von akPhoenix am 24.07.2008 08:30
Hallo Raoul,
da kann ich Dir auch aus eigener Erfahrung nur voll und ganz zustimmen !!!
Wird aus Sicherheitsgründen z.B. auf einen Tenderhafen verzichtet (uns so ergangen mit der Maxim in Portimao / Portugal), so heißt es: Na sooo schlimm ist der Seegang doch gar nicht, die wollen ja bloß nicht ... - man mußte sich schon recht weit über die Bordwand hängen, um zu sehen, daß immer wieder mal kräftig Wasser von unten durch das Gitter der Tenderplattform schlug. Hätte man getendert und wären Passagiere dabei geduscht oder beim Ein- und Aussteigen gar verletzt worden, hätte es geheißen: Wie unverantwortlich, so ein Risiko einzugehen ...
Auf derselben Reise konnten wir aufgrund heftiger Gewitterböen aus Korfu nicht auslaufen. Erst nach der Showveranstaltung um 22:30 Uhr legte die Maxim dann mit Schlepperunterstützung ab. Der Wind hatte nachgelassen, aber See 9 zu Beginn der Nacht zeigte deutlich, daß da wohl "einiges los" gewesen sein mußte. Durch die Verzögerung beim Auslaufen und die Langsamfahrt in der aufgewühlten See fiel der Landgang auf den kleinen Tremiti-Inseln am nächsten Tag aus. Und was war der Kommentar ? Die wollten ja bloß die Show nicht gefährden; komisch, wieso konnten die denn direkt nach der Show ablegen; die wollten ja bloß keinen Landgang auf diesen Mini-Inseln, da hätte es ja eh nix zu sehen gegeben - hätte die Maxim aber beim Ablegen durch eine heftige Windböe die Pier gerammt, wäre den Paxen das Abendessen wieder oben herausgekommen oder hätte die Abendshow ausfallen müssen, wäre das Geschrei mit Sicherheit mindestens genauso groß gewesen.
"Recht machen" im Sinne der (aller) Passagiere kann man es in solchen Situationen also sowieso nicht; das Beste ist dann meiner Meinung nach immer noch, ohne Gefährdung von Schiff und Passagieren die vorgesehene Route "as good as possible" zu fahren. Daß es dabei auch bei erfahrenen Kapitänen gelegentlich zu Fehleinschätzungen kommen kann (manchmal gibt es halt unvorhergesehene Einzelwellen, die dann z.T. heftige Schäden anrichten), liegt in der Natur der Sache. Und daß die neue Alex halt im oberen Bugbereich durch das extrem hoch gezogene Schanzkleid eine Schwachstelle hat - nun gut, das muß die Schiffsführung eben lernen und ggf. für die Zukunft daraus Konsequenzen ziehen. Solange die Beschädigung mehr einen kosmetischen Schaden als ein Sicherheitsrisiko darstellt, sollte die Reise "einfach" fortgesetzt werden (insbesondere da es sich um eine lange 42-tägige Grönlandreise handelt). Und da in dem geplanten Fahrtgebiet die Anlandungen fast nach Belieben zeitlich verschoben werden können, kann eine flexible Schiffsführung und eine ebenso flexible Bordreiseleitung selbst nach einem zwei- oder dreitägigen Reparaturaufenthalt in Island (sofern überhaupt erforderlich) immer noch sehr viele schöne Reiseerlebnisse "retten".
Außerdem - wetten, daß gerade die größten Meckerer von heute zu Hause dann die größten Prahler sind, welch heroische Herausforderungen gerade SIE auf dieser Reise erlebt und bestanden haben ?!?
MfG Andreas