equinox zumindest die Anzahl der Geräte bezogen auf die Passagierkapazität spürbar reduziert. An den besonders beliebten Crosstrainern kam es deshalb zu Stoßzeiten ebenfalls zu langen Wartezeiten. Schade, denn es wäre genügend Platz für weitere Trainingsmaschinen vorhanden. Auch schade: Die Herrensauna bietet im Gegensatz zur Summit keinen Meerblick. Die Damensauna sowie der eintrittspflichtige Wellness-Bereich „Persian Garden“ (für Passagiere der Kategorie Aqua Class inklusive) wurden nicht von mir besucht. ;)

Sehr zu loben ist der vergrößerte (selbstverständlich kostenfreie) Spa-Poolbereich: Die Deckenhöhe ist im Vergleich zur M-Klasse deutlich vergrößert, der Chlorgeruch verringert und statt verblassenden Wandmalereien und verstaubten künstlichen Blumendekorationen gibt es jetzt attraktive Wasserspiele. Die größte Verbesserung ist der Ersatz des Thalassobeckens (das wegen der vorhandenen Whirlpools eigentlich überflüssig war) durch einen richtig langen Süßwasserpool, der einige Schwimmzüge ermöglicht. Ein Genuss, hier abends bei blauer Beleuchtung und angenehmer Wassertemperatur in Ruhe zu schwimmen. Die Pools auf dem schönen Sonnendeck sind dagegen deutlich kleiner geraten. Leider hat der Spa-Poolbereich auch einen Nachteil, er betrifft das „Spa Café“. Doch dazu mehr an anderer Stelle.

Was gibt es zu den „Innovationen“ auf der Equinox zu sagen? Die Rasenfläche „Lawn Club“ hat mir nach kurzer Eingewöhnungszeit sehr gut gefallen. Es hat schon was, auf hoher See den Geruch von Gras wahrzunehmen. Gerne saß ich hier in einem der bequemen Sessel und genoss das ungewöhnliche Ambiente sowie öfters den Cocktail of the Day an der schönen Sunset Bar (5 USD zzgl. Serviceentgelt). Der Spaß beim Boccia-Spiel entschädigte für die fehlende Minigolfbahn. Eine gelungene Ergänzung, die ich nicht mehr missen möchte. Die „Hot Glass Show“ besuchte ich nicht, da sie mich nicht so interessierte und es einfach zu viel anderes zu tun gab, sie schien jedoch beim Publikum recht gut anzukommen.

Eine Beruhigung für die „Traditionalisten“ unter Euch, die das mit Rettungsbooten vollgestellte Promenadendeck beklagen: Es wurde auch an Euch gedacht. In den Bereichen vorne beim Theater und mittschiffs beim Atrium ist das Promenadendeck unverstellt und es sind schöne Holzliegestühle in ausreichender Zahl vorhanden. Der mitreisende Maritimhistoriker David Perry war dort stets anzutreffen. Hier kommt ein wenig Liner-Feeling auf. Allerdings gibt es nur ganz wenig Teakholz auf den offenen Decks.

Bevor ich im nächsten Teil auf die Restaurants und den Service eingehen will, ein Wort zur gebotenen Unterhaltung. Den für mich wesentlichen Namen habe ich schon kurz erwähnt; David Perrys Vorträge zur Geschichte der Transatlantikschifffahrt waren für mich der Höhepunkt. Sehr gut soll auch die vom Chefkoch moderierte „Küchenschlacht“ gewesen sein. Die musikalische Unterhaltung war die bislang beste auf allen meinen Kreuzfahrten. Die Gastkünstler, die in Teneriffa für den Transatlantikabschnitt zustiegen, hatten durchweg hohes Niveau, viel höher als im Mai dieses Jahres auf der Summit. Teilweise waren sie sogar anspruchsvoll und unkonventionell (z. B. der Geiger Doug Cameron :thumb:). Auch an dieser Stelle merkte man das Bemühen von Celebrity, zumindest auf dieser Schiffsklasse den Interessen jüngerer Passagiere gerecht zu werden. Das Bordorchester, das zu den Produktionsshows live spielte, sowie die Celebrity-typische A-Cappella-Gruppe waren ebenfalls spitze. Apropos Produktionsshows: Es waren nur drei, davon eine gänzlich ohne Gesang im Stil des Cirque du Soleil, es hätte für meinen Geschmack gerne eine mehr sein können.

Das war’s mal fürs Erste. Teil 2 folgt bald.

Viele Grüße
Andreas
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Raoul Fiebig
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Re: Reisebericht "Celebrity Equinox" 5.-19.11.09 (Transatlantik)

Beitrag von Raoul Fiebig »

Hallo Andreas,

danke für den "ersten Teil". Ich bin schon sehr auf die weiteren und besonders auf die Eindrücke von dem "anderen Schiff" gespannt. :)

Funktionierte das interaktive Fernsehen bei Euch vernünftig? Wir hatten im Sommer (in zwei Kabinen) riesige Probleme mit der "Fernbedienung" bzw. IR-Tastatur, die immer nur funktionierte, wenn sie wollte. :rolleyes:
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Jens Walpert
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Re: Reisebericht "Celebrity Equinox" 5.-19.11.09 (Transatlantik)

Beitrag von Jens Walpert »

Hallo Andreas,

von mir auch nochmal vielen Dank für den sehr anschaulich geschriebenen Berich´t. :thumb:
Bitte laß uns nicht so lange auf den/die nächsten Teil/e warten. :)
Wir haben letzte Woche die eastbound Transatlantic auf der C.Equinox vom 19. April 2010 gebucht.
Deshalb stürzen wir uns jetzt natürlich höchst interessiert auf alle Berichte, die dieses Schiff betreffen. Leider waren Raoul und ich im Sommer ja nur zwei Tage an Bord. ;)
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Re: Reisebericht "Celebrity Equinox" 5.-19.11.09 (Transatlantik)

Beitrag von moeve »

Ich finde es interesant wei andere das nun endgültig fertige Schiff war nehmen. Bei uns fehlten da noch so das ein oder andere (unten auf Deck 2 war noch das reinste Warenlager zu bestaunen wenn man sich dort hin traute.
oppis
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Re: Reisebericht "Celebrity Equinox" 5.-19.11.09 (Transatlantik)

Beitrag von oppis »

Hallo Andreas,

danke für den anschaulichen Bericht.
Bei uns sind es nur nur 19 Tage, bis wir an Bord der Equinox sind, danach kann ich dann meine Eindrücke schildern.
Hast du dich beim Dinner an die üblichen Zeiten gehalten oder das My time dining gewählt? Wir haben uns erstmals dafür entschieden.
Freue mich auf weitere Berichte von dir.

Viele Grüße
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Raoul Fiebig
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Re: Reisebericht "Celebrity Equinox" 5.-19.11.09 (Transatlantik)

Beitrag von Raoul Fiebig »

Hallo Alexandra,

ja, richtig. Dafür können Jens und seine Frau das Schiff dann auf der TA ausgiebigst genießen und Du ja schon eher. :D
Susanne
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Re: Reisebericht "Celebrity Equinox" 5.-19.11.09 (Transatlantik)

Beitrag von Susanne »

Hej Raoul und Marita,

die Fernbedienung hat bei uns super funktioniert, ansonsten gibt es ja rechts am Fernseher auch noch Tasten. ;) Allerdings hatte ich zweimal ein Problem mit den On-Demand-Spielfilmen, als nur der Ton funktionierte, aber kein Bild zu sehen war. Nach einem Anruf bei Guest Relations war innerhalb von zwei Minuten ein Techniker da. Er drückte auf ein paar Knöpfe, die er durch eine Schublade im Schrank unter dem Fernseher erreichte, und alles funktionierte wieder hervorragend. :thumb:

Essensmäßig hatten wir uns für die klassische Variante und die zweite Sitzung entschieden.

Liebe Grüße
Susanne
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Joerg
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Re: Reisebericht "Celebrity Equinox" 5.-19.11.09 (Transatlantik)

Beitrag von Joerg »

Hallo Andreas,

danke für den schönen Bericht. :thumb:

Die Solstice-Klasse scheint ja wirklich gut gelungen zu sein. Man liest jedenfalls nur positives über die Schiffe.

Gruss Jörg
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Daniel
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Re: Reisebericht "Celebrity Equinox" 5.-19.11.09 (Transatlantik)

Beitrag von Daniel »

Hallo Andreas,

ich habe den ersten Teil deines Berichtes auch mit Neugierde gelesen! Meine Mitreisenden aus dem Juli haben sich ja schon zu Wort gemeldet.
In den 2 Tagen in denen wir an Bord waren, konnte man ja nicht alles so genießen, wie es sein sollte.
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CrownPrince
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Re: Reisebericht "Celebrity Equinox" 5.-19.11.09 (Transatlantik)

Beitrag von CrownPrince »

Hallo Ihr Lieben,

schön, dass Euch der Bericht interessiert und der 1. Teil gefallen hat. Da ja nun so viele von Euch bald auf die Equinox gehen, verspreche ich, für die folgenden Teile Vollgas zu geben.

Bis dahin habe ich zur Überbrückung zwei schöne Bilder: Die Equinox am 07.11. in Barcelona, zusammen mit dem mittlerweile dienstältesten Celebrity-Schiff.

Besser hätte es mir ja gefallen, wenn auch der hintere Schornstein ein "X" bekommen hätte. Dennoch: zwei wahre Prachtexemplare von der Meyer-Werft. :thumb:

Bild

Bild

@Raoul: Das "andere Schiff" mit den zwei Schornsteinen hat auch sehr viel Spaß gemacht und nur positiv überrascht. Sicher die derzeit beste, weil ungewöhnlichste Kurzkreuzfahrt von 3 Nächten ab Florida, die wir machen konnten. Tolles Preis-Leistungs-Verhältnis. Sehr gute Organisation. Da hat Birger eine Spitzenidee gehabt! :) Ich hoffe, auch dazu bald etwas mehr schreiben zu können.

@Marita: Wie Susanne schon sagte, haben wir die klassische Variante in der zweiten Sitzung gewählt und auch nicht bereut, da viel Zeit für die Häfen blieb und wir sowieso für deutsche Verhältnisse abends ungewöhnlich spät essen. Ich kann zumindest sagen, dass das My-Time-Dining in einem besonders schönen Teil des "Silhouette"-Hauptrestaurants stattfindet (Deck 4, Steuerbord) und ich wegen der räumlichen Trennung nicht glaube, dass die Stimmung dort durch Umräumen und Neueindecken für Sitzung 2 sehr beeinträchtigt wird.

Alles weitere dann in Teil 2.

Viele Grüße
Andreas
schiffskatze
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Re: Reisebericht "Celebrity Equinox" 5.-19.11.09 (Transatlantik)

Beitrag von schiffskatze »

Hallo Andreas,

ich kann Deinem Bericht über Deine Reise mit der Equinox nur zustimmen. Wir waren auch dabei. Das Schiff hat uns sehr gut gefallen. Sehr edel.
Wir hatten eine Aqua-Class-Kabine (1610) mit einem schrägen Balkon. Der Balkon war riesig und bot jede Menge Platz.
Im Bad war ein Duschpaneel mit Regendusche und Seitenbrausen eingebaut. War sehr komfortabel und nicht mit den Duschen der Millenium-Klasse (Plastikvorhang) vergleichbar.

Mit dem "Blu-Restaurant" waren wir sehr zufrieden. Das Essen war frisch zubereitet und wurde immer warm serviert. Auch das Frühstück haben wir oft dort eingenommen. Vom Sitzen her auch sehr schön, da es relativ klein und gemütlich war und durch die riesigen Fenster sehr freundlich wirkte. Es gab grundsätzlich nur offene Essenszeiten. Der Vorteil war, daß man jederzeit ohne Voranmeldung essen gehen konnte. Es gab immer genügend Platz. Der Nachteil, oder auch Vorteil, je nach Auffassung war, daß man keine festen Tischnachbarn hatte und weniger Kontakt fand als bei festen Tischzeiten.

Den "Persian Garden" haben wir 3 x genutzt. Hat uns auch sehr gut gefallen. Speziell das Dampfbad. Die "Niedrigtemperatursauna" oder wie man es nennen möchte, fanden wir nicht besonders. Wurde auch von den anderen Gästen wenig frequentiert.

Es hat mich gefreut, Dich einmal persönlich kennenzulernen. Von meiner Reise mit der Regatta werde ich Euch nach der Reise einen Reisebericht einstellen.

Beste Grüße
Schiffskatze
Aurora
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Re: Reisebericht "Celebrity Equinox" 5.-19.11.09 (Transatlantik)

Beitrag von Aurora »

Hallo Andreas,

auch mir hat Dein Bericht sehr gut gefallen, vielen Dank dafür. Allerdings habe ich Einiges doch ein wenig anders empfunden, da wir ja gemeinsam auf der Equinox waren.

Das Essen war für uns nicht so exzellent, wie wir es von der Constellation her kennen. Selbst auf der Millenium war es meines Erachtens noch besser, als auf der Equinox. Wenn man den Ausführungen der Aqua-Class-Benutzer in puncto Speisen glauben darf, dann verlagert sich das Celebity-Niveau der letzten Jahre immer mehr in die höherpreisigen Preisklassen. In der Vergangenheit war der Unterschied lediglich in der Größe und Lage der Kabinen wiederzufinden, heute geht man meiner Meinung nach in Richtung Zweiklassengesellschaft, und das wäre nicht gut. Sollte sich das verdichten, werde ich in Zukunft Princess-Kreuzfahrten vorziehen.

Uns hatte die enorme Lautstärke in den Salons mit der jeweiligen Musikbeschallung sehr gestört, eine Unterhaltung konnte überhaupt nicht stattfinden, nur noch schreienderweise. Auch viele Salons waren selbst tagsüber sehr dunkel, damit konnte man keine Gemütlichkeit erzielen.

Der Service im SB-Bereich war katastrophal. Von Servicekräften weit und breit keine Spur, dafür jede Menge Weinverkäufer. An einem Tag standen um unseren Tisch 4 Leute, die Wein zu überhöhten Preisen an den Mann bringen wollten. Unser Tisch war noch nicht von den vorhergehenden Gästen geräumt und ich konnte keine Servicekraft finden. Das ausgeglichene Verhältnis früherer Jahre, was ja auch Celebrity auszeichnete, war nicht mehr vorhanden. Wir haben das Gefühl, dass der Kommerz an erster Stelle steht und nicht mehr der Service. Zu erwähnen ist noch, dass am letzten Tag 1 Stunde vor Schließung des SB weder Tassen, noch Besteck und einige Frühstücksartikel nicht mehr vorhanden waren. Es wurde auch nichts mehr nachgelegt. Das ist uns in den letzten Jahren auf anderen Schiffen so noch nicht passiert.

Das Schiff, da muss ich Dir zustimmen, ist in vielen Belangen gut gelungen, trotzdem es mir zu modern und daher für mich zu nüchtern und kalt erscheint. Vielleicht liegt es auch an dem Altersunterschied, der uns trennt.

Ein letzter Satz zur Equinox: Das Schiff hat meiner Meinung nach noch keine "Seele".

Liebe Grüße
Gesa
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Raoul Fiebig
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Re: Reisebericht "Celebrity Equinox" 5.-19.11.09 (Transatlantik)

Beitrag von Raoul Fiebig »

Aurora hat geschrieben:Uns hatte die enorme Lautstärke in den Salons mit der jeweiligen Musikbeschallung sehr gestört, eine Unterhaltung konnte überhaupt nicht stattfinden, nur noch schreienderweise.
Hallo Gesa,

schade, die teilweise ohrenbetäubende Musik hatte mir im Juli schon sehr mißfallen. Wiederholte Beschwerden (etwa über laute Technomusik in der Martini-Bar vor dem Dinner) führten meist nur zu Achselzucken oder einem kurzzeitigen Leiserstellen. Den Pianisten im Michael's Club, dessen an sich angenehme Klänge durch Verstärkereinsatz ebenfalls unverhältnismäßig laut waren, hat Alexandra kurzerhand vertrieben - dann konnten wir uns endlich unterhalten. ;)
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CrownPrince
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Re: Reisebericht "Celebrity Equinox" 5.-19.11.09 (Transatlantik)

Beitrag von CrownPrince »

Liebe Schiffskatze, liebe Aurora,

vielen Dank, dass Ihr diesen Thread mit Euren wertvollen Eindrücken bereichert. Immer wieder interessant, wie es in den Wahrnehmungen Übereinstimmungen und Unterschiede gibt. Mein Fazit folgt allerdings erst noch.

@Schiffskatze: Ich fand es auch sehr schön, dass ein „übergreifendes“ Forentreffen zustandegekommen ist und wir uns dabei kennenlernen durften. Leider hatten wir dennoch zu wenig Zeit zum gemeinsamen Austausch, aber vielleicht ergibt sich ja bald auf einer anderen Reise die Gelegenheit. Eure Reise auf der Oceania Regatta wird mit Sicherheit eine Traumtour und ich freue mich jetzt schon auf Deinen Bericht.

@Gesa: Was lange währt…: Es hat mich ganz besonders gefreut, dass wir uns mit Partnern endlich persönlich kennenlernen durften. Schön, dass wir durch Euren Sohn einander vorgestellt wurden, nachdem wir ja schon einige Male E-Mailkontakt hatten.

Es ist nicht so, dass ich Dein Fazit nicht nachvollziehen kann bzw. völlig anderer Meinung bin. Zu meinen Ausführungen in Sachen Essen und Service komme ich jetzt und manches habe ich ähnlich empfunden.

Die überlaute Musik in Bars und Lounges ist mir allerdings nicht besonders aufgefallen. Das könnte daran liegen, dass ich als bekennender Fan von Livemusik fast aller Art vielleicht abgehärteter bin – oder auch daran, dass ich auf diesen Punkt schlichtweg nicht geachtet habe. Unsere Gespräche waren wohl zu interessant. :)

Dein Empfinden, dass das Schiff nüchtern ist, kann ich verstehen. Es ist in meinen Augen durchaus keine Frage des Altersunterschieds, denn die neuen Princess-Schiffe (habe ja die Emerald Princess ausführlich besichtigt) finde ich – mindestens – genauso schön wie die Equinox. Beide Schiffe sind einfach sehr unterschiedlich, und das finde ich auch gut so.

Sehr bedenklich sollte es für Celebrity allerdings sein, dass die (Foren-) Meinungen zwischen den Passagieren der Aqua Class und denjenigen, die in Standardkabinen untergebracht sind, stark auseinanderzugehen scheinen. Da stimme ich Dir ausdrücklich zu, das wäre keine gute Entwicklung! Da die Aqua Class auf diesem großen Schiff jedoch nur einen verhältnismäßig kleinen Anteil einnimmt, möchte ich noch nicht gleich von einer Zweiklassengesellschaft sprechen, man folgt letztendlich einem allgemeinen Trend der Branche, der seinen Anfang wohl mit der Costa Concordia (Samsara Spa nebst exklusivem Restaurant) nahm. Ob dieser Trend positiv ist und gerade eine „gehobenere“ Reederei wie X auf diesen Zug, den eine Mittelklasselinie wie Costa ins Rollen gebracht hat, mit aufspringt, liegt im Auge des Betrachters. Immerhin ist der Tageseintritt in dieses gehobene Reich namens „Persian Garden“ mit um die 20 USD günstiger als bei Costa, MSC & Co.

Jetzt fahre ich mal mit der Fortsetzung des Berichts fort. Sorry, es wird mal wieder sehr lang. :eek: :D

Liebe Grüße
Andreas
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Re: Reisebericht "Celebrity Equinox" 5.-19.11.09 (Transatlantik)

Beitrag von CrownPrince »

Hallo allerseits,

hier des Reiseberichts zweiter Teil:

3. Kulinarisches

a. Hauptrestaurant

Geht es ums Essen auf der Equinox, so kommt für den größten Teil der Passagiere an erster Stelle das Hauptrestaurant „Silhouette“, das Frühstück und Mittagessen in offenen Sitzungen, aber das Abendessen hauptsächlich in 2 klassischen Sitzungen serviert. Gelegentlich finden hier an Seetagen vormittags Brunch und nachmittags „Elegant Tea“ statt (letzterer ist zwar sehr empfehlenswert, aber nicht wirklich „elegant“, sondern eher „bedient“). In einem Bereich auf Deck 4 Steuerbord wird auch abends eine offene Essenssitzung angeboten. Wünscht man das, muss dies bereits bei Buchung angegeben werden – und man sollte sich des möglicherweise störenden Nachteils bewusst sein, dass die „Parade“ am letzten formellen Abend zweimal und möglicherweise zur „Unzeit“ stattfindet. Wir haben uns ganz klassisch für die zweite Sitzung um 20.30 Uhr entschieden, um viel Zeit für die Häfen und Appetit auf den nachmittäglichen Sushi-Snack zu haben.

Das „Silhouette“ ist insgesamt sehr gelungen. Die Einrichtungsfarben sind in den Grundtönen Elfenbein bis Beige mit Akzenten in hellem Bordeauxrot gehalten. Dazu gibt es viel Chrom: die tollen, aufwändigen Lampen, die Treppe und der riesige „Weinturm“ als Blickfang anstelle des großen Heckfensters bei der M-Klasse. Typisch Celebrity ist die zweistöckige Auslegung. Der Sitzabstand ist gut (wenn auch geringer als auf der M-Klasse) und die Kellner haben ausreichend Platz mit diskret untergebrachten Servicestationen. Das Restaurant wirkt tagsüber sehr hell und freundlich, abends gediegen und elegant mit innovativen Leuchtelementen in Wänden und Decken, die frische und stimmungsvolle Farben in die gedimmte Grundbeleuchtung bringen. (Wo hatte ich diese Elemente schon gesehen? Im Buffetrestaurant der „Color Magic“; was keinesfalls negativ gemeint ist.) Für mich ist das „Silhouette“ die zeitgemäße Neuinterpretation der eleganten 1.-Klasse-Speisesäle einstiger Oceanliner. Ein Lob den Designern!

Der Service an unserem Tisch darf insgesamt, wie im Mai auf der Summit, als exzellent bezeichnet werden. Damals hatten wir eine liebenswürdige, aber stille und höchst konzentrierte Bedienung; dieses Mal freuten wir uns über zwei sehr humorvolle und mitteilungsfreudige Server (von den Philippinen bzw. Bali stammend) – im Falle von Kellner Melchor mit 18-jähriger Celebrity-Erfahrung. Die ist auch nötig, wie er uns verriet, denn während der Essenssitzung stehen bis zu 84 Kellner vor der Essensausgabe Schlange. Bestellten wir manchmal aus Neugier 2 Hauptgerichte, so konnten Melchor und Kosanto den Ablauf zwar nicht anpassen, sorgten aber zuverlässig dafür, dass auch das zweite Gericht frisch und warm auf den Tisch kam. Man darf der überwiegend rumänischen und türkischen Restaurantleitung das Kompliment machen, dass hier alles genauso gut funktioniert wie auf den kleineren Celebrity-Einheiten.

Eine Einschränkung betrifft den Weinservice. Während der ersten 3 Abende war er katastrophal. Danach klappte es, allerdings auf eine wenig freundliche Art. Ungemein störend: Wenn ich Wein zur Begleitung eines guten Essens ordere, bedeutet das nicht, dass ich auf dieser Kreuzfahrt zum Sommelier ausgebildet werden will. Es wurden massig Weinevents gegen üppige Teilnahmegebühren angeboten (z. B. ein „Riedel Weinglas-Seminar“ für schlappe 87 USD) und „pushy“ beworben. Mit mäßigem Erfolg offenbar, denn die an sich sehr schöne Weinbar „Cellar Masters“ war immer leer. Wenn ich dann noch während des Abendessens 2–3 mal angequatscht werde, ob ich daran teilnehme – nur weil ich zuvor beispielsweise einen empfehlenswerten „Wente Cabernet Sauvignon“ für 35 USD bestellt habe – dann fühle ich mich belästigt und es fällt schwer, die Höflichkeit zu bewahren. Unserer mag ein negativer Ausreißer gewesen sein, gerade im Vergleich zum freundlichen Kollegen auf der Summit. Dennoch: Die Weinkellner müssen auf der Equinox unter enormem Verkaufsdruck stehen. Besser und vor allem charmant wurde man bedient, wenn man ein Bier orderte.

Die Hauptsache ist natürlich das Essen. Wie schon auf der Summit stand auch die Küche der Equinox unter südafrikanischer Leitung, was sicher damit zusammenhängt, dass der Jacques van Staden, der bekannte Koch vom Kap, die gastronomische Richtung bei Celebrity vorgibt. Wir wurden nicht enttäuscht, wie schon im Frühjahr war das Essen überwiegend sehr gut. Hervorheben möchte ich die feine Lammhaxe, das Ossobuco und den Sesam-Thunfisch. Besonders gut geschmeckt haben mir auch die kalten Suppen und die Rindfleischgerichte. Ein Ausreißer: Das „Churrasco“-Steak, so zäh, dass mir die Zähne weh taten. Am letzten Galaabend gab es dann auch den von allen heiß ersehnten Hummer.

Apropos Galaabend: Dank der modernen Beleuchtungstechnik verzichtete man auf den traditionellen Blumenschmuck und setzte stattdessen besonders spektakuläre Lichteffekte ein. Eine „Baked Alaska“-Parade gibt es jedoch nicht mehr (die Eistorte kommt bereits portionsweise auf Tellern aus der Küche), ebenso wenig wie ehemals die „Überraschungssorbets“ zwischendurch. Ein Tribut an die Größe des Restaurants?

Die früher üblichen opulenten Mitternachtsbuffets (eher ein Fest für die Fotografen) sind mittlerweile auch bei Celebrity verschwunden. Vernünftigerweise, denn das Brunch-Buffet, durch das sie ersetzt wurden, findet weit mehr Anklang. Es werden appetitlich arrangierte und äußerst leckere Frühstücks- und Lunchspezialitäten angeboten.

Bild

Teilweise war der Anklang jedoch zu groß, denn der Service am Tisch kam gerade bei der zweiten – vollbesetzten – Veranstaltung überhaupt nicht mehr hinterher. Kaffee, Tee, Säfte und Wasser sollten von Kellnern gebracht werden. Das klappte nicht wirklich gut, genauso wenig wie das Abräumen leerer Teller. Ich sehnte mich in diesem Moment nach der entspannteren Atmosphäre des Brunchs auf der Summit in deren schönem „Cosmopolitan“-Hauptrestaurant (das natürlich nicht so modern wie das „Silhouette“, aber ebenso stilvoll ist). Tipp: Um beim Brunch auf der Equinox in den Genuss eines besseren Service und ruhigeren Geräuschpegels zu kommen, sollte man einen Platz auf Deck 4 wählen und dafür den längeren Weg zum Buffet in Kauf nehmen.

b. Streifzug durch die Spezialitätenrestaurants

Durch ein „Lichtblütenfoyer“ betritt man die Ensemble-Lounge, die – glücklicherweise ohne Durchgangstations-Feeling – das Eintrittstor zu den Spezialitätenrestaurants bildet (die meisten unter serbischer Leitung). Der Hit unter ihnen ist im Hinblick auf spektakuläres, modernes Design fraglos das „Blu“. Auch die dort speisenden Passagiere waren mit dem kulinarischen Angebot hochzufrieden. Es hat allerdings für die weit überwiegende Anzahl der Passagiere einen entscheidenden Nachteil: Es ist ausschließlich Aqua- und Suitengästen vorbehalten, weder Geld, gute Worte oder Elite-Status verschaffen Zugang. Immerhin durfte man gucken und fotografieren.

Sehr schön am Heck mit Blick auf das Kielwasser gelegen, mit einem tollen Eintrittsbereich (der an ein Weinfass erinnern soll), liegt der „Tuscan Grille“, ein „italienisch inspiriertes Steakhouse“. Das Konzept erscheint ein wenig undefiniert. Warum nicht einfach ein italienisches Restaurant und ein Steakhouse (wie „Portofino“ bzw. „Chops Grille“ bei RCI)? Die Vorspeise „Gruß aus dem Tuscan Grille“ im Silhouette war übrigens die einzig schlechte während der Reise: Statt edlen rohen italienischen Schinkens mit eingelegten Gemüsen bekamen wir einen Aufschnittteller mit Bierschinken und Käse. Dennoch bedauere ich im Nachhinein, nicht dort gegessen zu haben. Denn das Restaurant ist einfach toll!

Das „Murano“ greift das Thema „Feine französische Küche“ auf, ähnlich wie die Spezialitätenrestaurants auf den M-Klasse-Einheiten und der Century. Warum dann ein eigentlich italienischer Name? Da wir im Mai im absolut beeindruckenden „Normandie“-Restaurant auf der Summit gegessen hatten, verspürte ich wenig Lust, in diesem mit schweren Sesseln, Kronleuchtern und dunklen Vorhängen überladenen Raum einen Abend zu verbringen. Weniger wäre mehr gewesen.

Für uns die richtige Wahl: Das schöne „Silk Harvest“, das für einen Aufpreis von 20 USD erlesene asiatische Spezialitäten serviert. Der Reisebericht über die Celebrity Solstice von Kajo brachte uns auf diese Idee. Vielen Dank, Kajo, es hat sich gelohnt. Der Service war perfekt und ich habe noch nie so gut asiatisch gegessen! Tipp: Man sollte sich als Gruppe zusammenfinden und den Kellner machen lassen, dann werden viele verschiedene Gerichte gebracht, alle probieren alles, und man hat einen Riesenspaß.

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Am Atrium, leider von vielen links liegen gelassen: Die Crêperie „Bistro on Five“, sehr gelungen modern eingerichtet. Wir nahmen hier in entspannter Atmosphäre bei herzlicher Bedienung ein tolles Mittagessen ein. Der Caesar-Salat hat eine ganz andere Qualität als in den Gratisrestaurants, und die frischen Crêpes in allen erdenklichen Variationen sind einfach nur lecker. Die 5 USD Gebühr sind bestens angelegt!

c. Die SB-Restaurants

Das nach dem „Silhouette“ wichtigste Restaurant der Equinox ist der große SB-Bereich „Oceanview Café“. Beim Betreten erfreut zunächst der Eingangsbereich mit bunten Flaschen hinter Glas und die Flachbildschirme mit lustigen Farbklecksspielen. Auf den zweiten Blick enttäuschen jedoch die bunten, aber billig wirkenden Möbel und die beengten Platzverhältnisse. Schnell wird klar, dass das Oceanview Café der eklatante Schwachpunkt der Equinox ist. Zur Frühstückszeit wird es (gerade vor den Landausflügen) hier brechend voll und auch zur Mittagszeit sind oft keine Plätze zu finden. Das Personal rotiert, um mit dem Abräumen des schmutzigen Geschirrs einigermaßen hinterherzukommen. Die Buffetinseln ballen sich wenig übersichtlich eng aneinander in der Mitte des Raums. Das Essen schmeckte gut, aber es machte überhaupt keinen Spaß, hier zu den Stoßzeiten zu essen.

Der (noch junge) Celebrity-Fan erinnert sich traurig an den „Waterfall Grill“ auf der Summit mit seinen scheinbar endlosen, ruhigen Buffetlandschaften, deren Erkundung einer kulinarischen Weltreise gleichkam. Er denkt an die geschmackvolle und abwechslungsreiche Einrichtung, die hochwertige Möblierung und die ruhige, lässige Genießeratmosphäre. Meiner Meinung nach ist das M-Klasse-Buffetrestaurant der wesentliche Beleg dafür, dass sich Celebrity gegenüber RCI, NCL, Costa & Co. mit viel Platz und einem Hauch von Luxus nach oben abgesetzt hat.

Nun ausgerechnet auf dem jüngsten Schiff der Rückschritt, Masse statt Klasse. Auch die mir bekannten „Windjammer Cafés“ auf Navigator und Serenade of the Seas sind geräumiger und wesentlich schöner. Das SB-Angebot auf der großen Equinox hat auch quantitativ gegenüber der kleineren Summit eingebüßt: Aus 4 Omelett-Bratstationen wurden 2, das permanente Asia-Buffet (auch zum Frühstück) ist komplett verschwunden und das Speisenangebot ist etwas eingeschränkter.

Unsere Konsequenz: Dank überwiegend besten Wetters wurde zum Frühstück regelmäßig der Room Service beauftragt, auf dem eigenen Balkon schmeckte es einfach hervorragend. Die Lieferung erfolgte zuverlässig, die Menüauswahl war gut (ab der Concierge Class ist sie noch besser) und der Kaffee sogar sehr gut. Besser als „oben“. Zur Ehrenrettung des Oceanview Café: Die Gratissäfte dort schmecken – jedenfalls viel besser als bei günstigeren Mittbewerbern.

Immerhin gibt es im Anschluss ein geräumiges offenes Deck mit Meerblick, vielen Holzsesseln und -tischen. Aber während hier auf der Summit Deckbelag aus Teakholz, ein schönes Sonnendach und eine maritim-charmante Bar aus Holz erfreuen (mein Lieblingsplatz damals), sind diese Elemente auf der Equinox aus schnödem Kunststoff.

Mehr Schatten als Licht auch bei einem meiner Favoriten: das Aqua Spa Café, im schönen Spa-Poolbereich gelegen und auf gesundes Frühstück und Mittagessen spezialisiert. Während es sich auf der M-Klasse auf die gesamte Schiffsbreite erstreckt (Büffetbereich in der Mitte, Sitzbereiche links und rechts), ist das Buffet auf der Equinox in eine Nische auf der Backbordseite gedrängt. Die Tische stehen unmittelbar daneben, mit zwei Abfalleimern dekorativ dazwischen. Leider zu wenig, denn das Spa Café war auf dieser Reise sehr beliebt. Oft saßen die Passagiere auf den Liegen mit dem Essen auf den Knien. Es wäre ein Einfaches, die beiden Liegemuscheln zwischen den Cafétischen und dem linken Whirlpool zu entfernen und so Platz für 3–4 zusätzliche Tische zu schaffen.

Aber die Hauptsache: Das Essen schmeckt hervorragend. Der Clou: Während es hier auf der Summit mittags nur kalte Speisen gab, kann man sich nun auf Anfrage Thunfisch, Schwertfisch, Lachs, Truthahn oder Hähnchen frisch grillen oder braten lassen. Der Thunfisch war ein Gedicht! Das hatte sich wohl rumgesprochen.

Nicht unerwähnt soll das Café al Bacio – gegenüber dem Bistro on Five am Atrium gelegen – bleiben, da es wohl der Ort ist, der sich größter Beliebtheit an Bord erfreute. Kaffeespezialitäten gibt es gegen Aufpreis (4 USD für den Caffè Latte), kleine Leckereien aus der Kuchentheke gibt es gratis dazu. Meistens spielten Musiker. Schöne kiwigrüne Einrichtung mit luxuriöser Lederbank und großen Ohrensesseln. Hier fühlte ich mich sehr wohl. Ein großer Fortschritt gegenüber dem schönen, aber ungeschickt gestalteten, säulenverstellten Cova Café auf der M-Klasse.

Teil 3, in dem es um die Besatzung der Equinox gehen soll, folgt demnächst.

Viele Grüße
Andreas
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kajomare
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Re: Reisebericht "Celebrity Equinox" 5.-19.11.09 (Transatlantik)

Beitrag von kajomare »

Hallo Andreas,

natürlich verfolge ich Deine Ausführungen mit großem Interesse!

Schön, dass es Euch auf der Equinox gefallen hat und dass in Deinen Zeilen die Begeisterung für das Schiff rüberkommt.

Freut mich, dass mein Reisebericht von unserer Solstice-TA-Cruise 'Wirkung' gezeigt und Euch animiert hat im Silk Harvest zu speisen. :thumb: Ja, Du hast recht, man sollt als Gruppe dorthin gehen und den Kellner 'machen lassen'.....

Nun warte ich auf den weiteren Teil und danke Dir für Deinen interessanten Bericht.

Kajo
Aurora
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Re: Reisebericht "Celebrity Equinox" 5.-19.11.09 (Transatlantik)

Beitrag von Aurora »

Hallo Andreas,

vielen Dank für Deinen detaillierten Reisebericht Teil II. Er war sehr anschaulich beschrieben.

Ich möchte noch einmal zu der Bewertung des Essens im Silhouette Speisesaal zurückkommen. Ein Exzellent vergebe ich nur dann, wenn, wie auf der Constellation es im Frühjahr bei uns war, sämtliche Speisen ohne Ausreisser nach unten serviert werden. Das war auf der Equinox nicht der Fall. Du hast ja selbst das Beispiel Churrasco-Steak angeführt. Diese Ausreisser nach unten hatten wir mehrfach. Die Suppen waren alle geschmacklos. was auf der Constellation nicht der Fall war. Trotzdem war das Essen im großen und ganzen gut, aber eben nicht exzellent.

Auch wir haben uns sehr gefreut Dich und Deine Partnerin endlich kennengelernt zu haben. Es wäre sehr schön, wenn wir uns in Zukunft noch einmal treffen könnten. Wir fanden die Gespräche mit Euch sehr interessant und würden sie gerne irgendwann mal fortsetzen.

Liebe Grüße
Gesa mit Klaus
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CrownPrince
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Re: Reisebericht "Celebrity Equinox" 5.-19.11.09 (Transatlantik)

Beitrag von CrownPrince »

Hallo Gesa,
CrownPrince hat geschrieben:Schön, dass wir durch Euren Sohn einander vorgestellt wurden, nachdem wir ja schon einige Male E-Mailkontakt hatten.
an dieser Stelle hatte ich den Zwinker-Smilie ;) vergessen! Aber wir wissen ja, wer gemeint ist, nicht wahr? :D

Liebe Grüße und bis bald
Andreas
Aurora
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Re: Reisebericht "Celebrity Equinox" 5.-19.11.09 (Transatlantik)

Beitrag von Aurora »

Na klar, Andreas! :wave:

Wir verstehen uns doch "blind" und wissen, wer unser "Sohn" ist. :eek:

Schöne Grüße, auch an Deine Partnerin,
Gesa und Klaus
Dinotoll
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Re: Reisebericht "Celebrity Equinox" 5.-19.11.09 (Transatlantik)

Beitrag von Dinotoll »

Hallo Andreas , möchte mich für den tollen und audführlichen Bericht bedanken. Da hast Du viel Arbeit investiert und es war eine Freude das zu Lesen.
2009 war ich auf der Solstice und habe in Deinem Bericht vieles wiedergefunden.
Es ist ausschließlich Aqua- und Suitengästen vorbehalten,
...auf der Solstice war das nur AC Gästen vorbehalten,wenn Platz frei war konnte man gegen einen betrag von 5 $ im Blu speisen.
Das Silk Harvest hatte es uns genauso angetan, dort waren wir allein 4 mal.
Im Hauprestaurant Grand Epernay waren wir ein Abend Essen um es mit dem Blu Restaurant vergleichen zu können, Das Blu Restaurant ist da natürlich ein Highlight allein schon wegen des Frühstücks.
Das auffdringliche Getue bezüglich der Weinbestellung kann ich auch bestätigen , wie Du schon sagtest stehen die Kellner da wohl leider unter Verkaufsdruck.
Bin schon sehr auf den dritten Teil gespannt...
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