von TorTas am 14.08.2009 14:37
Halloo allerseits, halloo Raoul, halloo Micha,
in der Tat ist der Internetartikel - und nur auf den möchte ich beziehen, weil er eben schriftlich vorliegt - völlig zu Recht zu bemängeln. Quasi als Aufhänger benutzt er die Schadstoffemissionen der Kreuzfahrtschiffe, um im weiteren Text von den Emissionen der Schifffahrt allgemein zu berichten. Es wird also einiges vermischt und der Leser gewinnt den Eindruck, die Kreuzfahrtschiffe seien die "Bösen". Dafür verdient das ZDF einen Tadel. Aber nur, weil es nicht explizit darauf hingewiesen hat, dass die Kreuzfahrtschiffe nur ein - weltweit gesehen - kleiner Teil der Verschmutzer sind.
Allerdings ändert das nix daran, dass es die wissenschaftlichen Untersuchen eben gibt. Die wird das ZDF nicht erfunden haben. Auch die Auflagen des Hamburger Senats für die Belüftung von Bürogebäuden in der Nähe des neuen Kreuzfahrtterminals sind ganz sicher keine Erfindung.
Von den globalen Folgen der allgemeinen Umweltverschmutzung einmal abgesehen, darf man nicht einfach ignorieren, dass es Häfen gibt, in denen Hunderte von Kreuzfahrtschiffen im Jahr anlegen und die dort den Großteil des Schiffsverkehrs darstellen, zumindest hinsichtlich der Schadstoffemissionen. Wer dort wohnt und nicht den Auflagen des Hamburger Senats unterliegen darf, muss dann eben die Konsequenzen tragen.
Deshalb bleibt die ZDF-Kritik dem Grunde nach berechtigt und verdient es nicht, mit Hilfe der Statistik nicht nur kleingeredet, sondern sogar als "plump und einseitig" abqualifiziert zu werden.
Das Emissionsproblem sollte gerade auch den Kunden der Kreuzfahrtschiffe nicht egal sein. Irgendwo in diesem Forum - ich finde den Beitrag nicht wieder, bzw. hab keine Lust zum Suchen - gibt es ein Foto vom Geirangerfjord, der vom Qualm mehrerer Kreuzfahrtschiffe ziemlich verpestet erscheint. Mein Foto vom Qualm der Lirica wollte ich zwar hochladen, hab aber leider nicht herausgefunden, wo und wie.
Meine Anregung, die Anbieter der Kreuzfahrten mal anzusprechen, fußt auf der naiven Vorstellung, man könnte mit Gesprächen was erreichen. Völlig naiv, ich weiß. Aber einen Versuch kann man ja trotzdem machen.
Was die Reeder verstehen, dürfte neben dem wirtschaftlichen Erfolg, bzw. Mißerfolg, den ihnen umweltignorante, bzw. umweltbewusste Kunden durch ihren Kauf, bzw. Nicht-Kauf bereiten, lediglich ein weltweites Regelwerk sein, das die Politik zu schaffen hätte, z.B. in irgendeinem G7-G20-Girgendwas-Gnochwas-Gipfel.
Für Micha: Unsere nächste Kreuzfahrt machen wir mit unserer hoch geschätzten ML, für die wegen ihres Alters die Kritik an ihren Emissionen nicht gilt. Meine Autos kaufe ich seit mehr als 20 Jahren alle 4 Jahre neu und ich lege dabei auf die Erfüllung der aktuellen und strengsten Abgasnormen höchsten Wert. Diese Normen wurden von der Politik gesetzt, weil die Hersteller es nicht für nötig befunden haben, hinsichtlich der Emissionen auf dem Markt in Konkurrenz zu treten. Deshalb war es nicht nötig, die Hersteller separat anzuschreiben.
Für Raoul: Allein aus Gründen der political correctness lediglich Celebrity zu buchen, würde bedeuten, lediglich den Marktgesetzen zu folgen, nach denen jeder das bekommen kann, was er will. Und sei es ein nur scheinbar reines Gewissen, weil er ein "umweltfreundliches" Schiff benutzt, genau so, wie ich immer ein "umweltfreundliches" Auto fahre. Außerdem ist, wie Sie selbst schreiben, die "Solstice"-Klasse lediglich relativ zur "Millennium"-Klasse aus Umwelt-Gesichtspunkten die scheinbar bessere Wahl. Ihre Bemerkung über den teuren Gasantrieb stützt meine Bemerkung über die rein betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkte, nach denen die heute vom Stapel laufenden Schiffe kontruiert werden.
Zur analogen Erinnerung: die europäischen Autohersteller haben sich erst von der Politik mit gehörigen Subventionen "zwingen" lassen, ihre Produkte ebenfalls mit Katalysatoren auszurüsten, wie das in den USA schon lange vorher gang und gäbe war. (Damals schon verstanden sie es, mit ihrer argumentativen Ignoranz Geld aus dem Steuersäckel in ihre eigenen Beutel umzuleiten. Und heute passierts mit der "Umweltprämie" wieder. Aber das nur am Rande.)
Sind DPF oder Katalysatoren für Schiffe die Lösung? Keine Ahnung! Das sollen die Fachleute herausfinden. Der Hafenstrom würde zumindest die direkten Folgen für die Anwohner mindern, wenn sie nicht gerade direkt am AKW wohnen. ;-)
Aber auch bei der Schifffahrt - Inklusive Kreuzfahrt - wird es ohne die Politik nicht gehen.
TorTasDie schöne alte Lady MS Mona Lisa und die schöne junge Lady RMS Queen Mary 2 haben hier ein paar private Diashows mit der Unvollkommenheit eines Amateurs:
http://www.youtube.com/TorTasKBAn allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern. (Erich Kästner)