Sonnendeck Seereisen

NORWEGIAN EPIC 29.10.2018 review

Carnival Corporation & plc, Royal Caribbean Cruises Ltd. und Norwegian Cruise Line Holdings Ltd. mit allen Tochtergesellschaften (ohne AIDA Cruises & TUI Cruises)

Moderator: moeve

NORWEGIAN EPIC 29.10.2018 review

Beitragvon Patrick Wetter am 05.11.2018 14:52

Hallo allerseits,

wir waren vom 29.10. bis 4.11.2018 auf der EPIC im Mittelmeer unterwegs und ich wollte Euch kurz mitteilen wie es war.

An- und Abreise haben wir in Eigenregie ab/bis Luxemburg gemacht und sind per Taxi vom Flughafen zum Hafen gefahren. Im Hafen angekommen ging das Einchecken recht schnell. Da wir Haven gebucht hatten, wurden wir noch in einer "etwas angestaubten" VIP-Lounge im Terminal zwischengeparkt, bis dann jemand kam, der uns zur Kabine bringen sollte. Hätte man sich sparen können, da wir Haven und die Kabine bereits von vorher kannten und lieber direkt aufs Schiff gegangen wären. Diese Lounge wirkte zudem nicht sehr einladend. Im Endeffekt ging es aber relativ schnell und wir wurden zur Kabine gebracht. Den Rundgang durch den Havenbereich mit dem Butler ersparten wir uns da wir es schon kennen.

Das Ablegen fand kurz nach 18:00 Uhr statt, soweit lief hier noch alles nach Plan.
Am ersten Seetag war das Wetter morgens noch einigermaßen ok, auch wenn es bereits zeiweise heftig regnete. Am Nachmittag verschlechterte sich die Wetterlage dann dramatisch. Kapitän Marco Quartesan machte dann eine Durchsage, dass zwei extreme Sturmfronten auf uns zukämen, eine hinter uns aus Richtung Spanien und eine aus Süditalien. daraufhin hat er entschieden, die Route anzupassen und Neapel ausfallen zu lassen, die Geschwindigkeit zu reduzieren um die Straße von Bonifacio erst in der Nacht zu passieren und somit zwischen den Fronten zu bleiben. Damit sorgte er vor allem damit, dass die EPIC verhältnismäßig ruhig in der See lag, trotz zum Teil 11 Meter hohen Wellen und extremem Wind. Irgendwann war es dann auch so weit, daß sich die EPIC in extremer Schräglage befand, und das mindestens eine halbe Stunde lang und dabei schon teilweise Gegenstände an Bord umgefallen sind. Irgendwann wurde dann der Sturm so stark, dass auf dem obersten Sonnendeck der Posh-Bereich total verwüstet wurde. Hier hat es u.a. eine schwere Tür aus den Scharnieren gerissen und diese flog dann über die Reeling runter zum Pooldeck, landete aber zum Glück auf dem Sonnensegel, welches über dem Hauptausgang hängt. Dadurch wurde schlimmerer Schaden verhindert und vor allem ist dabei niemand erschlagen worden. Auch hat es eine provisorische Absprerrung, die gerade aus Aluminium-Trennwänden auf der hinteren Backbordeite errichtet wurde, komplett abgerissen. Diese Abtrennung sollte zur Abschirmung von bald zu erfolgenden Umbauten errichtet werden.
Die Außendecks wurden dann für die Passiergiere gesperrt, alle mussten sich im Inneren des Schiffs aufhalten.
Hier hat man dann zum ersten mal richtig erlebt, was es heißt, mit 4000 Passagieren auf einem Schiff zu sein. So voll und teilweise überfüllt habe ich die EPIC noch nicht erlebt.
Aber die Entscheidung des Kapitäns, Neapel ausfallen zu lassen und zwischen den Fronten zu bleiben, war absolut richtig. Ich hätte mir nicht ausmalen wollen, was los gewesen wäre, wenn wir durch eine der Fronten durchgefahren wären...
Wir sind dann direkt nach Civitavecchia gefahren wo wir gegen 14:00 Uhr angekommen und dann über Nacht liegen geblieben sind.
Hier gab es dann das nächste Chaos. 4000 Gäste wollten vom Schiff und da für diesen ungeplanten frührene Halt an diesem Tag keine Ausflüge organisiert waren, wollten alle mit dem Shuttlebus nach Civitavecchia. Doch es gab nur 4 Busse für 4000 Gäste. Es bildete sich eine Menschenschlange um das ganze Terminalzelt bis ins Schiff rein, die sich auch so schnell nicht auflösen sollte. Ich habe dann bis 19:00 an Bord gewartet, bis die Schlange sich langsam auflöste und bin dann erst raus. Auch hier zeigt sich wieder der klare Nachteil eines großen Schiffs, wenn etwas unplanmäßig läuft. Ich befürchtete das gleiche Chaos für die Rückfahrt zum Schiff, aber aufgrund des Overnights verteilten sich die Rückfahrer recht gut auf unterschiedliche Zeiten, sodass es keine Schlangen mehr gab. Bei den AIDAprima-Gästen sah das jedoch anders aus. Die Schlange am Busparkplatz wurde immer länger und länger.
Ansonsten verlief die weitere Kreuzfahrt nach Plan.
Essen und Service waren gut und es ist immer wieder erstaunlich, wie bei einem solch großen Schiff die Qualität kosntant gehalten werden kann.
Nach meinen schlechten Erfahrungen auf der wesentlich kleineren JADE vor ein paar Jahren kann ich die EPIC uneingeschränkt empfehlen. Auch Haven würde ich jederzeit wieder nehmen, da man sich hier sehr gut von der Masse trennen kann und auch mal seine Ruhe hat. das würde ich auf jeden Fall jedem raten, der längere Schlagen oder Wartezeiten vermeiden möchte. Denn die gibt es im Haven dank der eigenen Rezeption und des Conciere-Services nicht :-)

Da wir in Barcelona noch Zeit bis 15:00 Uhr hatten, haben wir unsere Koffer mit "bags to go" zum Flughafen bringen lassen und sind dann in die Stadt. Super bequem, denn man holt die Koffer dann einfach beim Excess-Baggage-Schalter am Flughafen im Terminal 1 ab und braucht sie nicht mit rum zu schleppen.
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Re: NORWEGIAN EPIC 29.10.2018 review

Beitragvon JanMartin am 06.11.2018 11:05

Die große Ära der Internetforen geht wohl langsam zuende, immer weniger Betrieb in den Foren, egal in welchen Themenbereichen ...

Und niemand hat hier bisher reagiert und Deine Mühe gewürdigt, das alles aufzuschreiben, Patrick ...

Ich hab' mir mal Deine Route angeschaut, die startete am 28.10. ? Während des Lesens Deines Berichtes fühlte ich mich immer wieder an eine Fahrt mit der 'Finnjet' erinnert, eine Nußschale im Vergleich zur 'Epic', und die Wellen gingen auch so an 8m 'ran; ein Bordleben ist bei solchen Umständen wahrlich nicht mehr möglich. Kann ich etwas fragen zu Cannes; wurde da getendert und wie lief das ab?
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Re: NORWEGIAN EPIC 29.10.2018 review

Beitragvon Raoul Fiebig am 06.11.2018 11:13

Hallo JanMartin,

ich habe die "Finnjet" in dem aufziehenden Sturm erlebt, in dem zwei Tage später die "Estonia" versank. Im Nachhinein etwas surreal, wie das Schiff mit immer noch über 25 Knoten durch die Wellenberge geprügelt wurde und die Gischt mittschiffs wieder runterkam. :eek:
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Re: NORWEGIAN EPIC 29.10.2018 review

Beitragvon Wendy am 06.11.2018 17:12

Freut mich, daß sie generell die Epic solide im Griff haben- danke für Deinen ausführlichen Bericht!

Bei der Epic liegt Licht und Schatten etwas nah beieinander - nicht ohne Grund ist sie das "umstrittendste" Schiff von NCL. Wobei ich sagen muß - ich habe die Zeit auf ihr genossen - weiß aber nicht so recht, ob ich eine weitere Reise drauf machen würde.
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Re: NORWEGIAN EPIC 29.10.2018 review

Beitragvon Patrick Wetter am 07.11.2018 13:46

JanMartin hat geschrieben: Kann ich etwas fragen zu Cannes; wurde da getendert und wie lief das ab?


Hallo JanMartin,

ja, in Cannes wurde getendert. Das Schiff kam an, lag auf Reede und es waren 8 bordeigene Tender im Einsatz, die die Gäste vom Schiff zum Anlger gebracht haben. Das ganze lief zügig und gut organisiert ab. Am Anfang musste man noch Tendertickets für die einzelnen Abfahrten reservieren (z.B. über den Kabinenfernseher oder einen der Bildschirme in den öffentlichen Bereichen) und die Bordkarte fungiert dann als Ticket für die jeweilige Tendergruppe, die man reserviert hat. Man braucht dann nur noch auf die Durchsage zu achten und geht dann zum Tender wenn die Gruppe aufgerufen wird. Das klappt einwandfrei.
Bei Gästen, die Landausflüge gebucht haben, fungiert das Ausflugsticket automatisch als Tenderticket und man geht runter, sobald man aufgerufen wird.
Nach einiger Zeit dann benötigt man kein Tenderticket mehr und kann direkt runter gehen.
Wenn man zurück zum Schiff möchte, kann es sein, dass man zeitweise anstehen muss um zum Tender zu kommen, auch wenn konstant genügend Tender vorhanden sind, da man noch die Sicherheitskontrolle an Land durchlaufen muss. Würde diese an Bord gemacht, käme es zu Rückstaus auf der Gangway und der laufende Tenderbetrieb würde beeinträchtigt. Aber es läuft alles recht zügig ab. Haven-Gäste können über einen separaten Zugang zu den Tendern und müssen nicht anstehen.
Übrigens haben Haven-Gäste auch immer einen Aufzug, der prioritär vom Haven-Bereich direkt zum Ausschiffungsdeck 4 runterfährt. Man versammlt sich in der Haven-Lounge und der Concierge geleitet die Haven-Gäste dann nacheinander zum Aufzug. Das ist äußerst vorteilhaft, da der Lift nicht auf jedem Deck anhält, weil die Amis normalerweise für jede einzelne Etage den Lift nehmen... Einziger kleiner Nachteil: Die Haven-zugänglichen Auzüge sind mit blauen Displays gekennzeichnet und befinden sich ausschließlich auf der Steuerbordseite vorne. Sollte der Ausgang auf der Backbordseite liegen, muss man auf Deck 5 einmal die Seite wechslen und die letzte Etage zu Fuss runter. Ist aber alles kein Problem.
Grundsätzlich kann ich sagen, dass NCL die Passagiermassen gut meistert und Ein- und Ausschiffungfsprozeduren gut organisiert sind, solange alles planmäßig läuft. Kommt etwas, wie dieser Sturm, dazwischen, bekommt man die Massen nur sehr schwer bewältigt, sei es beim Ein- und Ausschiffen oder an der Rezeption, in den Restaurantbereichen, etc. Da wirkte auch das Personal zeitweise recht genervt, z.T. auch verständlich, da ich bei dieser Reise ganz besonders das Gefühl hatte, dass viele auch nicht lesen, was ihnen mitgeteilt wird oder einfach zu blöd sind etwas zu verstehen. Ich hatte hier so einige Begegnungen mit einer speziellen Kategorie an strohdummen Amis (sorry für den Ausdruck aber anders kann man es leider nicht bezeichnen), die einfach nichts verstanden haben. So stand ich z.B. vor dem Aufgang zum Entourage und es kamen zwei schwarze Amerikanerinnen auf mich zu und fragten: "Where is the breakfast?" Ich antwortete: "Wenn Sie das Büffet suchen, müssen Sie einmal geradeaus über das Pooldeck zum Garden Café". Antwort: "Oh, thank you!" Ich ging dann hoch zum Entourage und was passiert? Die beiden standen auf einmal hinter mir im Entourage und fragen"Is that here where we get the breakfast?"
Noch eine kleine Anekdote: Morgens im Aufzug hält dieser auf Deck 14. Eine ältere amerikanische Dame tritt in den Lift und bittet darum, dass man den Knopf für Deck 14 drücken möchte, da sie mit dem Aufzug nicht umgehen könne. Alles lacht und eine andere Dame meinte dann zurück: "Wir sind doch hier auf Deck 14!" Die Dame schaut und sagt: "Oh, really, do I have to get off here then?" Wohl bemerkt, der Lift hatte sich nicht bewegt, sondern stand nach wie vor auf Deck 14 :-)

Bei den Shuttle- und Landausflugsbussen der gleiche Zirkus. Ich frage mich, warum man große Schilder in die Scheibe hängt, wo genau drauf steht, wo der Bus hinfährt.
Das macht es natürlich auf für NCL nicht einfacher, die Organisation bestmöglich umzusetzen.
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Re: NORWEGIAN EPIC 29.10.2018 review

Beitragvon HeinBloed am 07.11.2018 14:11

Für uns, die oft und viel auf großen Kreuzfahrtschiffen unterwegs sind und mit den Abläufen vertraut sind, mag manches zum Lachen erscheinen. Für andere ist es vielleicht die größte Herausforderung in ihrem Leben. Und wenn es auch nur ein Aufzug ist.
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Re: NORWEGIAN EPIC 29.10.2018 review

Beitragvon papnik am 07.11.2018 21:20

Patrick Wetter hat geschrieben:
Grundsätzlich kann ich sagen, dass NCL die Passagiermassen gut meistert und Ein- und Ausschiffungfsprozeduren gut organisiert sind, solange alles planmäßig läuft. Kommt etwas, wie dieser Sturm, dazwischen, bekommt man die Massen nur sehr schwer bewältigt, sei es beim Ein- und Ausschiffen oder an der Rezeption, in den Restaurantbereichen, etc.


Aus leidvoller Erfahrung kann ich diese Einschätzung zu 100% bestätigen. Wir waren jetzt fast 4 Wochen auf der Norwegian Breakaway, und was wir da in Bezug auf Organisation und Lenkung von Passagiermassen erlebt haben, war unterirdisch, inakzeptabel, unverzeihlich.
Wir werden uns anwaltlich vertreten lassen, deshalb möchte ich hier nicht so viel schreiben, wen es interessiert, kann die Rewievs auf Cruise Critic lesen, die sagen alles.
Für mich steht fest, wenn auf Schiffen dieser Größenordnung mal ernsthaft was passieren sollte, heißt es: rette sich wer kann, unorganisiert, chaotisch, nach dem Motto, der Stärkste gewinnt.
Und die Führungsetage und auch die Offiziere wissen das genau, darum sind Rettungsübungen zu Beginn der Cruise nur noch reine Alibiveranstaltungen, die dem Einscannen der Bordkarte dienen. Manchmal noch nicht mal das, bei unserer Fahrt mit der Epic, und hier schließt sich der Kreis, noch nicht mal das. Übrigens ohne das was passierte.
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Re: NORWEGIAN EPIC 29.10.2018 review

Beitragvon JanMartin am 09.11.2018 02:20

Danke Patrick, für die erneut ausführliche Schilderung. Es kommt mir mit dem Tendern ähnlich vor wie ich es erlebt habe mit 'Norwegian Jade' im Juli in Norwegen, es klappte ziemlich gut. Die 'spezielle Kategorie an strohdummen Amis' hat wohl jeder schonmal erlebt, bei alten Leuten würde ich einfach vermuten, daß diese allgemein nicht mehr so gut klarkommen. Es wird verstärktes Pampern erwartet von Amerikanern, das ist auch gut im Forum von CruiseCritic zu spüren, da wird nach Dingen gefragt, ich ich in wenigen Sekunden ergoogelt habe.
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