hier ein paar frische Eindrücke von der Transatlantikreise mit der Celebrity Equinox für die Interessierten unter Euch. Ich beschränke mich zunächst auf die Themen rund um dieses tolle Schiff und lasse die überwiegend sehr interessanten Häfen beiseite. Ich denke, die Neugier aufs Schiff ist größer, da einige von Euch in den nächsten Monaten mit der Equinox fahren werden. Insbesondere möchte ich sie an einigen Stellen mit der hier im Forum zu Recht sehr bekannten und beliebten „Millennium-Klasse“ (mein Referenzschiff ist hier die Celebrity Summit) vergleichen.
Die Equinox kann man meiner Meinung nach (zusammen mit ihrer Schwester Solstice) insgesamt am besten als „Design-Hotel“ zur See beschreiben. Die Kabinen nehmen eher Anleihen bei modernen Business-Hotels. Es sind zum Glück aber auch einige „maritime“ Elemente erhalten geblieben. Ganz klar: Man muss trotz der durchweg sehr gelungenen Farbwahl modernes Design mögen, um sich an Bord richtig wohlzufühlen – anders als beispielsweise auf den modernsten, sehr gediegen eingerichteten Einheiten des Rivalen Princess Cruises. Aber die Distanz zu den sehr bunten modernen Schiffen von NCL bleibt gewahrt (ganz zu schweigen von Vergleichen mit Carnival und Costa, die völlig abwegig wären).
1. Die Kabine
Wir bewohnten die Kabine 6235 (zweitgünstigste Balkonkabinenkategorie 2B). Der Grundriss war sehr großzügig bemessen, mit großem Balkon und einem fast schon riesigen Bad. Herausragend: die wunderbaren Betten, die tollen Balkonsessel (mit einem Tisch, der – endlich – die richtige Höhe zum Frühstücken hatte und nicht wie sonst immer zu niedrig war) und der Fernseher, der eher ein Multimediacenter mit höchst umfangreichem Unterhaltungsangebot war (z. B. Spielfilme und Musik „on demand“, ausreichend für mindestens 3 Transatlantikreisen
2. Bars, öffentliche Bereiche und Unterhaltung.
Bei den öffentlichen Räumen ist grundsätzlich viel Lob angebracht. Die „Highlights“ (aber natürlich auch einige Kritikpunkte) aus meiner Sicht: Das 3-stöckige Atrium ist im Gegensatz zur M-Klasse nicht mehr kubisch beengt und durch eine große Treppe verbaut, sondern oval, hell und großzügig mit einer relativ zierlichen gläsernen „Showtreppe“. Der Teil des Atriums, in dem die insgesamt 8 Panoramaaufzüge nach oben gleiten, ist bis zum obersten Deck für die Sonne offen und mit einer großzügigen Verglasung versehen. Dazu passen der hängende echte Baum und die Skulptur „Here comes the Sun“ ganz hervorragend. Die 2-stöckige Bibliothek kommt ebenso wie der Themenbereich „Planet Earth“ in den Genuss dieser privilegierten Lage. Gefällt mir wesentlich besser als die riesigen offenen Atrien bei RCI (Voyager- und Radiance-Klasse). Vor und nach den abendlichen Essenssitzungen tobte im Atrium auf Deck 3 an der maritim-modernen „Passport Bar“ bei Live-Tanzmusik das Leben.
Sehr gelungen ist die Trennung der diversen Geschäfte in zwei attraktive Shoppingzeilen auf zwei Ebenen. Die exquisiten Boutiquen oben, die Standardgeschäfte unten, keine geballte Ansammlung wie auf der M-Klasse. Auch das Casino und die mittlerweile unvermeidbare „Kunstgalerie“ nebst Auktionsbereich sind in dieser Umgebung untergebracht und können so über die beiden Shoppingboulevards bestens von den Passagieren, die sich dafür nicht interessieren, auf dem Weg vom Hauptrestaurant zum Theater umgangen werden.
In der Nähe finden wir auch das „Celebrity Central“, ein sehr schöner Mehrzweckraum für Vorträge, Veranstaltungen (z. B. Bingo) und Kinofilme. Dazu eine weitere Neuheit – zumindest für Celebrity: die Disco. Endlich gibt es ein getrenntes Angebot für das Nachtleben mit Nightclub (wie auf der M-Klasse in der Aussichtslounge) und der Disco „Quasar“ – ein dringend notwendiger Schritt, um Celebrity auch für ein jüngeres Publikum attraktiver zu machen. Allerdings wurde die Disco kaum angenommen, kein Wunder bei einer Transatlantikreise mit größtenteils älterem Publikum.
„Central“ und „Quasar“ säumen das zweite (2-stöckige) Atrium. Formschön und elegant zwar, aber doch eher unnötig (außer zum zeitweiligen Aufstellen von Verkaufsständen), denn die dort aufspielenden Musiker konnten einem fast schon leid tun, da kaum Sitzgelegenheiten für die Passanten vorhanden sind und die Akustik hundsmiserabel ist.
Wieder zu den Schokoladenseiten unter den öffentlichen Räumen: Das sind für mich die sehenswerte coole, durchgestylte „Martini Bar“ mit Eisbar und außergewöhnlichen Wodka- und Martinispezialitäten (Cocktails ca. 10 USD) sowie die „Ensemble Lounge“ mit abendlichem hochklassigen Live-Jazz. In der Nachbarschaft die klassische Celebrity-Pianobar „Michael’s Club“, gemütlich wie immer, doch diesmal von mir nicht besucht, da der „unmoderne“ Musiker dort so gar nicht meinem Geschmack entsprach.
Was generell im Gegensatz zur M-Klasse sehr gut gelöst wurde: Die Stimmung der Bars wurde eigentlich nirgendwo von durchströmendem Fußgängerverkehr (von vorn nach hinten bzw. umgekehrt) gestört. Hier hat man aus den diesbezüglichen architektonischen Fehlern der zweitjüngsten Schiffsgeneration gelernt.
In der vertikalen Richtung verlief der Verkehr auf der Equinox jedoch sehr zäh. Unverständlicherweise wurde die gleiche Lösung gewählt, die z. B. auch schon auf RCIs Voyager-Klasse Probleme macht: Es gibt lediglich zwei (zugegeben großzügige) Treppenhäuser (nebst 4 bzw. 8 Aufzügen), die den Passagieren zur Verfügung stehen. Eine Führungskraft an Bord betonte mir gegenüber, dass dies den Passagieren die Orientierung erleichtere und zudem im hinteren Bereich immer ein Panoramaaufzug mit Tageslicht und Blick ins Atrium zur Verfügung stehe. Stimmt, aber in der Praxis sind unnötig weite Wege und zu Stoßzeiten sehr lange Wartezeiten an den Aufzügen die Folge – auch deshalb, weil sich die Passagiere sehr oft davor scheuen, die geräumigen Aufzüge voll zu besetzen. Ein dicker Minuspunkt, den die M-Klasse nicht kennt und der auf den noch folgenden Schwesterschiffen nach Möglichkeit geändert werden sollte.
Eine Anmerkung zum Fitness- und Saunabereich, der diesmal einen seitlichen Ausblick, aber dafür ein schwach frequentiertes, sehr schönes offenes Aussichtsdeck nach vorn mit schwungvoller Musik bietet: Auf der M-Klasse ist dieser Bereich sehr üppig bemessen. Vielleicht hat man deshalb bei der Equinox zumindest die Anzahl der Geräte bezogen auf die Passagierkapazität spürbar reduziert. An den besonders beliebten Crosstrainern kam es deshalb zu Stoßzeiten ebenfalls zu langen Wartezeiten. Schade, denn es wäre genügend Platz für weitere Trainingsmaschinen vorhanden. Auch schade: Die Herrensauna bietet im Gegensatz zur Summit keinen Meerblick. Die Damensauna sowie der eintrittspflichtige Wellness-Bereich „Persian Garden“ (für Passagiere der Kategorie Aqua Class inklusive) wurden nicht von mir besucht.
Sehr zu loben ist der vergrößerte (selbstverständlich kostenfreie) Spa-Poolbereich: Die Deckenhöhe ist im Vergleich zur M-Klasse deutlich vergrößert, der Chlorgeruch verringert und statt verblassenden Wandmalereien und verstaubten künstlichen Blumendekorationen gibt es jetzt attraktive Wasserspiele. Die größte Verbesserung ist der Ersatz des Thalassobeckens (das wegen der vorhandenen Whirlpools eigentlich überflüssig war) durch einen richtig langen Süßwasserpool, der einige Schwimmzüge ermöglicht. Ein Genuss, hier abends bei blauer Beleuchtung und angenehmer Wassertemperatur in Ruhe zu schwimmen. Die Pools auf dem schönen Sonnendeck sind dagegen deutlich kleiner geraten. Leider hat der Spa-Poolbereich auch einen Nachteil, er betrifft das „Spa Café“. Doch dazu mehr an anderer Stelle.
Was gibt es zu den „Innovationen“ auf der Equinox zu sagen? Die Rasenfläche „Lawn Club“ hat mir nach kurzer Eingewöhnungszeit sehr gut gefallen. Es hat schon was, auf hoher See den Geruch von Gras wahrzunehmen. Gerne saß ich hier in einem der bequemen Sessel und genoss das ungewöhnliche Ambiente sowie öfters den Cocktail of the Day an der schönen Sunset Bar (5 USD zzgl. Serviceentgelt). Der Spaß beim Boccia-Spiel entschädigte für die fehlende Minigolfbahn. Eine gelungene Ergänzung, die ich nicht mehr missen möchte. Die „Hot Glass Show“ besuchte ich nicht, da sie mich nicht so interessierte und es einfach zu viel anderes zu tun gab, sie schien jedoch beim Publikum recht gut anzukommen.
Eine Beruhigung für die „Traditionalisten“ unter Euch, die das mit Rettungsbooten vollgestellte Promenadendeck beklagen: Es wurde auch an Euch gedacht. In den Bereichen vorne beim Theater und mittschiffs beim Atrium ist das Promenadendeck unverstellt und es sind schöne Holzliegestühle in ausreichender Zahl vorhanden. Der mitreisende Maritimhistoriker David Perry war dort stets anzutreffen. Hier kommt ein wenig Liner-Feeling auf. Allerdings gibt es nur ganz wenig Teakholz auf den offenen Decks.
Bevor ich im nächsten Teil auf die Restaurants und den Service eingehen will, ein Wort zur gebotenen Unterhaltung. Den für mich wesentlichen Namen habe ich schon kurz erwähnt; David Perrys Vorträge zur Geschichte der Transatlantikschifffahrt waren für mich der Höhepunkt. Sehr gut soll auch die vom Chefkoch moderierte „Küchenschlacht“ gewesen sein. Die musikalische Unterhaltung war die bislang beste auf allen meinen Kreuzfahrten. Die Gastkünstler, die in Teneriffa für den Transatlantikabschnitt zustiegen, hatten durchweg hohes Niveau, viel höher als im Mai dieses Jahres auf der Summit. Teilweise waren sie sogar anspruchsvoll und unkonventionell (z. B. der Geiger Doug Cameron
Das war’s mal fürs Erste. Teil 2 folgt bald.
Viele Grüße
Andreas



























