von AIDAblu am 05.12.2009 18:08
Hallo Tina,
hallo Gerd,
vielen Dank, das ist sehr lieb von Euch. Ich will hier nicht die ganze Geschichte im kleinsten Detail breittreten, das reißt nur unnötig Wunden auf, die zumindest bei mir noch eine ganze Weile der Heilung bedürfen. Aber einen groben Umriß gebe ich Euch gern.
Wie ich oben schon schrieb, mit SOLAS 2010 am Horizont, habe ich seit zwei Jahren versucht, die SAGA ROSE zu einem passenden Hotel für Hamburg zu machen, es irgendwie hinzubekommen. Als ich dann ins MAXIM-Projekt rutschte, hatte sich die ROSE erstmal erledigt, denn zwei Schiffe wären erstens Blödsinn und zweitens niemals möglich gewesen. Also gingen die Pläne für die ROSE wieder in die Schublade und lagen da bis etwa April 2009, als ich mich mit einem Mitglied der MAXIM-Truppe zusammensetzte und die Idee mit der ROSE auf fruchtbaren Boden stieß - getreu dem Motto "Jetzt erst recht!". Immerhin war sie 1975 als "neue" HANSEATIC im Gespräch gewesen, wenn auch das damals leider platzte. Wir haben dann geplant und geplant, Ideen und Konzepte geschmiedet, traten aber dennoch auf der Stelle. Eine öffentliche Diskussion wollten wir nicht im Forum anstoßen, auch wenn ich manchen kleinen Hinweis einfließen ließ und manche Mitglieder hier auch informiert sind. Uns lag noch zu sehr die Diskussion über die MAXIM und die aggressive Zerredetaktik mancher hier schwer im Magen - diese Taktik hat damals bei den Investoren definitiv Unmut und Zurückhaltung erzeugt -, dieses Risiko wollten wir bei der ROSE nicht eingehen. Jeder, dem ich bzw. wir damit Unrecht getan haben, möge bitte Nachsicht üben. Gebranntes Kind scheut das Feuer.
Nun, wir holten noch einen "Finanzexperten" ins Boot, der sich jedoch sehr bedeckt hielt mit seinen Aussagen die Finanzierung und seine Aktionen betreffend, was mich ein wenig mißtrauisch stimmte. Aber ich maß dem nicht zuviel Bedeutung bei, denn er wurde wärmstens empfohlen. Allerdings stießen meine Forderungen auf schnelle, aber nicht übereilte Aktionen bezüglich der Investorensuche auf relativ taube Ohren. Man müsse erst die Behörden überzeugen, dann könne man an Geld denken.
Mittlerweile hatte ein befreundeter Schiffsmakler, dem ich für seinen Einsatz und seine Kritik und Anregungen zu diesem Projekt sehr dankbar bin, bei Saga unser Interesse bekundet und unverbindlich angefragt. Nun, es wurden keine Summen genannt, aber aufgrund des sehr guten Zustandes wurde eine Richtung vorgegeben, die nicht eben ein Taschengeld, aber auch nicht überzogen war. Doch Geld war noch nicht in Sicht. Ich bekam zum ersten Mal das Gefühl, auf eine zweite MAXIM-Story zuzusteuern, denn leider habe ich selbst keinerlei Drähte und Verbindungen in Richtung "Geldadel", so daß ich nicht wirklich aktiv werden konnte. Denn die "Old Boys", die unsere MAXIM kaufen wollten, zeigten seit der Strandung eine Aversion gegen weitere derartige Projekte.
Und die Zeit lief und lief, der 6. Dezember kam immer näher, bis Anfang November (!) endlich ein höchst interessantes Gespräch mit der HPA stattfand. Und entgegen aller Erwartungen, die sich auf die Erlebnisse bei der MAXIM stützen, zeigte sich die HPA offen und dem Projekt sehr zugeneigt, machte aber auch deutlich, daß das Ganze an Bedingungen geknüpft sei. Diese waren nicht klein, aber keinesfalls unüberwindbar. Im Gegenteil, mit den richtigen Leuten wäre das kein zu großes Problem gewesen. Sogar ein vernünftiger Liegeplatz am Baakenhöft wurde uns angeboten, der sich nach einer Besichtigung vor Ort als nahezu ideal erwies, wäre der ganze Bereich erst einmal in die HafenCity integriert.
Doch dann ging es nur noch bergab. Auch wenn die Behörden weiterhin Kontakte vermittelten und ihre Aufgeschlossenheit weiter bestätigten, so wurde es plötzlich in unserem kleinen Team menschlich frostig und finanziell absurd. Die von mir so empfundene menschliche Frostigkeit kann ich nur als "Messer im Rücken"-Taktik bezeichnen, und die finanzielle Absurdität führte bei Gesprächen, die ich mit Vertrauten führte (u.a. unser Makler und ein befreundeter Banker), zu fassungslosem Kopfschütteln und dem berühmten Vogelzeigen.
Ich machte unserer GbR dann sehr deutlich, daß ich mich mit diesen Umständen nicht abfinden würde und nahm mir einige Tage Zeit, das Ganze zu überdenken. Und so schwer es mir auch fiel - ich verließ das Projekt, das damit in sich zusammenfiel. Die verbliebenen Mitglieder machen nach meiner Information nicht weiter; einer der Gründe sei u.a. die Tatsache, daß ich der einzige im Team war, der sich sowohl mit Schiffen sowie mit Hotels und deren Abläufen wirklich auskenne. Außerdem hatte ich der GbR ausdrücklich die Verwendung meiner Pläne und Entwicklungen untersagt, so daß keine Grundlage mehr vorhanden war, anhand derer jemand dafür hätte interessiert werden können.
Ihr könnt mir glauben, das war eine der schwersten Entscheidungen meines Lebens. Dies war mein Baby, an dem ich so lange gearbeitet habe. Und obwohl das Schiff nach Quellen aus Southampton inzwischen verkauft sein soll (an wen auch immer, das ist nicht bekannt) und damit ohnehin nicht mehr zur Verfügung steht, liegen die Pläne und das Konzept immer noch hier in Sichtweite. Nennen wir es eine Mahnung. Eine Mahnung, ein solches Projekt, sofern es denn noch eines geben sollte (und ich hätte große Lust dazu!), mit den richtigen Leuten anzufangen und anfängliches Mißtrauen nicht zu ignorieren. Und vor Allem mehr Kontrolle auszuüben.
Dies alles klingt nun so, als hätte ich blind mein Vertrauen und meine Kraft in ein Rudel Idioten gesteckt. Dem ist nicht so - im Gegenteil, ich habe oft genug auf die Bremse treten müssen, damit das Ganze nicht in seltsame Bahnen geriet. Ich gebe gern zu, daß mein großer Wunsch, dieses wunderbare Schiff hier nach Hamburg zu holen, ab und an möglicherweise meinen sonst glasklaren Blick ein wenig verschwimmen ließ. Aber bis zu einem gewissen Zeitpunkt waren soviel Power und Enthusiasmus hinter all dem, was von allen Beteiligten ausging. Das Problem war, daß diesmal die Vorzeichen anders herum waren - wir hatten die Unterstützung durch die Behörden, aber leider fehlte das Geld. Und auf die angedachte Art und Weise - das sage ich als gelernter Banker - hätten wir niemals welches bekommen. Weder zu normalen Zeiten, noch jetzt in der Krise. So realistisch müssen wir sein.
Trotzdem - ein paar Worte des Dankes sind angebracht. Eckhard, für Kreativität, Ideen und Arbeit bis zur Erschöpfung. Vielleicht war es auch zuviel des Guten. Joe - dafür, daß Du uns Deine Zeit und Arbeit zur Verfügung gestellt hast und niemals mit Kritik gespart hast. Und auch Frau Martin und Herrn Hoyer von der HPA - für ein sehr angenehmes und ehrliches Gespräch und die Aufzeigung von Möglichkeiten.
Ob in dieser oder ähnlicher Konstellation ein solches Projekt in absehbarer Zeit noch einmal gestartet werden kann, steht in den Sternen. Und dies liegt nicht nur an der kaum noch vorhandenen passenden Tonnage (ein alter Pott, der seit Jahren vor sich hinrostet, wird kaum solvente Interessenten finden). Es verlangt auch von allen Beteiligten viel Einsatz, zeitlich und körperlich, und solche Menschen sind nicht unbedingt wie Sand am Meer gestreut.
Ich hoffe nur, daß die SAGA ROSE in gute Hände kommt und wir sie bald in einer statischen Rolle als Hotel und Museum, idealerweise in Europa, besuchen und genießen können.
Grüße aus Hamburg
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Dirk
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